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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Montag, 23.08.2010 12:01 Uhr
An: Sorpresa
Betreff: Oranger Regen
Liebe Sorpresa
Es war einmal, kurz und heftig, Sommer. Bedauerlicherweise habe ich eben diesen in meiner letzten Mail aufs Himmelhochjauchzende gelobt. Da sieht man wieder einmal, wo Überschwänglichkeit hinführen kann.
Zu den äusserst beliebten Aktivitäten der Sommerzeit gehören - wenn der Sommer denn anwesend wäre - Freiluftkinos. Da sitzt man, genüsslich ein Eis schleckend, auf einer Tribüne mit Aussicht auf die grandiose Kulisse des Veranstaltungsorts, lässt sich erfüllt durch die vorher verzehrten Speisen und kredenzten Getränke den lauen Sommerwind um die Nase wehen und taucht ein in die mehr oder weniger spannende Filmgeschichte, die vor einem über die Leinwand flimmert.
Das zumindest ist die Idealvorstellung. Die Realität jedoch, macht auch in diesem Sommer nicht mit.
Mein erster Freiluftfilm war „Sex and the City 2“. Während die Ladies auf der Leinwand in Dior, Lanvin & Co. gewandet und auf Giuseppe Zanotti, Christian Louboutin & Co. durch schönstes Wetter stöckelten, trotzten wir Zuschauer im leichten Regenensemble dem kleinen Wolkenbruch, der dank der milden Temperaturen erträglich war.
Mein zweiter Freiluftfilm war „Ghost Writer“, begleitet von einem unaufhaltsamen und ununterbrochenen Wassersturz auf einen Haufen oranger Plastikregenmäntel. Ich bin noch heute davon überzeugt, dass der Ghost es einfach bescheuert fand, dass wir den Writer sehen wollten. Nun gut. In Gesellschaft von maximal 50 anderen wasserfesten Personen hielten wir dem orangen Regen Stand. Was im Film passiert, weiss ich leider bis heute nicht. Denn entweder versperrte mir die Kapuze des orangen Plastikregenmantels das Blickfeld oder mein Schirm versuchte meinem Sitznachbar ein Auge auszustechen. So oder so war kein Wort zu verstehen, weil das Prasseln des Regens lautstarker war als sämtliche Filmgeräusche. Als die ersten Enten in meinen Schuhen ein Nest bauen wollten, bin ich gegangen.
Das Fazit ist eine ganz einfache Wahrscheinlichkeitsrechnung: Für Freilichtkinos, ob orangene oder hellblaue, empfiehlt sich keine Vorausplanung. Es regnet ja doch, wenn man schon im Vorfeld Tickets hat. Sollte es mal nicht geregnet haben, wäre es ein extrem guter Film gewesen, zu dem man sowieso keine Tickets bekommen hätte, weil er schon seit Wochen ausverkauft gewesen war.
Orange Regeng(r)üsse
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Dienstag, 18.05.2010 09:03 Uhr
An: Sorpresa
Betreff: Bernelend
Liebe Sorpresa
Bern im Elend, könnte man meinen.
Nicht, dass wir im Hauptquartier der Eidgenossen schon soweit wären, dass der Standardberner einen hohen Stolz für seine Fussballmannschaft entwickelt hätte. Man arbeitet jedoch kontinuierlich an uns.
Mindestens seit Bestehen des neuen, durchaus adretten Stadions mit dem weltmännischen Namen „Stade de Suisse“ schafft sich ein etwas breiteres Interesse am Geschehen rund um die lokale Fussballgrösse Platz.
Dennoch ist man bernes generös und wartet mit einer angenehmen Zurückhaltung auf die Dinge, die da rollen. Wenn dann die jungen Buben (ja, so heisst tatsächlich die Fussballmannschaft der eidgenössischen Hauptstadt) während einer passablen Zeitspanne eine stabile Leistung erbracht haben und kurz davor stehen, in der Finalissima den Pokal abzuholen, dann mutiert der Standardberner vorübergehend zu einem „Fan light“.
Nun gut, es hat nicht sollen sein. Die Leckerlis aus Basel haben die Berner Bären gekonnt geschlachtet und sind mit frechem Grinsen vom feindlichen Gelände getrabt. Den Pokal hatten sie dabei leider im Gepäck.
Der Standardberner ist dann ungefähr eine halbe Stunde recht betrübt. Nach eben dieser fragt er sich, wieso er betrübt ist und findet sogleich die Antwort darin, dass durchaus noch anderen Dingen im bernesen Leben eine gewisse Wichtigkeit gebührt.
So lebt nun mal der Standardberner.
Im grossen Fussball-Zusammenhang betrachtet, dürfte der doch eher herbe Rückschlag für die jungen Buben allerdings eine nicht vergleichbare Kleinigkeit sein. Denn hätten nun die Basler den Meistertitel vergeigt, dann lägen heute statistisch betrachtet deutlich mehr Menschen in tiefer Trauer und ohne Sinngebung daheim im Bett.
Was soll’s, wir Standardberner haben ja noch das Bundeshaus, das wir anhimmeln können.
Be(rn)elendete Grüsse
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Dienstag, 20.04.2010 10:01 Uhr
An: Sorpresa
Betreff: Bittersüsse
Liebe Sorpresa
Der Betreff meiner Mail lässt ahnen, dass es heute um ein Durcheinander geht. Das Wort Bittersüsse ist grammatikalisch betrachtet ein Oxymoron und der hat bekanntlich die Aufgabe, sich selbst innerhalb einer Aussage zu widersprechen. Wobei sich im Zeitalter von Schokolade mit Chili- und Pfeffergeschmack die Frage aufdrängt, ob der Oxymoron nicht langsam vom Aussterben bedroht sein müsste?
Doch eigentlich geht es hier um das bittersüsse Durcheinander im Kopf meiner Grosi. Mit stattlichen 95 Jahren ist sie körperlich noch rüstig genug, täglich mindestens einen halbstündigen Spaziergang zu machen. Den pflegt sie auf dem langen Balkon ihrer Altersresidenz zu tätigen, auf dem sie bei Wind und Wetter je nach Laune 20 bis 40 Runden zurücklegt. Dabei erfreut sie sich an der Weitsicht ins Umland und an den im Garten hüpfenden Jungschafen. Soviel zum süssen Teil.
Der bittere Teil zeichnet sich dadurch aus, dass die Grosi meine Mutter regelmässig als Bedrohung empfindet, weil diese in ihren Augen die Geliebte meines Vaters, also ihres Sohns, gibt. Denn schliesslich ist sie felsenfest davon überzeugt, dass eben dieser ihr Ehemann ist. Mich und den restlichen Anteil weiblicher Familienmitglieder weiss sie stets als solche einzuordnen, jedoch kunterbunt gemixt in Altersklasse und Verwandtheitsgrad. So bin ich manchmal das liebe Grosskind Aladina (Volltreffer), dann wiederum Erika oder Margrit (ihre Töchter und damit eine Generation am Volltreffer vorbei) oder regelmässig auch Mirjam (korrekte Generation, falsches Grosskind). In der Rolle der Letzteren darf ich dann stets von meinen beiden Jungs und meinem Ehemann erzählen. Da ich weder Mutter noch amtlich beglaubigte Ehefrau bin, gestalte ich die Antwort mit leuchtender Kreativität.
Eines darf ich meiner Grosi lassen: auch wenn sie mit 95 Jahren etwas müde vom Leben ist und der Kopf und die Beine nicht mehr ganz so willig sind wie in jungen Jahren, so hat sie doch stets ein kindlich-fröhliches Lächeln im Gesicht. Hie und da bringt sie sogar ziemliche Räubergeschichten zu Tage. So wollen manchmal die Ärzte der Altersresidenz nachts die Schokolade aus ihrem Nachttisch rauben. Oder ihre Wohngenossin versucht ihr ein Bein zu stellen, wenn sie an ihr vorbei geht. Doch eines lässt sie sich nicht nehmen: den Sieg. Denn die stehlenden Ärzte hat sie vertrieben und das gestellte Bein übersprungen. Darum fehlt am nächsten Tag auch keine Schokolade und es fällt auch niemand hin.
Bittersüsse Grüsse
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Freitag, 19.03.2010 11:24 Uhr
An: Sorpresa
Betreff: Frühlingsboten
Liebe Sorpresa
Der Winter war lang, grau, kalt, nass und ... eben, lang.
Es kommt selten genug vor, dass die Schweizer Bevölkerung gepaart mit den Bewohnern der umliegenden Länder hinter meiner Meinung steht (oder, um ehrlich zu sein, dass sich überhaupt jemand dafür interessiert).
Nun denn. Weil die Seltenheit die Gewohnheit verjagt hat, muss ich das Thema vertiefen:
Der Winter war sehr lang, düster, eisig, feucht und ... eben, sehr lang.
Die somit nahezu empirisch belegte Tatsache zeigt sich in der Schönheit der Frühlingsboten:
- Die mürrische Coop-Kassen-Frau – und sie ist normalerweise sehr extrem
mürrisch – schaut mir in die Augen und wünscht mir zudem einen schönen Tag.
- Der Quartier-Abwart schaut nicht mehr auf den Boden, wenn er an mir
vorbei geht (weil er die Eisglätte auf den Fusswegen mit Wintersalz ermorden
muss), sondern winkt mir über eine Distanz von sagenhaften 100 Metern
freundlich zu.
- Die als ausgestorben vermuteten Vögel zwitschern mich wieder in den Tag.
- Mein Auto begrüsst mich am Morgen wieder authentisch und versteckt sich
nicht mehr unter einer Eisbahn.
- Die Wetterfee im Abendprogramm ist zwar immer noch doof, aber irgendwie
verzeiht man ihr das, weil sie endlich wieder gescheite Prognosen von sich
gibt.
- Die Spargeln sind da. Und sie sind nicht mehr in rohem Zustand zweimal um
den Erdball gereist, bevor sie auf dem Teller landen.
- Die Schneeglöckchen geben sich mutig und tun alles, damit die Krokusse es
auch bald tun.
- Die mittlerweile unsäglich unbeliebten Superkaltwinterjacken bleiben im
Schrank.
- Die Tage haben im fiesen Endspiel um die 24-Stunden-Trophy die Nächte
besiegt und glänzen mit ihrer wachsenden Präsenz.
Nur eines piesackt mich dennoch: hat die Eiszeit wirklich ihre Koffer gepackt oder bringt sie unser Seelenwohl demnächst in folgenschwere Schieflage? Das tut sie nämlich fast in jedem Jahr. Weil sie unerwartet wieder auftaucht und unser Leben nochmals durch das Eis zieht, bevor wir endlich von den wahren Frühlingsboten umwickelt werden dürfen.
Frühlingshafte Grüsse
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Montag, 22.02.2010 11:08 Uhr
An: Sorpresa
Betreff: Telegenialität
Liebe Sorpresa
Und wieder ist Olympia-Zeit. Und wieder dreht sich alles ums Gewinnen und Verlieren und damit schlussendlich um den Sportkanal im Fernseher.
Es ist ja nicht so, dass ich unsportlich bin. Oder gänzlich uninteressiert in eben diese sportlichen Ausnahmezustände, welche die Welt bewegen. Ich finde nur, dass sich die Organisatoren von Olympiaden, Weltmeisterschaften, Europameisterschaften, Tennis Master Turnieren sowie Federer-Auftritten im Generellen, Champions League Meisterschaften, Leichtathletikmeetings und weiss-der-Geier-was besser untereinander abstimmen sollten.
Geradezu ideal wäre es, all diese Sportlichkeiten zeitgleich durchzuführen. Sommer- und Winter-Olympiaden könnten bestens parallel durchgeführt werden. Es ist ja immer grad irgendwo Sommer und anderswo Winter. Gleichzeitig würden dann auch alle Fussballer, Tennisspieler, Leichtathleten und sonstigen Weltsportler um Medaillen und Pokale kämpfen. Dies vorzugsweise im Januar. Man könnte dann den Januar weltweit umbenennen, beispielsweise in Sportuar.
Das würde unser aller Leben deutlich vereinfachen! Die Fernsehfritzen hätten damit bereits Ende Januar die Einschaltquoten fürs ganze Jahr in trockene Tücher gelegt und könnten in den darauf folgenden 11 Monaten besonders viel Sendezeit tiefgründigen Spielfilmen mit Happy End und Nastuchzwang widmen. Die allgemeine Menschheit könnte dann wieder ungestört schöne Gespräch über schöne Themen führen, lustige Dinge unternehmen, interessante Orte besuchen, spannende Bücher lesen, leckere Dinge essen, feine Tropfen kredenzen und dabei immer ganz entspannt bleiben. Weil es ganze 11 Monate lang keinen Anlass geben würde, der das Eine oder Andere verunmöglichen, verkürzen oder hetzen würde, weil im Fernseher die Live- oder Nicht-Live-Übertragung von siehe oben kommt.
Ich mag den Januar sowieso nicht sonderlich, weil er jedes Mal wenn er kommt, meine ganze Weihnachtsstimmung kaputt schlägt und mit miesem Grinsen zu mir sagt: hoch mit Dir; es ist ein neues Jahr und in eben diesem musst Du alles viel, viel besser machen als im vergangenen Jahr!
So ungefähr stelle ich mir das vor. Das, meine liebe Sorpresa, wäre Telegenialität im normalen Alltag zugunsten der ganzen Menschheit!
Telegeniale Grüsse
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Mittwoch, 20.01.2010 11:20 Uhr
An: Sorpresa
Betreff: Mobil unbeweglich
Liebe Sorpresa
Es ist doch immer wieder berauschend, welch’ spannende Überraschungen die heutige mobile und vernetzte Welt im Köcher hat.
Anfang Dezember habe ich mein Herz dem schmucken neuen i-Mobiltelefon verschenkt.
Meinem bisherigen Mobiltelefon-Anbieter, nennen wir ihn A, hatte ich bisher notabene 15 Jahre die Treue gehalten. Das war offensichtlich kein weiser Entscheid gewesen. Sein Angebot für das i-Mobiltelefon war so sehr knauserig, dass ich mich guten Mutes in die Arme eines anderen Anbieters stürzte.
Der neue Anbieter, nennen wir ihn B, nahm mich mit offenen Armen und einem königlichen Angebot für das i-Mobiltelefon auf. In grosser Dankbarkeit füllte ich das Formular für die „stets problemlose“ Portierung meiner Nummer per 1. Januar aus.
An Silvester flatterte mir ein Schreiben vom Anbieter B ins Haus, das mir bei Weitem keinen guten Jahreswechsel wünschte. Vielmehr teilte man mir mit, dass der Anbieter A die Portierung meiner Nummer verweigert hatte.
Anstatt in schönster Manier vor dem Spiegel zu stehen und mich für die Silvester-Party aufzubretzeln, kommunizierte ich danach eine sehr lange Stunde mit den Hotlines der Anbieter A und B. Erfolglos. Ich startete mit altem Handy und altem Anbieter ins neue Jahr. Fürstlicherweise wurde mein Abo beim alten Anbieter nicht um Mitternacht ausgeschaltet, man wollte mich offenbar einfach noch etwas bei sich behalten.
Zig Anrufe, Warteschlaufen und erhitzte Gespräche mit den Hotlines der Anbieter A und B später wusste ich Bescheid: mir konnte ausschliesslich immer derjenige Anbieter helfen, mit dessen Hotline ich gerade nicht sprach.
Nun gut. Irgendwann nach noch mehr Anrufen, ein paar Briefen und zwei, drei Formularen liess man verlauten, dass der Anbieter A mich nun doch per Ende Januar aus seiner Umklammerung gehen lässt.
Bis dahin ergötzte ich mich täglich in stets heller werdender Vorfreude an meinem neuen Schmuckstück und sehne den Tag meiner Freilassung herbei.
Mobilitätsfordernde Grüsse
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Donnerstag, 17.12.2009 10:45 Uhr
An: Sorpresa
Betreff: Glitzerndes Kammerflimmern
Liebe Sorpresa
Nicht, dass Du Dir jetzt so richtig grosse Sorgen machen musst! Kammerflimmern ist ja normalerweise eine lebensbedrohliche pulslose Herzrhythmusstörung, bei der in den Herzkammern ungeordnete Erregungen ablaufen und der Herzmuskel sich nicht mehr geordnet kontrahiert. Das endet meist sehr fest böse!
In meinem Fall ist das Kammerflimmern jedoch mit viel weihnächtlichem Glitzerstaub überzogen. Das endet maximal für den Kontostand sehr fest böse.
Nach meinem Brasilien-Urlaub hatte ich überhaupt keine Lust auf Weihnachten und noch weniger Lust auf entsprechende Dekoration und entsprechendes Glitzern und Flimmern in meinen Kammern. Ich mied meine bisher ach so geliebten Kisten voller Weihnachtsplunder, als hätten sie nie existiert. Ich war bereit, der Welt zu zeigen, dass es auch Jahre gibt, in denen Weihnachten keine Lust auf Firlefanz auslöst!
Weit gefehlt!
Es kam der erste Advent. An eben diesem Sonntagabend strahlten urplötzlich von unten, oben, quer, seitlich, halbschräg und einfach von überhaupt diese Lichterketten und Dekorationen aus den Häusern.
Ich zog mich zurück, damit ich nicht zu lange mit den Zähnen knirschen musste. Das ist in meinem Alter nämlich nicht mehr so gut, weil diese sowieso schon abgegriffen sind von ein paar Jahrzehnten essen und maulen. Ausserdem wollte ich in meinen Kammern weder Glitzer noch Flimmern verleihen in diesem Jahr.
Nun gut. Meine Weihnachtsignoration schaffte es mit viel Durchhaltewillen bis zum nächsten Morgen. Dann musste ich die Weihnachtskisten aus meinem Keller holen und sicherstellen, dass meine Kammern auch glitzern und flimmern.
Und siehe da! Sobald ich mein Heim in eine Weihnachtskiste umgewandelt hatte und alle Lichter strahlten, wurde mein Herz dann doch mindestens lauwarm.
Und seit ich jeden Abend – wie üblich im Dezember – unzählige Kerzen abfackle, um mir die mit viel Glitzer bestäubte Weihnachtswelt liebevoll und leuchtend zu machen, ja seit dann, finde ich Weihnachten eigentlich auch in diesem Jahr ganz glitzernd!
Glitzerkammerflimmernde Grüsse
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Mittwoch, 25.11.2009 15:07 Uhr
An: Sorpresa
Betreff: Brasilianisches Herzfieber
Liebe Sorpresa
Ich bin ernsthaft erkrankt an einem unheilbaren Virus: dem Brasilianischen Herzfieber.
Es begann damit, dass ich vor rund drei Wochen zum ersten Mal in meinem Leben den südamerikanischen Kontinent bereiste. Diese Reise trat ich durchaus etwas verhalten an. Einerseits, weil es mir schlussendlich versagt war, meine Brasilianische Wunschdestination zu bereisen. Andererseits, weil ich eine überaus grosse Verfechterin der asiatischen Kultur bin (auf immer und ewig, in guten und in schlechten Zeiten, natürlich!).
Sollte ich trotz der Auswirkungen des Brasilianische Herzfiebers heute überhaupt einen klaren Gedanken fassen können, würde ich meinen, dass sich das Virus zum ersten Mal beim Verlassen des Flughafengebäudes zeigte.
Etwas reisegeschwächt sank ich in ein Taxi und liess mich durch die laue und humide Sommernacht fahren und von der zauberhaften Stimme von Vanessa da Mata einlullen.
Was danach kam, kannst Du im Krankheitsbild des Brasilianischen Herzfiebers nachlesen:
- Verzückte Entrückung aufgrund der unberührten Weite endloser, einsamer
Strände.
- Atemloses Bestaunen von üppigster, naturgeschützter Fauna und Flora.
- Staunendes Miterleben und Treiben in der Buntheit und Fröhlichkeit der
Menschen.
- Konsequentes Nicht-Trinken von Capirinhas mit 50%igem Hochprozentanteil.
- Konsequentes Kredenzen von Brasilianischem Prosecco (… rümpf ja nicht
Deine Nase! Wo – wenn nicht in Brasilien – sollten Weintrauben ein Gedeihen
mit mehr Sonne und Fröhlichkeit gehabt haben?)
- Elendes Aufheulen einen Tag vor der Abreise in die farblose, ernste,
sorgenschwangere und kontrollfreudige Schweiz.
Falls Du noch Fragen hast, kann ich Dir diese kaum beantworten. Meine Denke ist zerrüttet vom Brasilianischen Herzfieber. Ich bin mittlerweile einer Selbsthilfegruppe beigetreten, wo mir versichert wurde, dass diese Krankheit das immune Reisesystem unheilbar schwächt.
Du fragst Dich, wie ich damit umgehen werde?
Eine Reise nach Brasilien. Eine Reise nach Asien. Eine Reise nach Brasilien. Eine Reise nach Asien. Und-so-weiter-und-sofort. Bis dass der Tod uns scheidet oder so.
Brasiliatische Grüss
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Donnerstag, 22.10.2009 09:10 Uhr
An: Sorpresa
Betreff: Bünzlizirkus
Liebe Sorpresa
Als ich klein war, wollte ich Zirkusakrobatin werden. Ich wollte damals auch Balletttänzerin und Prinzessin werden, und sicher auch mal Friseuse. Was man halt so werden will als kleines Mädchen.
Die Vorstellung vom Zirkus war besonders toll, weil die Menschen dort immer fröhlich sind. Und weil man immer wieder weiter ziehen kann mit dem eigenen Wohnwagen.
Heute möchte ich nicht mehr Zirkusakrobatin sein. Der Wohnwagen wäre mir zu eng, das ewige Rumreisen hätte mich längst entwurzelt und die bunten Kleidchen der Akrobatinnen scheinen mir aus heutiger Sicht auch nicht mehr ausserordentlich erstrebenswert.
Oder vielleicht doch?
Vor ein paar Wochen musste ich mich mit einigen Ämtern der Eidgenossenschaft rumschlagen, weil ich deren Angebote nutzen will. Zuerst musste ich sehr viele, bunte und lange Formulare ausfüllen und diese ordentlich sortiert und zeitgerecht einreichen. Was war ich stolz auf mich, als ich diese Hürde hinter mir hatte und somit alles geregelt schien.
Doch, weit gefehlt! Etwas später musste ich ein paar weitere Formulare ausfüllen. Diesmal waren sie nicht pink oder gelb, sondern grün und grau oder auch mal weiss. Und sie waren mal doppelseitig, mal vierseitig, auf jeden Fall stets lang.
Ich könnte diese nichts sagende Geschichte unendlich fortsetzen, denn ich fülle immer noch neue Formulare aus, in immer anderen Farben, mit immer anderen gleichen Fragen und habe immer noch keine Antwort von den Ämtern zu meinem Anliegen.
So sitze ich nun da, vor einem neuen Formular natürlich, und frage mich, ob ich nicht doch hätte Zirkusakrobatin werden sollen? Etwas weniger Bünzli, dafür viel mehr Zirkus. Das wär doch was!
Ich könnte tagtäglich durch die Lüfte schwingen, durch brennende Ringe springen und dabei in lachende Gesichter schauen. Und sollte ich irgendwann zu lange am gleichen Ort geblieben sein und gebeten werden, Formulare auszufüllen, dann würde ich meinen Wohnwagen flott machen und auf zu neuen Zirkuswelten fahren.
Das ist eine zirkusvolle und bünzlilose Wundervorstellung!
Formularistische Grüss
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Freitag, 25.09.2009 11:16 Uhr
An: Sorpresa
Betreff: Ost-ereien
Liebe Sorpresa
Vorab sollte ich wohl festhalten, dass ich mitnichten von Ostereiern spreche. Also nicht von diesen ovalen Hühnererzeugnissen, welche man zu Ostern bunt einfärbt und bemalt, um sie dann später im Kreise der Liebsten kaputt zu schlagen.
Meine Berichterstattung bezieht sich auf meine ersten Erfahrungen mit dem nachbarlichen Osten. Um genau zu sein: Ungarn. Um genauer zu sein: Budapest.
Im Nachhinein ist es mir schleierhaft, warum ich für ein paar Tage das Los der Fremdenführerin in eben dieser Stadt zog. Eigentlich war ich Familienführerin für meine Eltern in der östlichen Fremde. Dies weil sie allein in der Fremde glauben verloren zu gehen.
Obwohl ich im Berner (See-)Hinterland aufwuchs, hatte ich mir über die Jahre mit etwas Fleiss, einigen beruflichen Erfahrungen und vielen Reisen verschiedene Fremdsprachenkenntnisse aneignen können. Es gibt Sprachen, in denen kann ich nicht viel mehr als die lebensnotwendigen Dinge regeln: Wunderbares Essen und Trinken bestellen, schöne Schuhe und Kleider in der korrekten Grösse erhalten und Reservationen in sehr netten Hotels und Restaurants vornehmen. Und es gibt Sprachen, in denen kann ich – man glaubt es kaum - die vollen 5’000 Tagesworte einer Frau verklingen lassen.
Ungarisch gehört weder zur einen noch anderen Sprache.
Bereits am Budapester Flughafen war mir klar, dass Lesen und Verstehen keine Versuche wert sein würden. Es klang alles nach „tützi“, „gröpki“, „kepuptzi“ oder so ähnlich. Wobei unsere ö-, ä-, ü-Dekoration eher an beschnittene Möwenschwünge erinnerten.
Ich wechselte automatisch zu meinem passablen Englisch und erntete dafür viel Unverständnis oder gar Ablehnung. Denn in Budapest spricht man mindestens besser Deutsch!
Ab diesem Moment lag ich im Clinch mit Buda und Pest. Weil ich partout nicht Deutsch spreche in einem fremden Land dessen Wurzelsprache nicht Deutsch ist. Das kommt mir behämmert vor, das kriege ich einfach nicht hin. Kein Wunder übrigens, dass ich den Film „Man spricht Deutsch“ recht doof fand.
Viel Zeit hatten wir nicht für die Lösung des Dilemmas, wir waren nur wenige Tage dort. Schlussendlich sprachen meine Eltern Deutsch, stolz wie Sieben darüber, dass sie sich selbst verständigen konnten. Ich selbst sprach beharrlich Englisch und erntete dafür den Groll der Ü30ern. Dafür konnte ich mich himmlisch unterhalten mit den U30ern… und wer bitteschön ist die wahre Zukunft Ungarns?
Östliche Grüss
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Montag, 31.08.2009 11:04 Uhr
An: Sorpresa
Betreff: Wasserköpfin
Liebe Sorpresa
Es war einmal vor vielen, vielen Jahren eine Schulklasse mit 11-jährigen Mädels vom Lande, die im Turnunterricht ins Städtische Schwimmbad getrieben wurden. Dort angekommen mussten von ein jeder 10 Längen im 50-Meter-Becken zurückgelegt werden, egal wie.
Egal wie deshalb, weil vor eben diesen vielen, vielen Jahren die pädagogischen Ansichten noch sehr anders waren als heute. So hatten auch diejenigen Mädels 10 Längen zu schwimmen oder zu trinken, die gar nicht (richtig) schwimmen konnten.
Ich war eine davon. Und irgendwann in eben diesem Städtischen Schwimmbad soff ich gnadenlos ab. Selbstredend fiel dies weder der Turnlehrerin noch meinen damaligen Gespändlis auf. Ich wurde von einer mir bis heute unbekannten Frau an Land gezogen, die mir das Wasser aus der Lunge drückte und mir neues Leben einhauchte.
Es kam so, weil ich als Landei bis dahin nicht gelernt hatte, richtig zu schwimmen. Meine Mutter zum Beispiel konnte sich nur in Rückenlage mit Badekappe und Watte in den Ohren über Wasser halten. Und auch das nur dann, wenn sie wusste, dass ihr das Wasser stehend maximal bis unter die Brust reichte. Mein Vater betrieb so eine Art Stehsegeln in Bauchlage: Kopf sehr hoch, unten Fahrrad fahren und mit den Armen viele schnelle Kreise ins Wasser klatschen.
Seit diesem unschönen Ereignis lieferte ich meinen Kopf nur beim Duschen und Tauchen dem Wasser aus. Beim Duschen ist ja noch keiner ertrunken. Und beim Tauchen kann man atmen. Wobei es mir bis heute ein Rätsel bleibt, wie ich es geschafft habe, das Tauchen zu erlernen. Wahrscheinlich kommt das daher, dass ich Wasser eigentlich sehr liebe und dazu das Tauchen eine der grössten (und wenigen guten) Suchtkrankheiten dieser wunderbaren Welt ist.
Darob, dass das Leben momentan gerade etwas hinterhältig ist zu mir, beschloss ich Gefährliches (als Genugtuung, sozusagen): Ich beschritt eben dieses Städtische Schwimmbad, schwamm meine damalige Schreckstrecke, sprang zu guter Letzt ins Wasser von einer mindestens 1 Meter hohen Insel (es könnten auch 100 Meter gewesen sein?!), schlug mir dabei einen Fuss auf und tauchte schlussendlich mit einem Wasserkopf wieder auf. Dennoch, ich hatte mich selbstversorgend an die Oberfläche gebracht und lebte!
Somit habe ich meinen Wasserdrachen ersäuft und trage nun meinen Wasserkopf mit grosser Würde. Um ehrlich zu sein, würde es mir zusagen, wenn sich das Wasser demnächst aus meinem Kopf verziehen würde. Es ist halt schon nicht so praktisch, wenn es da oben immer plätschert!
Gewässerte Grüss
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Dienstag, 28.07.2009 09:29 Uhr
An: Sorpresa
Betreff: Donnerwetter
Liebe Sorpresa
Sommerwetter bringt Donnerwetter - und damit meine ich bei Weitem nicht, was Du denkst. Ich spreche weder von heftigen Sommergewittern, noch von garstigem Hagelregen oder abrupten Temperaturabstürzen. Bei mir donnert es nämlich tagein, tagaus und das den ganzen Sommer lang. Von wegen morgens um 7 ist die Welt noch in Ordnung… Mitnichten!
Es begann an einem Montag Ende Juni, pünktlich zum Ferienanfang. Am ersten Tag konnte ich mir einreden, es handle sich um überdurchschnittlich viel Schwerverkehr, der sich in unser ansonsten so ruhiges und beschauliches Quartier verirrt hatte. Am zweiten Tag war mir klar, dass es sich um eine neue Baustelle handeln musste, und zwar um eine von der ganz grossen Sorte. Am dritten Tag bebte die Erde. Und das tut sie nun schon mehr als vier Wochen. Zu guter Letzt wird das grosse Donnerwetter pünktlich zum Sommerende in beschauliche Bauarbeiten übergehen. [An dieser Stelle möchte ich dem obersten Bauplaner der Stadt Bern (m)einen Kaktus verleihen, jawohl!]
Ich gehöre der Spezies der meist Home-Office-Arbeitenden an. Was üblicherweise viele Vorteile mit sich bringt und in einem normalen Sommer den Schreibtisch und das Denken mit viel Sonne und Frischluft bereichert, wird in diesem Jahr zum grossen Laster. Ich träume des Nachts von einem Arbeitsplatz am anderen Ende der Stadt. Oder der Schweiz? Oder gar der Welt?
Nun gut. Ich gehe mittlerweile selbst als veritabler Büezer durch. Ich funktioniere bestens getrimmt im folgenden Zeitplan:
06:59 Uhr Alle Fenster schliessen
07:00 Uhr Arbeit aufnehmen
09:15 Uhr Fenster öffnen, Kaffeepause und in der Ruhe versinken
09:30 Uhr Arbeiten
12:00 Uhr Fenster öffnen, Mittagspause und in der Ruhe versinken
13:00 Uhr Arbeiten
17:15 Uhr Alle Fenster öffnen, Arbeit fallen lassen
Manchmal allerdings werde ich um 17:15 Uhr erst so richtig zur Arbeitsbiene. Weil dann kein Donnern, kein Dröhnen und keine Erderschütterung mehr mein Denken durcheinander rüttelt. Da helfen nämlich weder ein Neubau, noch Doppelverglasung und von Supermann persönlich gefertigte Isolierungen. Denn wenn die Erde bebt und die Maschine tobt, dann bebt die Erde und die Maschine tobt.
Bebende Donnergrüsse
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Dienstag, 16.06.2009 09:56 Uhr
An: Sorpresa
Betreff: BumBumJa
Liebe Sorpresa
Grundsätzlich gäbe es einige Welt bewegende Themen, über die ich lamentieren könnte: der Rücktritt von Pascal Couchepin oder der Fantasiepreis von 94 Millionen Euro bezahlt von Real Madrid für ein bisschen Cristiano Ronaldo oder gar die Tatsache, dass mein Rücken aussieht wie der Landeplatz eines ausserirdischen Ufos, weil frisch geschröpft zur Lockerung der offenbar sehr verspannten Nackenmuskulatur.
Selbstredend sind dies alles nur Dingsbums-Themen im Vergleich zu der wirklich grossartigen Geschichte dieser Tage: BumBumBoris bejaht Lilly-Fee.
Dies ist noch viel grossartiger, wenn man bedenkt, dass BumBumBoris dies in der Schweiz tat. Und zwar in dem mondänen Prestige-Hub St. Moritz. Dem beliebten Schweizer Bergidyll unzähliger Prominenter und auch Einiger, die sich wünschen und vormachen, dieser exklusiven Gruppe wichtiger und/oder schöner Menschen anzugehören.
Wenn man der medialen Berichterstattung der letzten Tage Glauben schenken mag, stellt das BumBumJa einer der wichtigsten Momente im aktuellen Weltgeschehen dar.
Es bleibt die Frage, was daran so Welt bewegend zentral ist? Vielleicht, dass der BumBumBoris seine unermüdlich labyrinthische Frausuche nun doch in den Hafen der Ehe steuern konnte? Oder eventuell, dass Lilly-Fee den BumBumBoris selbst aus wiederholt zweiter Hand immer noch zum Mann nehmen will? Oder gar einfach die Tatsache, dass die mediale Schwängerung dieses Events ein prominentes Schweizer Städtchen auch ausserhalb der Jet-Set Saison mit exklusiver Berichterstattung beehrt?
Keine Ahnung, die Antworten dürften wohl recht unwichtig sein.
Ich persönlich habe es sowieso mehr mit den Federers. Denn einerseits liegen mir deren Paarungs- und Prominentengebahren mehr, weil sie deutlich mehr Stil in sich tragen. Und gerade deswegen durften wir von eben diesen Beiden vor nicht allzu langer Zeit lernen, dass man auch mit dem wohl höchsten Prominenz-Status in wahrer Liebe und heimlicher Stille Ja sagen kann.
Nichtsdestotrotz! Wünschen wir also BumBumBoris und Lilly-Fee, dass sich das ganze mediale Trallala um deren Hochzeit gelohnt hat und die Tränen reichen Ehebeteuerungen weiter reichen, als bis zur Begegnung mit der nächsten selbstähnlichen Dame auf BumBumBoris’s Pfad.
Bumbastische Grüsse
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Mittwoch, 20.05.2009 14:31 Uhr
An: Sorpresa
Betreff: Parktrümmer
Liebe Sorpresa
Ich, mein Gefährt und meine Auto-Versicherung haben gemeinsam die Nase gestrichen voll!
Als Einwohnerin von Bern, der eidgenössischen Hauptstadt, also quasi dem Nabel der Schweiz, lasse ich mich bereits regelmässig mit überhöhten Steuerrechnungen quälen. Als wäre das nicht schlimm genug, zwingen mich irgendwelche Vandalen dazu, mich mehrmals jährlich mit der Reparatur von Parkschäden an meinem Auto zu befassen, wodurch ich bei meiner Auto-Versicherung zwar den Bekanntheitsgrad einer Prominenten erreicht habe, jedoch überraschenderweise kaum entsprechende Anerkennung finde. (Die sollten doch froh sein, dass sie eine ihrer unzähligen Kundinnen mittlerweile mit Namen und Gesicht kennen. Ist ja nicht selbstverständlich in der heutigen, schnelllebigen Versicherungswelt.)
Es ist ja nicht so, dass ich im Harlem von Bern wohnen würde. Im Gegenteil, meine edle Loge befindet sich in einem der favorisierten Quartiere von Bern. Allerdings – oder gerade deswegen - ist die Parkplatznot hier omnipräsent. Das dürfte denn auch die Erklärung meines Anliegens sein.
Tief unter meinen heiligen Räumen befindet sich nämlich schon eines dieser grossen Löcher mit vielen weiss markieren Rechtecken, man nennt das auch Tiefgarage. Nur gibt es dazu eine fette Warteliste. Auf jeden Fall warte ich seit geraumer Zeit auf die Zuteilung eines weiss markierten Rechtecks, dies einerseits aus lauter Faulheit, andererseits natürlich auch zum Schutz meines Gefährts.
Unterdessen steht mein Weggefährte eben in der Strasse. Genau dort müssen sich böse Vandalen tummeln. Naja, immerhin verfügen diese über eine gewisse Kreativität, denn die Schäden sind nie selbstähnlich. Mal fehlt ein Rückspiegel, mal liegt eine Flasche Bier im Kofferraum, die den Weg dahin fand durch die Zertrümmerung der Heckscheibe. Und manchmal ist es auch nur ein Kratzer im Lack. Alles in allem also recht abwechslungsreich.
Vor einigen Wochen habe ich eine neue Strategie entwickelt: ich wasche mein Auto nicht mehr. Das fällt mir zwar nicht leicht, da ich ansonsten eher zum Schönen und zur Ordnung neige. Weshalb ich auch gerne ein neues Auto hätte, aber dann müsste ich eben weinen, wenn ein Vandale des Weges gekommen wäre. Also harre ich der Dinge die da kommen und siehe da: im unsäglichen Geschmier von Blütenstaub, ein bisschen Dreck und einem alternden Auto fand ich vor zwei Tagen die motivierende Botschaft auf meiner Heckscheibe: Arsehole. Das ist zwar nicht schön, jedoch kein Parkschaden. Und es war sogleich weg, als ich den Scheibenwischer startete!
Vandalistische Grüsse
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Mittwoch, 15.04.2009 08:38 Uhr
An: Sorpresa
Betreff: Stiller Has scharf süss
Liebe Sorpresa
Ich weiss, die Formulierung „scharf süss“ ist ein Oxymoron. Der Oxymoron hat nämlich dann seinen grossen Auftritt, wenn eine Formulierung aus zwei gegensätzlichen, einander scheinbar widersprechenden oder sich gegenseitig ausschliessenden Begriffen besteht und damit den meisten Menschen sprachlich wenig sinnvoll erscheint. In diesem Fall jedoch ist der Oxymoron ein Volltreffer!
Fangen wir an bei Adam und Eva, damit Du mir überhaupt folgen kannst:
Meine Pläne für die Osterfeiertage waren wenig berauschend. Eigentlich gab es gar keine, weil der Oberosterhas mir keine zugeteilt hatte. Wahrscheinlich weil ich am Tag der Osterplanung unkonzentriert war, zu spät zur Planungsverkündung kam, weil ich vermutlich am Morgen einen platten Reifen hatte (oder eventuell einfach nicht aus dem Bett kam) und deshalb in die Garage musste (oder einfach direkt zum Bäcker) und weil ich danach einen Kaffee mit Aroma brauchte und deshalb zum Bäcker ging und weil ich spätestens dann vergessen hatte (oder mich einfach nicht mehr daran erinnern konnte), dass ich zur Osterplanungsverkündung hätte gehen sollen. Falls und als ich es später bemerkt haben sollte, war die Verkündung bestimmt bereits Vergangenheit gewesen und die Planung verteilt worden. Dabei war ich eben leer ausgegangen, weil Andere schneller und pünktlich da waren und mich keiner in seine Planung einbezogen hatte… oder was weiss ich, auf jeden Fall war ich osterplanlos.
Und dann, eines nachts pünktlich zu den Feiertagen, setzte eben ein stiller Has scharf süss in einem wohl eher etwas komplizierten Landeanflug mit einem glücklicherweise gelungenen Ende auf. [Eigentlich ist es ja eine stille Häsin, aber stiller Has tönt eben so prominent...]
Hauptsache der kleine Has (also sie) ist da! Klitzeklein und perfekt, scharf süss und ewig still. Einfach zufrieden wie verrückt! Ich bin sicher, stiller Has scharf süss (also sie) mag die neue Welt. Entsprungen ist stiller Has scharf süss (also sie) übrigens einem der runden Bäuche in meinem Umfeld, von denen ich Dir letztlich geschrieben hatte.
Ich danke hiermit dem Oberosterhas dafür, dass ich osterplanlos war. Denn nun habe ich Zeit zum besuchen, halten und bestaunen. Und ein jedes Mal denke ich, stiller Has scharf süss ist besser als TV und Kino – da gibt’s einfach mehr zu sehen.
Willkommen wunderbare Nina, Du stiller Has scharf süss!
Hasenfrohe Grüsse
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Donnerstag, 12.03.2009 11:41 Uhr
An: Sorpresa
Betreff: Deal oder no Deal?
Liebe Sorpresa
Vorab nur dies: es geht nicht um den dunkelhaarigen Schweizer Moderator mit der Sendung mit leicht und glänzend bekleideten, Koffer haltenden Damen.
Ich neige mich nämlich der medialen geschürten Themenlandschaft. Somit geht es um die Wirtschaftskrise. Und damit auch um Mr. Obama. Und um die UBS. Und um mich.
Kommen wir also zur Bestandesaufnahme. (Bei diesem Wort kommt mir übrigens immer meine Ausbildung beim Schweizerischen Bäckermeisterverband in den Sinn. Da musste ich dauernd Bestandesaufnahmen machen: von dem Werbematerial für Verbandsmitglieder, von dem Mineralwasser im Keller und ohne Auftrag von dem heimlichen Geknutsche zwischen der Direktionssekretärin und dem Verbandsanwalt.) Da finden wir uns also im Jammertal der Wirtschaftskrise wieder, dies seit Monaten.
Die Wirtschaftskrise erschüttert die ganze Welt, heftet dem neu gekrönten Mr. Obama Argusaugen auf jede seiner Taten und entlarvt die UBS als Schweizer Nichtsnutz. Wir Schweizer lassen unser Geld natürlich trotzdem dort. Weil wir ganz gut darin sind, negative Zustände nachzuschnattern und im Grund der Dinge doch äusserst bodenständig und treu funktionieren und sowieso keine Veränderungen mögen.
Warum also Deal or no Deal? Meine persönliche Wirtschaftskrise hält sich in Grenzen. Am absoluten Tiefpunkt der globalen Krise verfüge ich über einen recht passablen Zustand.
Ich arbeite für ungefähr zwei, drei und mehr Firmen. Offenbar habe ich die Krise ausgetrickst, denn in den letzten Wochen durfte ich in fast allen zwei, drei und mehr Firmen erfreuliche Deals an Land ziehen.
Nun stecke ich im grossen Dilemma des Seins. Darf ich mich nun der Deals erfreuen und so dekadent sein auf die guten Dinge ein, zwei und mehr Cüplis zu trinken? Oder soll ich mich der globalen Wirtschaftskrisenstimmung beugen und meine Deals als No Deals betrachten?
Ich könnte die Cüplis natürlich auch heimlich trinken. Das würde dann automatisch den etwas schweren, von der Wirtschaftskrise gebeutelten Blick fördern!
Der wahr Deal liegt im Gruss
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Donnerstag, 12.02.2009 13:10 Uhr
An: Sorpresa
Betreff: Babybauch
Liebe Sorpresa
Die babybauchigen Frauen kreisen mich ein. Der Trend startete im Herbst letzten Jahres und macht sich seither in meinem Umfeld breit, wächst monatlich um einige Zentimeter und erweitert sich regelmässig mit Neuzugängen.
Hie und da segeln die erwartenden Damen noch schnell in den Hafen der Ehe, andere liegen darin bereits vor Anker. Auffallend ist dabei, dass die erwartungsfrohen Damen maximal meinen Jahrgang aufweisen.
Das zwingt mich selbstredend über meinen diesbezüglichen Status Quo nachzudenken. Nur, wo nichts ist, gibt’s auch nicht viel zu denken. Und genau das dürfte für meine Psyche sehr einschneidende Spätfolgen mit sich bringen, meint einschlägige Literatur.
Also komme ich nicht drum herum, mich damit auseinanderzusetzen, warum ich bis jetzt weder verehelicht bin, noch mich vermehrt habe.
Nach einer intensiven Selbststudie bin ich zum Schluss gekommen, dass ich hierfür keine sozialverträgliche Antwort habe. Also habe ich die unverehelichten Nichtmütter meines Umfelds in die Studie einbezogen.
Das Resultat scheint etwas komplex:
1. Frau will nicht, Mann will. Ergebnis 1:0 für die Frau mit dem falschen Mann.
2. Frau will, Mann will nicht. Ergebnis 0:1 für den Angsthasen.
3. Frau will, Mann will nicht darüber sprechen. Ergebnis 0:1 für das Schweigen der Männer.
4. Frau will, Mann war schon und will nicht mehr. Ergebnis 0:1 für den geschiedenen Vater.
5. Frau will, Mann ist schon und kann daher nicht. Ergebnis 0:1 für den Fremdgänger.
Summa Summarum eine etwas ungünstige Ausbeute für die unberingten, kinderlosen Frauen in den Enddreissigern.
Allerdings darf ich darauf hinweisen, dass einige der Befragten der Kategorien 1 – 3 mit leuchtenden Augen erzählten, welche wundervollen Dinge sie und ihr Liebster sich als Ausgleich zum kinder- und ehelosen Leben gönnen und leisten.
Die Damen der Kategorien 4. und 5. allerdings kriegen weder den Fünfer, noch die Semmel. Sie haben den Schwarzpeter gezogen, dürfen aber bestimmt demnächst neue Babies drücken.
Bauchgruss
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Donnerstag, 15.01.2009 10:47 Uhr
An: Sorpresa
Betreff: Ice, Ice Baby!
Liebe Sorpresa
Geboren im Februar anno 1971 bin ich jetzt 37 (und sehr viele Kleinteilchen näher zur 38) Jahre damit vertraut ein Winterkind zu sein. Meine Kindergeburtstage fanden stets bei Kälte und Handschuhzwang statt.
Seit einigen Jahren pflege ich meinen Geburtstag mit meinem Liebsten in der Abgeschiedenheit von bezaubernden und gut geheizten Wellness-Hotels zu feiern. Da wärmt zusätzlich noch die Sauna.
Ich beneide übrigens diesbezüglich stets alle Sommerkinder! Es ist einfach zauberhaft, wenn man eine Gartenparty schmeissen kann, die Gäste in Flip-flops daher watscheln und herrlich gelaunt sind, weil Sonne und Wärme so schön glücklich macht.
Als geborene Eisprinzessin mag ich natürlich die weisse Schneepracht, wünsche mir diese stets zu Weihnachten und zum Jahreswechsel und finde die Welt mit Schnee eigentlich so schön romantisch leise und erleuchtet.
Jetzt reichts aber sogar mir! Bereits vor Weihnachten fand ich mein Auto mehrmals nicht mehr in der Strasse. Denn da wo ich geparkt hatte, stand ein gefrorenes Iglu. Das Vordringen ins Innere war nur nach aufwändigem Einsatz von Schaufel und Eispickel möglich.
Seither grabe und kratze ich mein Auto in regelmässigsten Abständen aus Eis und Schnee und parke es in deutlicher Schräglage auf fest gefrorenen Schneehaufen ohne die geringste Ahnung zu haben, ob sich darunter überhaupt ein Parkfeld befindet.
Das Allerschlimmste jedoch ist, dass ich seit Wochen DIE Schuhe tragen muss. Weil es die einzigen sind, mit denen ich mich auf der eisigen Sauerei einigermassen grad halten kann ohne die Gefahr zu laufen, mir das Genick zu brechen oder sonst wenig graziös auf einem Eisberg zu entgleisen.
Ich weiss, eigentlich gibt es im Moment weitaus weltbewegendere Themen. Zum Beispiel die Amtsübernahme von Mr. Obama.
Für mich aber eben nicht. Denn ich bin überzeugt, dem schaufelt jemand das Iglu frei und dann wird er auch noch ins Auto getragen.
Eisige Grüsse
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Montag, 15.12.2008 11:39 Uhr
An: Sorpresa
Betreff: X'Mas Time
Liebe Sorpresa
Die Weihnachtszeit hat offenbar ein grobes Lifting hinter sich.
In den Gesichtern von Menschen bedeutet das meist den Verlust von Wärme und Herzlichkeit, dafür eine grösstmögliche Faltenplättung. Im Weihnachtsgeschehen gehen ähnliche Attribute verloren, ersetzt werden sie durch eine geschäftstüchtige Abwicklung.
Ja, vielleicht bin ich zu altmodisch für diese Welt. Ich liebe nun einmal die Weihnachtszeit mit all ihren Düften, dem Kerzenschein, den tausend Lichtern und der bisher unangefochtenen Freiheit, sich im Schenken und Überraschen dümmlich auszutoben. Das ist doch total schön!
Da sitze ich nun mit wunden Fingern. Weil ich wie üblich für all meine Liebsten Adventskalender sowie Samichlausgeschenkberge gebastelt habe. Ein jedes Geschenk ist mit Liebe ausgesucht und selbst verpackt. Also keine dieser Jutte-Sack-Übungen, in die man auf die Schnelle einen Schokoriegel stecken kann.
Aus meinem Heim habe ich ein Schloss gemacht, weil beleuchtet mit tausend Lichtern und geschmückt mit unzähligen Kerzen und sonstigem Weihnachtskrimskrams. (Die armen Dinger leben ja stets fast ein Jahr im Keller gelagert in Schachteln, also müssen sie doch in dem einen Monat gebührend in Szene gesetzt werden!)
Meine Geschenk-EmpfängerInnen lassen sich offenbar durch meinen (vor-)weihnächtlichen Ausnahmezustand auch nicht mehr so leicht in Glitzerlaune versetzen. Es wird gemäkelt darüber, wenn die Form einiger Geschenke schon unausgepackt auf den Inhalt schliessen lässt. Und dann werden die Päcklis nur noch mechanisch geöffnet und zur Seite gelegt.
Zu guter Letzt las ich vor ein paar Tagen einen überaus informativen Weihnachtszeit-Relaunch-Aritkel, der mich gelehrt hat, dass die bisherige Weihnachtszeit nun endgültig im Ahnenland weilt: Weil wir uns nun im X’Mas-Zeitalter befinden! Der 1. Advent heisst neu X’Mas-Kick-Off. Und der Samichlaus jetzt X-Man. Und eben dieser hat einem X’Mas Corporate Redesign von Weihnachten zugestimmt, einer Modernisierung also. Und damit ist es raus – und aus: Weihnachten wurde herzlos geliftet.
Meine Lieben, glaubt ja nicht, dass ich Euch im nächsten Jahr eine Pre X’Mas Box schenke! Denn ich werde dem Personal Love People Christmas Delivery Service entsagen und für mich selbst ein paar neue, glitzernde, unsäglich sinnlose aber dafür gewaltig schöne, teuere Weihnachtskugeln kaufen!
Confused X’Mas Grüsse
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Dienstag, 18.11.2008 10:54 Uhr
An: Sorpresa
Betreff: Obama mit Links!
Liebe Sorpresa
Du erwartest jetzt von mir, dass ich mich zu Mr. Obama äussere, oder? Ich kenn Dich doch!
Will Dich ja nicht enttäuschen! Nur eigentlich ist es so, dass ich momentan noch überhaupt keinen Bezug zur Neuwahl des Herrschers der Regierung der finanziell momentan ar
g abgeseuchten Grossmacht finden kann.
Das hat damit zu tun, dass ich die letzten Wochen auf einer idyllischen Insel im Indischen Ozean äusserst glücklich vor mich hin dümpelte. Und dies notabene ohne jegliche Störung durch politische Wellen oder sonstige weltliche Einflüsse.
Dennoch: Mr. Barack Obama ist nicht nur weitaus mehr gebräunt als ich, er wird überdies hoffentlich sehr wichtig in der Geschichte der Welt.
Ich hoffe, dass er nicht abgemurkst wird! Ja, das ist makaber, jedoch nicht meine Idee.
Nach meiner insulanischen Enthaltsamkeit, jeglicher medialen Einflüsse, habe ich auf dem Rückflug gierig jede Zeitung konsumiert. Fazit: Mr. Barack Obama lebt sehr gefährlich. Weil er nicht so sehr bleich ist und weil er ein Linker ist. Auf Letzteres allerdings, pflanzt die gescheite Hälfte der Welt wiederum Sinn gebende Hoffnungsbäumchen.
Mit „Linker“ ist nämlich kein linker Politiker gemeint. Und dabei sind ausnahmsweise alle einig: die wirtschaftlich anstrengenden Zeitungen wie die FAZ, die NZZ und wie all die Z’s sonst noch heissen sowie alle dämlich machenden Druckblätter namens Bild und Blick und wie eben auch all die B’s sonst noch heissen.
Denn „Links“ meint Linkshänder.
Linkshänder sind nämlich zauberhaft, finde ich aus Erfahrung. Das finden übrigens auch all die Zs und Bs. Denn Linkshänder sind superinnovative Freigeister, die mit meist grosser Herzwärme neue Denk- und Lösungsansatze erfinden und denen mit viel subtilem Geschick und der nötigen Portion positiver Manipulation erfolgreich Leben einhauchen.
Ja. Und ich werde jetzt übrigens auch Linkshänderin. Ich putze schon jeden Abend die Zähne mit Links. Leider landet bisher dabei die Zahnpastaschmiere immer in meine Nase. Ich arbeite daran!
Linke Grüsse
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Mittwoch, 22.10.2008 11:44 Uhr
An: Sorpresa
Betreff: Das Up-Down-Syndrom
Liebe Sorpresa
Es gibt Menschen, die fahren Achterbahn und es gibt Menschen, die handeln Aktien.
Der Unterschied liegt darin: Bei der Achterbahn weiss man nie, ob man sich unterwegs übergeben muss und lebendig wieder unten ankommt. Bei den Aktien weiss man nie, ob man unterwegs als Obdachloser aus dem System fällt oder das Ende des Monats als Millionär erreicht.
So ist das nämlich mit den Aktien. Und mit den Börsianern. Nicht zu verwechseln mit den Indianern. Denn diese wissen glaub ich von Anfang an, dass sie als Obdachlose aus dem System fallen.
In einem Monat stöhnt die Welt auf, die Gesichter werden fahl, die handelnden Glamour-Boys werden in grossen Mengen aus der Börse geschmissen und die Menschheit bereitet sich betend auf die grösste Finanzkrise aller Zeiten vor.
Im nächsten Monat schnellen die Kurven wie von Geisterhand gesteuert wieder nach oben, die Gewinnsuchenden kaufen und kaufen, die vom Thron gestürzten Geldgötter sehen wieder einen Sinn in ihrem Leben und die Finanzkrise wird als eine Erfindung der Medien abgetan.
Natürlich geht sowohl beim Runter wie beim Rauf alles immer und jederzeit mit rechten und gesunden Dingen zu. Hier und da schmeisst ein noch bestehender Geldriese einen grossen Haufen heilender Millionen in klaffende Löcher oder die eine oder andere kleinere und grössere Wirtschaftsmacht holt mit überdimensionalen Baggern ganz viele Steuergelder aus dem geheimen Steuergeldversteck und verabreicht diese der krankenden Wirtschaft wie Ärzte die Pillen ihren Patienten.
Auf jeden Fall ist es ein ewiges Hin und Her, das - so glaube ich zumindest - eigentlich keiner in seiner Ganzheit verstehen kann. Arm dran sind dabei diejenigen, die ihre eigene Finanzkurve angstvoll verfolgen müssen, weil sie einen wesentlichen Teil ihres Vermögens nicht in sinnvolle Dinge wie Schuhe oder Perlen investiert haben, sondern in Aktien. Noch ärmer dran sind diejenigen, die das Vermögen ihrer Kunden an der Börse zu Staub gemacht haben. Aber am ärmsten dran sind doch immer noch die obdachlosen Indianer, oder?
Kurvenreiche Grüsse
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Freitag, 19.09.2008 14:00 Uhr
An: Sorpresa
Betreff: Grosi's ricardo
Liebe Sorpresa
Meine Grosi ist nicht mehr die Jüngste, das darf man wohl sagen. Mit ihren 93 Jährchen ist sie jedoch immer noch fit, zufrieden und ziemlich unterhaltsam. Manchmal nennt sie mich beim Namen meiner Schwester, Mutter oder Tante, um schlussendlich doch zu wissen, dass ich diejenige war, die sich in der überaus waghalsigen Down-hill-Aktion auf dem Dreirad die Zähne raus- und die Knie aufgeschlagen hat. Also kann es so schlimm noch nicht stehen um ihr Erinnerungsvermögen.
Nun hat die Grosi einen neuen Lover namens ricardo. Ja, mit kleinem r am Anfang.
Irgendwann Anfang dieses Jahres hatte meine Grosi genug vom alleinigen Dasein in ihrem grossen Haus und dessen weitläufigen Umschwung. Also zog sie in eine hübsche Alterssiedlung. Da gibt es drei Mal täglich gutes und warmes Essen und stets ist jemand zur Stelle, der mit ihr plaudert und ihr hilft die kleinen und grossen Dinge des Lebens zu meistern.
Sie ist zufrieden dort. Ausser wenn sie an ihr Haus dachte und damit an die vielen antiken Möbel, die in demselben ungenutzt vor sich hin darben. Also haben wir der Grosi ricardo vorgestellt und sie dafür begeistert, die ungebrauchten Möbel den meist Bietenden zu verkaufen.
Die anfängliche Skepsis über diesen Mann namens ricardo im Computer wich einer grossen Freude, sobald alle Möbel mit schönen Fotos und tollen Beschreibungen erfasst und einsehbar waren. Und als das Bieten einsetzte, machte sich eine regelrechte Auktions-Euphorie breit. Diese erfasste irgendwann die ganze Familie. Die Telefonleitungen im Familiengetriebe liefen heiss. Und als die letzte Auktion erfolgreich abgeschlossen war, freuten wir uns alle wie kleine Kinder, Grosi an vorderster Front.
Nun gut, das Haus ist leer, die ungenutzten Möbel wurden alle von freudigen Käufern in Empfang genommen und gut bezahlt. Und meine Grosi strahlt um die Wette mit sich selbst, obwohl sie immer noch nicht ganz genau versteht, wer dieser Mann im Computer ist, wegen dem man für 40-jährige Möbel noch Geld bekommt und keines bezahlen muss, wenn diese abgeholt werden.
Aber egal, wir lieben alle ricardo, Grosi natürlich am meisten.
Familieneuphorische Grüsse
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Montag, 25.08.2008 16:11 Uhr
An: Sorpresa
Betreff: 8ung, fertig, los!
Liebe Sorpresa
Die Welt dreht sich im Kreis. Manchmal im Blauen, gelegentlich im Gelben, hin und wieder im Grünen, dazwischen im Schwarzen und ab und zu im Roten. Die Farbe spielt dabei nicht wirklich eine Rolle. Viel mehr ist entscheidend, dass Kreise aus Gold, Silber und Bronze eingefangen werden wollen.
Zu philosophisch? Natürlich spreche ich von der Olympiade 2008. Warum auch nicht? Das ist es doch, worüber die Welt spricht im Moment.
Kommen wir zur Sache: Ich war kürzlich Teil einer sehr diversen Diskussionsrunde, die sich ungebremst über die Korrektheit des Austragungsorts China unterhalten und enervieren konnte. Was dabei rauskam? Nichts, natürlich. Wie könnte mehr dabei rauskommen als das seit Wochen (oder sind es Monate) anhaltende Mediengewäsch zu Tage gefördert hat?
Dabei ist alles ganz einfach:
1. Die Chinesen sind böse, weil sie böse zu den Tibetern sind.
2. Das Chinesenland ist ungesund, weil durch Smog und Feinstaub zubetoniert.
3. Die Chinesen haben die fulminanteste Eröffnungsfeier aller Zeiten
präsentiert, weil sie offenbar etwas können.
4. Die Athleten sind genervt, weil die ganze Welt ihnen politische
Stellungnahmen abknöpfen will.
5. Die Welt ist fasziniert und beschäftigt, weil gerade Olympiade ist.
6. Die TV-Sender sind glücklich, weil sie olympische Einschaltquoten haben.
7. Die Zeitungsfritzen sind schreibwütig wie nie, weil sie stets ein Thema haben.
8. Die Erde ist rund, weil sie keine Scheibe ist.
So. Die 8 macht den Schluss, weil die 8 einfach zauberhaft ist. Das hatten wir ja schon einmal diskutiert. Also seien wird doch auch zauberhaft und hauen den bösen Chinesen politisch wieder auf die Köpfe, wenn die Olympiade vorbei ist. Denn sie gaben und geben sich grösste Mühe für eben diese. Ich meine, die Olympiade an einem 8.8.2008 abends um 8.08 zu eröffnen wäre wohl unsereins kaum in den Sinn gekommen. Weil wir nicht dafür sensibilisiert gewesen wären, dass die 8 eben unendlich glückseelig macht.
8en wir uns also im Miteinander, im Durcheinander und auch im Über- und Untereinander während die farbigen Kreise sich drehen. Etwas mehr 8samkeit kann uns ja ohnehin nicht schaden. Auch danach nicht.
8same Grüsse
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Freitag, 04.07.2008 12:05 Uhr
An: Sorpresa
Betreff: Zügelkrimi
Liebe Sorpresa
Zügeln ist doof und anstrengend. In unserem Fall war zügeln sehr fest doof und hinterhältig heimtückisch anstrengend!
Wir zügelten, vor 10 Tagen. Es begann damit, dass wir weniger als 30 Tage vor dem Umzug ein potenzielles neues Heim besichtigten, das sich in Bruchteilen von Sekunden einschleimte in unsere Herzen und damit sämtliche zur Entscheidungsfindung rationalen Gedankengänge verunmöglichte.
Wir sagen nur noch Ja! Und stellten uns den verbleibenden drei kurzen Wochen des Packens und Zügelns. Weit sind wir dabei übrigens mitnichten gekommen: drei Hausnummern die Strasse runter. Weil wir genau an diesem Objekt schon so lange rumgebaggert hatten – und siehe da, es fiel vom Himmel!
Nun gut: dann zügeln und schuften wir halt, meinte ich. Nur leider machte der EM-Ausnahmezustand meinem Lösungsansatz einen Strich durch die Rechnung. Nach Arbeit und beruflicher Reiserei wurde der Zügelei gelegentlich das EM-freie Zeitfenster zwischen 19:30 und 20:45 Uhr zugetan. Ich nahm die mentale Hilfe von Carrie, Samantha, Miranda & Charlotte zur Hilfe und packte meisterlich Kisten.
Unabdingbar schnell kam der Tag der Wohnungsübernahme. Der Umzug begann wie geplant perfekt. Das Umzugsunternehmen packte all unsere Habseligkeiten in den Umzugswagen und fuhr auf zu Neuem.
Etwas später am Tag machte sich mein Liebster auf den Weg, eine Zügelmietkarre abzuholen. Wenig später seufzte er telefonisch in mein Ohr. Ich liess stehen und liegen was sowieso nicht stand und fuhr an den Ort seines Leidens, um ihn um eine Laterne drapiert und leidend zu finden. Seine Schmerzbefehle waren unmissverständlich deutlich: Spital! Nierenkolik! Sofort!
Bis dahin war mir nicht bekannt, das ich mit dem Auto einhändig mit 100 km/h durch die 50er Zone fahre, gleichzeitig das Handy am Ohr haltend und mit dem Notfallarzt schäkernd ertragen kann, dass mein Liebster leidet, als würde er gerade lebendigen Leibs auf einem überhitzten Grill verkohlt. Ich kann das, im Fall!
Alles Weitere ist im Detail nicht verdaubar. Viel Schmerz, viel Hilflosigkeit, viel Angst, viel Blut und demnach spontanes spätnächtliches Zügelumorganisieren … und dann alsbald viel Ohnmacht meiner selbst. Damit kriegte ich übrigens Schwestern in Weiss dazu, im Spitalnotfall neben dem Geplagten ein eigenes Bett zu bekommen. Das war irgendwie spitalromantisch!
Dennoch: Das Leiden des Mannes ist schwer auszuhalten. Weil das ein Frauending ist, irgendwie. Wir kriegen nämlich die Babies und dürfen leiden und schreien im Wissen darum, dass die Männer nicht nichts wirklich tun können. Aber doch nicht umgekehrt, oder?
Zügelkriminalistische Grüsse
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Dienstag, 10.06.2008 10:03 Uhr
An: Sorpresa
Betreff: SATC besiegt die EM
Liebe Sorpresa
SATC steht übrigens für SEX AND THE CITY. Und falls Du jetzt nicht weisst oder blöd findest was das ist, musst Du mit der normalerweise durchaus wortgewandten Schriftstellerin Sybille Berg verwandt oder befreundet sein.
Frau Berg schreibt nämlich gelegentlich für die NZZ, also gibt ihre Schreibe eigentlich was her. Nicht so geschehen in ihrem vernichtenden Essai über SATC, veröffentlicht Ende Mai in der Sonntagsausgabe der NZZ. Zwei Seiten lang foult sie SATC und kein Schiedsrichter greift ein. Sie zeigt dem gesammelten Inhalt die rote Karte und stempelt Carrie & Co. inklusive aller bekennenden Zuschauer als Verlierer ab (Weiblich und männlich; wobei männliche Zuschauer negiert und die nicht auszuradierenden Männer zur Homosexualität verdonnert werden; was ja nichts Schlechtes wäre, jedoch eine diesbezüglich etwas gar einfache Denke der Autorin verdeutlicht).
Ich komme nicht umhin mich zu fragen, über wie viele der folgenden Probleme Frau Berg verärgert ist:
A) Sie kann auf High-Heels nicht stehen und niemals gehen.
B) Sie wurde in ihrem Leben von maximal einen männlichen Wesen verehrt.
C) Sie ist nicht multitasking fähig und kann sich nur noch auf die EM konzentrieren.
Die EM ist schon in Ordnung, nur halt etwas trivial im Vergleich zu SATC.
Die EM-Jungs tragen nämlich stets das gleiche Schuhwerk, wenn sie über das grüne Feld rennen. Und obschon sie keine waghalsigen Absätze koordinieren müssen, stürzen sie doch immer wieder zu Boden. Und dann immer diese gleichen langweiligen Klamotten, welche auch noch sämtliche Vorzüge des wohl geformten Körperbaus suboptimal verschleiern. Und auch sonst: keine überraschenden Auswechslungen der Männer, keine hysterischen Identitätskrisen, kaum ausgelassenes Lachen und Feiern, keine tiefgründigen Gespräche und keine gröberen Auflehnungen gegen die oftmals brachiale Lebensgewalt. Nichts. Einfach nur dem Ball hinterher rennen. Und dieser spricht nicht mal, lacht nicht, weint nicht und erträgt zudem geduldig den Besitzanspruch von 22 Männern und die brutalen Schläge von 44 Füssen. Kann das wahre Liebe sein?
Und weil es so schön „carried“:
Ich komme nicht umhin mich zu fragen, wieso es noch kein SATC-Fähnchen gibt, das an den kleinen, grossen, teuren und billigen Autos durch die Gegend flattert wie die entzückenden Röcke eben dieser Mädels. Denn eigentlich spielt doch das wahre Leben – wenn auch nicht ausschliesslich auf High-Heels und in Designerklamotten – eher bei Carrie & Co. als bei der EM, oder?
Ich komme nicht umhin Dich zu grüssen!
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Mittwoch, 14.05.2008 13:44 Uhr
An: Sorpresa
Betreff: Mein Held
Liebe Sorpresa
Eigentlich kann diese Mail politisch nur unkorrekt werden. Denn sie ist eingekeilt zwischen den EM-Vorfreuden und –Wehen, den eidgenössischen parteipolitischen und bundesrätlichen Schlachten, dem nicht mehr ganz so glanzvollen (und immer noch immens tollen!) Schweizertenniskönig und von ein paar zusätzlichen Menschen zerstörenden Themen wie Erdbeben, Inzest, Überschwemmungen und sonstigen Schweinereien.
Kleinlaut frage ich Dich daher: soll ich weiter erzählen…?
Also doch - ich habe einen neuen Helden! Eigentlich habe ich zwei davon. Ich bin somit äusserst glücklich!
Held Nummer Eins hört auf den Namen Color Baby. Held Nummer Zwei reagiert auf Schatz E51.
Nein, das sind keine Roboter! Es sind wahrlich Lebensverbesserer, alle beide! Und sie maulen nie herum, geben nie keine Antwort und sagen mir schon gar nicht, dass sie meine Bedürfnisse nicht erfüllen können. Das ist doch ein wahr gewordener Traum!
OK, sie tun ihre tollen Taten auch nur dann, wenn sie adäquat aufgeladen worden sind. Am Stromnetz. Und nur dann, wenn sie nicht unrechtmässig behandelt worden sind.
Dennoch! Sie streiten nie, sie sind politisch korrekt und sie werden bestimmt nie darauf bestehen, irgendwelche politischen Frauenfiguren abzusetzen, EM-ewiglang nur noch Fussball zu schauen, schöne Handtaschen unnötig zu finden und überhaupt das Mitteilungsbedürfnis der Frau nicht zu verstehen.
Ausser ich drücke die falsche Taste.
Na ja, um ehrlich zu sein, handelt es sich dabei um meinen neuen Drucker und mein neues Handy. Ich liebe beide von ganzem Herzen! Und ich bin überzeugt, dass wir alle Drei eine wundervolle Beziehung haben werden. Bis dass der schwindende Toner oder der sterbende Akku uns scheidet.
Heldenhafte Grüsse
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Freitag, 11.04.2008 14:35 Uhr
An: Sorpresa
Betreff: Feuer ums Feuer
Liebe Sorpresa
Das Feuer ist angebrannt, und zwar ziemlich! Es brennt konstant seit Wochen: in der Wirtschaft, in der Politik, in den Medien und somit in aller Munde.
Also muss ich mich jetzt einigen ungelöschten Brandherden widmen. Such Dir Dein persönliches Brandloch aus:
Das Aktionärs-Brandloch
Die sehr grosse Schweizer Bank ist gebrandmarkt. Und damit auch ihr vormals Vorsitzender, der jetzt nicht mehr vorne sitzt, sondern Feuer unter dem Hinterteil hat. Und damit auch alle Klein-, Mittel- und Grossanleger eben dieser Aktie. Das Portfolio brennt tierisch im Wundmal der geldvermehrungswilligen Aktionäre. Man lösche das Feuer, verkünde einen technischen Fehler und verwandle die Abschreibungen in fette Verdienste!
Das Olympia-Brandloch
Was soll ich sagen? Die Menschen dort essen ja auch krabbelnde Ungeziefer, also kann das doch nicht so überraschend sein, oder? Natürlich habe ich keine Ahnung, denn meine Meinungsbildung basiert auf der Medienberichterstattung. Dennoch widme ich meine ganze emotionale Verbundenheit natürlich dem Land des Dalai Lama – wie so viele Menschen. Es brennt trotzdem weiter, als wäre es eine neue Olympische Disziplin!
Das Bundesrats-Brandloch
Kurz gefasst: Evelyne Widmer-Schlumpf und nicht mehr Blocher und Parteikrieg. Was soll der Zirkus? Ich meine, was bringt es dem ganzen Polit-Geschehen, wenn jetzt kriegerische Massnahmen ergriffen werden? Es geht doch darum, dass die Schweiz mit kluger Hand an den Platz im politischen Weltgeschehen begleitet wird, der uns alle als Menschen, Firmen und Einwohnern des Landes fördert und trägt. Ist das tatsächlich nur dann möglich, wenn ein bestimmter Mensch ein bestimmtes Partei-Schleifchen an seinem Anzug trägt?
Das Raucher-Brandloch
Rauchen ist ja grundsätzlich blöd. Denn es macht ungesund und krank bis tot, zerlegt die Haut in eine ausgetrocknete Wüstenlandschaft und obliegt nur schwachen Menschen. Naja, manchmal ist es halt auch irgendwie gut, meinen die Raucher. Auf jeden Fall ist ein Raucher-Brandloch auf dem geliebten Marco O’Polo Schal fest doof. Sehr fest sogar, insbesondere wenn es diesen nicht mehr zu kaufen gibt. Nirgends. Das ist doch eigentlich das schlimmste Brandloch der aktuellen Zeit, oder?
Brennende Grüsse
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Freitag, 14.03.2008 13:32
An: Sorpresa
Betreff: Prä-EM-Schmerzen
Liebe Sorpresa
Bevor auch nur einer der mehr oder weniger oder gar nicht bezaubernden Fussballgötter den EM-Rasen betreten konnte: mein diesbezügliches Hör-Organ, mein Terminkalender im Juni und damit mein Verständnis für die bevorstehende EM sind erschöpft.
Wir, die Welt, das Universum, das sportliche Wohlgefühl unseres Seins befinden uns etwa um die 90 (oder sind es um die 80?) Tage im Davor. Man könnte meinen, dass bis dahin noch viel entspannte Zeit ins Land ziehen darf, oder?
Dem ist nicht so! Es dreht sich vieles nur noch um die Eine: die EM. [Naja, immerhin ist es keine andere Frau!]
Wir – das sind mein Liebster und ich, gewürzt mit seiner parallel fussballfreudigen Tochter und einigen fussballeifrigen Freunden – tun heute schon fleissig Tische reservieren in angesagten Public Viewing Points (auf Deutsch heisst das ein Ort, an dem man in leidender Gemeinschaft Fussball gucken kann, weil es dort einen übergrossen Fernseher bis hin zu einer Leinwand gibt und weil man da ohne jegliche Zurückhaltung seinen gesammelten Emotionen über das freudige Gelingen oder missliche Verlieren eines Match unter Einfluss von etwas Alkohol so viel Raum und Stimme geben darf, dass man im Nachhinein weder von der Führung des erwähnten Public Viewing Points, noch von seiner Lebenspartnerin gerügt werden kann und darf).
Davon abgesehen sind wir – das sind ganz fest mein Liebster und viel, viel weniger ich - fest traurig, dass wir noch keine Tickets für Rote Zora gegen Lion King (oder wer auch immer gegen wen auch immer) gekriegt haben.
Naja, es müssten halt bestenfalls die Italiener gegen den Rest der Welt sein. Die Spanier würden auch noch gehen. Und die Schweizer wären gerade noch passabel. Nur wollen die uns alle nicht, offenbar. Und daran werden wir nun die verbleibenden 90 oder eben 80 Tage leiden, offenbar.
Böse EM, verlass mein Leben!
EM-genötigte Grüsse (die Erste… ich bin sicher, es folgen weitere)
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Donnerstag, 07.02.2008 09:12
An: Sorpresa
Betreff: Verwaltungswüste
Liebe Sorpresa
Die Bezeichnung „Verwaltungswüste“ könnte mit reinem Gewissen durch „wüste Verwaltung“ ersetzt werden. Das wäre noch treffender, nur ein bisschen gemeiner halt. Und weil ich ein anständiger Mensch bleiben will, lasse ich vorerst „Verwaltungswüste“ stehen.
Ich habe mich nämlich entschieden, mein bisheriges berufliches Angestelltendasein einmal kräftig durch den Mixer zu lassen und das daraus entstehende Püree neu zu formen. Dies zum ersten April, was kein Scherz ist!
Hälftig das Eine und hälftig das Andere werde ich Spannendes und Neues für eine Firma und Gewagtes und Neues für mich selbst; also eigentlich für MEINE eigene Firma tun. Verwaltungswüstentechnisch eine scheinbar - tendenziell bis mit grosser Sicherheit grundsätzlich - unlösbare Aufgabe mit so viel Denkarbeit und Mehraufwand für die Verwaltungswüste.
Die gut organisierte, fördernde Eidgenossenschaft tut Jungunternehmer eigentlich sehr begrüssen! Ausser natürlich, diese stellen Fragen. Und ich habe seit das Beil der Entscheidung fiel, das war im Glitzermonat Dezember, arg viele Fragen an unglaublich viele Verwaltungsämter gestellt. So viele, dass ich jetzt bestimmt so eine Art berühmte Persönlichkeit in der Bernerischen Stadt-, Kantons- und wahrscheinlich auch Bundesverwaltung bin. Dies allerdings mit einem vergleichbaren Image des Dieter Bohlen. Das meine ich selbstredend nur bezüglich der Skala des Beliebtheitsgrads. Auf der Skala von 1 (supermiesepetrig) bis 10 (zauberhaftbezirzend) eine geschätzte minus 388. [Gell Dieter!]
Mein derzeitiges Fazit - und das ändert sich auf höchst spannende Art und Weise täglich durch die mehr oder weniger beherzten Fusstritte der Ämter - klingt etwa so: „Mensch, wer auch immer Du bist oder Dir einbildest zu sein, tue Dich nie, einfach nie, also gar gar nie, für eine sogenannte gemischte (Un-)(Selbst-)ständigkeit entscheiden. Denn, und wehe Du tust es, wirst Du daran ständig verwaltungsleiden. Jawohl!“
Aha.
Ich tue es trotzdem ihr Wüstenverwaltungsheinis – freufreu!
Ver-w-üstete Grüsse
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Dienstag, 15.01.2008 10:36
An: Sorpresa
Betreff: Die 8
Liebe Sorpresa
Endlich ist sie da; die Glückseeligkeit, Harmonie und Erfolg versprechende 8! Und das schon seit zwei Wochen - sag mal, fühlst Du es bereits?
Die 8 wird uns nämlich ein ganzes Jahr lang sanft umhüllen und wohlwollend begleiten. Sie wird dafür sorgen, dass unsere süssesten Träume erfüllt werden. Die 8 ist nämlich dermassen unendlich, kantenlos, fliessend und harmonisch, dass ihr die Aufgabe zuteil wurde, DIE ultimative Glückszahl unseres irdischen Daseins zu sein.
Das sagen zumindest die Asiaten. Und denen glaube ich sowieso immer mehr, insbesondere wenn es darum geht, unsere westliche Gier zu durchbrechen und im Leben eine sinnvollere Aufgabe als Macht zu finden. [Hierbei sind die sogenannt wirtschaftlich und gesellschaftspolitisch aufstrebenden Asiatischen Grossmächte natürlich und leider ausgenommen. Die tun sich nämlich mittlerweile am westlichen Verhalten ergötzen.]
Wie auch immer. Als unabhängige 8-Verehrerin tue ich jetzt Dir und der ganzen Welt die Zukunft dieses zauberhaften Jahres vortragen, ok?
Also in der 8 wird1/tut2/ist3/lässt4:
- 2Swiss Roger immer gewinnen! Und falls einmal (oder zwei, drei Mal) nicht, dann ist das wahnsinnig elementar für seine Persönlichkeits- und Karriereentwicklung, klar?
- 1Frau Clinton die Königin der USA! Und falls nicht, haben bestimmt ein, zwei, drei rumpelig bushige Stimmenzähler absichtlich falsch ausgezählt, gell?
- 4Robbie Williams uns keine neue Hör- und Schmelzsucht zuteil werden (ok, eine deutliche Delle in der 8)! Und falls wirklich nicht, entzieht er damit seiner kreischenden weiblichen Fangemeinde fast den Glauben an die 8, verdaut? (ABER - Anm. d. Red.: Mädels reisst Euch zusammen! Der wohnt jetzt im Bush-Land und hat daher bestimmt erste Fehlprogrammierungen verinnerlicht!)
- 3mein Leben zauberhaft; mit bös viel weniger Geld und dafür zauberhaft viel mehr Freude und Liebe! Und falls nicht, haben die Asiaten einfach irgendwann Blödsinn erfunden, claro?
So oder so. Dies oder das. Hin oder her. Tun wir die 8 achten wie verrückt. Dann kann uns auch nicht allzu viel verrücktes passieren, oder?
8-same Grüsse
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Donnerstag, 06.12.2007 10:12
An: Sorpresa
Betreff: Adventsparasiten
Liebe Sorpresa
Wenn der Storch sich damals nicht verflogen hätte, mich nicht zwei Monate zu spät hätte fallen lassen, wäre ich ein Adventskind! Naja, immerhin hat er den Schnabel an einem Sonntag geöffnet und mich als Sonntagskind abgeworfen.
Ich würde nämlich inständig ins Lichter-, Kerzen- und Sinnlichkeitsmeer des Advents gehören – meine grösste (Winter-)Leidenschaft! Nur, in diesem Jahr will der Zauber nicht greifen, ganz und gar nicht.
Alles begann damit, dass ich wie üblich nach meinem Urlaub meine energiefressenden Dekorationen installiert und einen unanständigen Teil meines Einkommens für Kerzen und sonstigen Adventszauber verpulvert habe.
Und dann kam: Nichts! Kein einnehmendes Glücksgefühl. Keine überschwängliche Herzenswärme. Keine herzliche Beteiligung meiner Liebsten. Keine kindliche Vorfreude. Einfach nichts - ein grosses Fiasko!
Fazit: Die Adventsparasiten haben die Führung übernommen! In diesem Jahr soll es von Allem und Jedem ein bisschen mehr sein.
Ein bisschen mehr Manipulation, Einschüchterung, Forderung, Unverständnis, Verurteilung, Belehrung, Vernichtung und natürlich Macht, Herrschsucht und Geld. Ach ja, und noch etwas mehr Strassenterror.
Die Adventsparasiten sind überall und wollen sich partout nicht vom Adventszauber ergreifen lassen, denn – statistisch gesehen - gehts uns allen doch familien- und wirtschaftspolitisch wieder viel besser.
Mein Dagegenhalten ist recht trivial und wahrscheinlich unergiebig: ich übersehe die Diskrepanz meiner Adventsfeinde und lasse meine kleine Welt leuchten. Ja, mich wird der Schlag treffen, wenn die Stromabrechnung eintrifft, denn wenn ich mich im Keller zum Stromzähler stelle, tickt dieser fleissiger als jede Atomwaffe es tun könnte.
Dennoch: Es leben die Adventsliebhaber, die Verständigen und Verteidiger der herzerwärmendsten Zeit des Jahres – auch wenn sie sich gerade dazu entschlossen haben, die Lichter zu verkennen und weiter zu kämpfen!
Adventliche Grüsse
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Donnerstag, 15.11.2007 11:36
An: Sorpresa
Betreff: Wer bin ich?
Liebe Sorpresa
Das gibt jetzt eine Chaos-Mail, das weiss ich jetzt schon. Ich werde Dir sogleich über mindestens viele verschiedene Themen berichten, diese mit grosser Sorgfalt durcheinander bringen, zum Schluss alles wild vermischen und Dir das finale Schlusspüree servieren. Und falls Du Dich bereits jetzt nach einer sortierenden Verdauungshilfe sehnst, kann ich Dir gerne die Nummer meines zukünftigen Geistheilers mitteilen. Ich werde bis dahin bestimmt einen gefunden haben…
Ich war gerade auf den Malediven. Endlich meinen Liebsten für mich ganz alleine geniessen dürfen (abgesehen von unerwarteten Zwischenfällen, natürlich), abtauchen im Blau, abschalten im Paradies, die Füsschen in den Sand buddeln, die Seele an der hauseigenen Palme baumeln lassen, durch das bunte Fischmeer treiben, den Geist, die Liebe und den Gaumen bezirzen und einfach glücklich leer sein und dabei voll tanken können.
Ich quetsche gerade eine andere Wohnung in die Meine. Weil die doofen Immobilien-Fritzen uns immer noch keine betörende Alternative zu Füssen gelegt haben. Also heisst es wegschmeissen oder verkaufen, Kisten packen oder Dinge umschichten, Platz schaffen oder den geliebten puristischen Raum verteidigen, kreative Möbel- und Sachmanöver entwerfen und dabei stets die Freude im Auge behalten und die Atemnot meditativ zügeln (… diese tun wir übrigens in den Keller, damit sie nicht aus dem Estrich über uns herfallen kann).
Ich bin gerade unwissend, weil ich auf den Malediven war. Sagte ich schon, ich weiss. Hat Roger Federer gewonnen oder verloren und wenn ja, wo? Hat Martina Hingis einen neuen Lover und/oder erfreut sie sich im/am weissen Schnee? Sind Thuner Fussballer böse Buben oder werden sie vermiesepetert? Ist die eine Machtperson in meinem Leben einnehmend, wenn ich im Urlaub eine fiese SMS erhalten hatte? Und wieso zum Teufel tut „mein“ Coop während meiner Ferienabwesenheit eine neue elektronische Schiebetüre einbauen, welche sich nicht mehr gleich weit öffnet wie die Vorherige? Ja, da bin ich gestern ohne Bremsung reingeknallt! Hat mir ja keiner gesagt, dass die Öffnung nun um mein schmales Persönchen kleiner ist. Gibt das eigentlich Superpunkte?
Zum Schluss: Wer bin ich überhaupt? Ein Opfer des hirnzurücksetzenden Malediven-Urlaubs? Ein Opfer des vorübergehenden zu engen Zusammenrückens? Ein Opfer des Coop’s, gar? Oder einfach ein Opfer meiner selbst, weil ich mich noch nicht wieder in der Welt der Autos, der Schuhe und des „zu Gunsten von der/dem Anderen“ wieder gefunden habe?
Wie auch immer. Ich habe gestern Abend meine Weihnachtsdekoration montiert und erfreue mich nun der tausend Lichter. Und meine Nachbarn finden nun bestimmt, dass ich einen Schaden habe.
Wer-bin-ich Grüsse
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Dienstag, 16.10.2007 10:10
An: Sorpresa
Betreff: Die Kappa-Schlacht
Liebe Sorpresa
Coop ist mein bevorzugter Grossverteiler für die Beschaffung der kleinen und grossen Dinge des alltäglichen und unspektakulären Lebens. Eigentlich verlief die Beziehung zwischen Coop und mir in den letzten Jahren grundsätzlich liebevoll.
Naja, es gab ein kleines Beziehungsproblem bei der Einführung der Supercard. Weil die ewig monotone Kurzfrage „Supercard?“ mir auf die Nerven ging. Ich hatte mich bereits mit dem Gedanken auseinandergesetzt, mir ein Tattoo auf die Stirn machen zu lassen mit meiner Supercard-Nummer. Diesen Gedanken habe ich verworfen, weil diese Nummer in der Migros nicht brauchbar ist. Und da kaufe ich halt gelegentlich auch ein.
Und dann lancierte Coop die Punktesammel-Dinger. Zuerst fand ich mich an der Kasse stets im selbstbewussten und gut hörbaren „Nein, ich sammle die Punkte nicht“ wieder. Irgendwann entschloss ich mich dazu, die Punktekleber leise zu nehmen und mir klammheimlich eine dieser Kuhn-Rikon-Pfannen reinzuziehen. Die sind übrigens nicht schlecht!
Dann brach das Kappa-Fieber aus. Ich weigerte mich standhaft die Pünktlis zu sammeln, denn ich verfüge über durchaus genügend stilvolles Reisegepäck, das nicht jeder Schweizer hinter sich her zieht. Es kam anders. Weil ein grosser Teil meiner Freunde sich darüber begeisterte, wie toll die Kappa-Dinger sind. Also beklebte ich mit Müh und Not in letzter Sekunde eine Sammelkarte und erwarb ein Kappa-Reiseset. Kaum daheim, band ich einen Fetzen eines ziemlich schönen Foulards um den Griff eben dieses, damit es in der Masse der Kappa-Schweizer nie vertauscht werden würde.
Mein Liebster zog sich das Teil auch gleich unter den Nagel für seine letzte Geschäftsreise. Das Packen und aus dem Kappa-Koffer leben war offensichtlich wunderbar. Weniger das Auffinden auf dem Gepäckband bei der Rückreise in die Schweiz. Wäre er nicht meist friedlich – und hätte ich nicht eines meiner liebsten Foulards geopfert – stände er noch heute am Laufband und würde auf seinen (meinen!) Kappa-Koffer warten.
Zurück daheim meinte er, dass die kontrollierten Schweizer sich recht schwer tun mit der Geduld, wenn die Möglichkeit besteht, dass ihr Kappa-Koffer fremd geht.
Fazit: Kauf Lebensmittel, Putzmittel und weiss der Geier was im Coop. Tue einfach nie, wirklich nie Sammelpunkte aufkleben und einlösen!
Punktevorzugsgrüsse
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Freitag, 07.09.2007 11:02
An: Sorpresa
Betreff: ER
Liebe Sorpresa
ER ist überall und immer wieder irgendwie unmöglich!
Nein, ich spreche weder von Gott, noch von Buddha. Ich spreche einfach von IHM. Zu Deinem allgemeinen Verständnis will ich anmerken, dass ER auch jederzeit eine SIE sein könnte. Nicht dass Du jetzt denkst, ich sei emanzipiert übergeschnappt! Nur ist es eben so, dass ich dieses Ding eben nur als IHN kenne. Jä nu, bin ja schliesslich nicht allwissend.
Also, ER:
Ich treffe IHN insbesondere bei der Arbeit; gelegentlich auch auf der Autobahn, im Coop, im Schwimmbad, im Kino, im Restaurant und überhaupt irgendwie zuviel und überall.
ER ist immer wichtig. Und wenn ER es nicht ist, dann tut ER einfach ganz fest so. Im Vertrauen sage ich Dir, dass ER es irgendwie auf mich abgesehen hat, glaube ich. Denn ER findet mich überall. Und ich muss mich dann vor IHM rechtfertigen, mich beweisen, kämpfen oder mich nieder knien – was ich natürlich nie tue, weil ich ein bisschen fest bockig bin. Nur leider wird es dann eben auch nicht besser, im Gegenteil.
ER heisst meist Brutus mit Vornamen und Machtmensch mit Nachnamen.
Nun gut. Oft darbe und leide ich wegen IHM. Dennoch hat sein Getue auch etwas an sich, das meine persönliche Lara Croft aus dem Dornröschenschlaf reisst. Denn wenn ER wieder einmal mit seinem grossen Spielzeugtraktor all meine Ideen, Konzepte und Einstellungen plätten will, tue ich unter Einsatz meiner weiblichen Intuition all meine sagenhaften Schwerter gegen den Himmel erheben und mit – grösstenteils – einem zauberhaften Lächeln seinen stoischen Traktörliwahnsinn durchbrechen. Dann tut er meist dumm gucken, weil er grad nicht versteht, dass die Traktörliburg eine kleine Schräglage eingefahren hat.
Und ich muss dann meist ganz lange schlafen, weil das Lara Croft Ding eben doch nicht so sehr meins ist, oder ich zumindest nicht mit unendlich Kräften dafür ausgestattet wurde.
ABER: Keine Angst! Ich werde nie verschlafen, denn ER wird mich irgendwann, irgendwo eher früher als später wieder aufwecken, weil ER mich wieder aufs Neue herausfordern will.
Brutus lässt grüssen
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Mittwoch, 08.08.2007 11:48
An: Sorpresa
Betreff: Wohnungsnotstand
Liebe Sorpresa
Allen überkreativen Architekten, vermögenden Bauherren, mafiösen Hausverwaltern und überheblichen Hausbesitzern zum Trotz: Wir haben unsere Zückermündchen gestrichen voll und rufen hiermit den Wohnungsnotstand aus!
Seit Tagen, Wochen, Monaten - und einfach zu lange - sind wir auf der Suche nach einem neuen Wohnparadies. Dieses sollte selbstredend all unsere Wünsche und Träume erfüllen, möglichst jungfräulich daher kommen, erfüllt sein von ausnahmslos positiven Energien und sich nahezu als Schnäppchen präsentieren. Wobei der letzte Punkt eher ein Nice-to-have ist, denn Spass und Freude ist ja sowieso nur kontoschmälernd zu haben, insbesondere in der Nähe der Bundesräte.
Doch: Nichts. Nichts. Und noch mal nichts. Also drei Mal nichts, mindestens.
Wir studieren täglich die einschlägigen Websites, lesen anstelle von Nietzsche und anderen tiefgründigen Herrlichkeiten die Wohnungsinserate in den Zeitungen und begeben uns regelmässig in den übel anmutenden Sog der Wohnungsbesichtigungsprostitution.
Du kannst schon lachen; das ist aber gar nicht lustig! Da liest man beispielsweise Folgendes:
„Zauberhafte, 130 m2 grosse, helle, sonnige, ruhige und stilvoll renovierte Altwohnung im Herzen der Länggasse in Bern. Alle Zimmer mit Parkett, Küche und Nasszonen mit Bodenplatten, sonnige Terrasse mit Blick auf die Berge. Blablabla. Telefon 012 345 67 89, Heini Lügner“
Wir stürzen uns auf’s Telefon, krempeln all unsere Termine um und begeben uns subito zur Besichtigung. Und wir sehen folgendes:
„Wohnmöglichkeit mit Fenstern in uraltem Haus. Grosse Zimmer, welche durch kleine Öffnungen (Schiessscharten?) die Anmutung von Gefängniszellen haben. Nasszonen mit orange-braunem Plattenboden. Kleines Freiluftstehplätzchen für eine Person (und eventuell kleines Hündchen oder Minikatze?) mit der Möglichkeit die Berge zu sehen, sofern Feldstecher vorhanden“.
So geht das nicht weiter! Ich habe Dalai Lama angerufen, um mich mit ihm zu beraten. Er hat Betriebsferien. Denn er braucht Ruhe, weil ihn all die Berner Grosswohnungssuchenden nerven mit ihren doofen Fragen zu den unmöglichen Möglichkeiten der Wohntraumverwirklichung.
Also zügeln wir weiter Tasche A in Wohnung B und zurück. Dann geht die Tasche B in Wohnung A. Und gelegentlich schmieden wir fiese Pläne, um den ganzen Bundesratsklüngel aus deren heiligen Hallen zu vertreiben. Denn Haus und Lage des berühmten Kuppelbaus würde uns zusagen.
Wohnungsverzweifelte Grüsse
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Mittwoch, 11.07.2007 11:00
An: Sorpresa
Betreff: Sportswissimo
Liebe Sorpresa
Zu behaupten, dass ich unsportlich bin, wäre falsch – geradezu fatal, finde ich! Denn ich schwitze mich wöchentlich zwei bis drei Mal durch sportliche Taten. Die meisten davon können einem fahrbaren Untersatz zugeschrieben werden – oder gelegentlichst auch meinem Liebsten, wenn er mich in Rage bringt.
Dennoch bin ich zum Schluss gelangt, dass ich – wie wohl der grösste Teil der Schweizer Bevölkerung – sportlich wahnsinnig unerkannt und daher wohl unwichtig bin.
Warum?
Weil weder die UBS meinen sportlichen Untersatz dick beflaggt, damit ich gut beschildert der persönlichen Höchstleistung entgegen steuere. Und weil auch Nike mir bis heute keine güldene Sportkleidung auf den Leib geschneidert hat, die dankbar meine edlen Schweisstropfen aufsaugt.
Ich bin also eine unerkannte Null im Schweizer Sportland! Das ist schwer verdaubar.
Daher versuche ich die Unwichtigkeit meines sportlichen Daseins mit nahezu fanatischer Anteilnahme an den Sportswissimo-Giganten aufzumöbeln:
1. Alinghi liegt in meinem Wohnzimmer vor Anker!
Denn ich war dabei, als DAS Schweizer Boot mit der eher Äusserschweizerischen Mannschaft sich mit viel Können (und dank den doofen Kiwis) rechtzeitig und zielsicher um die Boien schwang. Der Flachbildschirm und das Dolby-Lärmherum-System gaben mir gelegentlich sogar das Gefühl, ein paar Wassertropfen im Gesicht zu spüren.
2. Roger verfügt über meinen Sonntag! Denn ich war dabei, als unser Ballkönig in Wimbeldon nicht ganz so direkt in die Siegerstrasse einbog und schlussendlich doch wie üblich gekonnt seinen Rekord in den Rasen betonierte. Auch hier war der Flachbildschirm äusserst hilfreich (z.B. um das schöne Füdli und die netten Oberarme des Spaniers zu bestaunen). Das Dolby- Dings musste ich allerdings zum Schweigen bringen, der Spanier lärmt ja wie der Stier bei seinem letzten Kampf. Und natürlich habe ich trotz dem Füdli unserem eidgenössischen Ballkönig die Daumen gedrückt; wo denkst Du auch hin!
So. Das sind in aller Kürze zusammengefasst die wichtigsten Beteiligungen meiner Wenigkeit am Sport der Schweizer Eidgenossenschaft. Und die Bemerkung mit dem Spanischen Füdli muss ich jetzt sicher mit meinem Liebsten diskutieren …
Sportswissimo-Grüsse
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Freitag, 15.06.2007 09:25
An: Sorpresa
Betreff: Pensionsglück
Liebe Sorpresa
Ich habe Eltern, glücklicherweise! Und es ist soweit, meine Eltern sind pensioniert! Diese Tatsache ist eigentlich bereits vier Monate alt. Und um es ganz genau zu nehmen, wäre meine Mama bereits seit zwei Jahren und sechs Monaten pensioniert gewesen. Na ja, wie das halt so ist in der Generation Silver und der gemeinsamen Selbstständigkeit, da tut Frau im Betrieb so lange arbeiten, bis auch der Mann das Ruder werfen darf.
Auf jeden Fall sind sie jetzt alle beide ganz hochoffiziell Pensionäre. Und offensichtlich geniessen sie jeden Sekundenbruchteil davon, was mich natürlich ungemein freut!
Nicht ganz überraschend hat der neue Lebensabschnitt meiner Erzeuger nach nun doch 36 Lenzen auch einen geringen Einfluss auf meine Gewohnheiten; will heissen, ich mache mich grade mit ein paar neuen Gegebenheiten bekannt:
1. Die Eltern sind unerreichbar, denn sie sind beschäftigt.
2. Die Eltern haben die Gürklipüréewellness-Phase (Du erinnerst Dich an meine Mail vom Oktober?) beendet, denn der Kochherd bleibt weitgehend unberührt.
3. Die Eltern SMSlen neuerdings durchaus bahnbrechende Inhalte, denn sie haben einen Handy-Kurs besucht.
4. Die Eltern sind jünger als ich selbst, denn sie leben weitaus mehr.
So.
Und weil Du nun sicher kein Wort mehr verstehst, tue ich Dir gerne ein paar zuckersüsse Ausführungen aufschreiben:
1. Ist echt wahr! Früher konnte ich die Nummer des Geschäfts meiner Eltern anpeilen und war sofort mit ihnen verbunden. Heute wähle ich mir die Finger wund, weil sie irgendwie auf Achse sind – und zudem noch nicht befreundet mit der Funktion des Abhörens der Combox.
2. Hauslieferdienst gestorben, jawohl! Keine Überraschungen mehr in meinem Kühlschrank, die ich kredenzen kann – Heul fest!
3. 27 SMS am Tag des Handy-Kurses! Und weitaus über zehn an jedem nachfolgenden Tag. Die betörendste davon muss ich Dir einfach aufschreiben: „Hallo Béa, wir sind am Arsch mit Handy, Gruss Pa“…
4. Sie reisen, spörteln, lernen, essen auswärts, treffen Freunde, tun neue Technologien entdecken, richten ihre neu gekaufte Hammer-Wohnung (!) toll ein und zeigen dadurch wie das Leben genussvoll gelebt werden kann!
Zu guter Letzt will ich sagen, es ist toll! Etwas ungewohnt noch, jedoch jederzeit toll zu sehen, dass zwei Menschen, die sich mehr als ein halbes Leben lang geneigt haben, um zu tun was getan werden muss, leben zu sehen!
Wenn ich gross bin, will ich werden wie meine Eltern!
Pensionärs-Grüsse
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Dienstag, 15.05.2007 15:38
An: Sorpresa
Betreff: Generation Golf
Liebe Sorpresa
Kürzlich habe ich in einem einschlägigen, wahnsinnig intelligenten Frauenmagazin gelesen, dass sich die ganze Menschheit ganz sauber und einleuchtend in die kreativsten Formen von „Generations“ einteilen lässt. Auf diese Schubladen tun dann die Marketing-Wichtigkeiten grosser und kleiner Firmen und Marken setzen, wenn sie ihre Produkte und Dienstleistungen verhökert haben wollen, müssen, sollen.
Auf den ersten Blick war ich ein weibliches Wesen der Generation Golf, klar und deutlich!
Dieser Kategorisierung konnte ich mich knapp beugen, weil ich ein Gefährt gleichen Namens durch die Gegend schaukle.
Beim Weiterlesen durfte ich jedoch feststellen, dass ich ebenfalls ein weibliches Wesen der folgenden Generations bin:
- Generation NMBNS („not married, but not single“ – das heisst soviel wie „unverheiratet, jedoch be-paart“)
- Generation IT („Information Technology“ – das heisst soviel wie „nicht ganz minimales Verständnis für den Umgang mit allem Zeugs, das einem aus dem Computer entgegen springt“)
- Generation FV („Fashion Victim“ – das heisst, und ich sage es ungern, dass Frau eine „gewisse Ambition zum Shopping“ an den Tag legt. Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass dieser Umstand bei Weitem nicht mit den Shopping-Exzessen einer schmalstrichähnlichen Frau namens Victoria mit einem Fussballer-Ehegatten gleich kommt, auch wenn der Name „Victim“ eine gewisse Assoziation mit eben dieser auslösen könnte)
- Generation Patchwork-Family („Müesli-Familie“ – das heisst „hier eine Frau, dort ein Mann und irgendwo dazwischen Kinder von wem auch immer mit allen bunten Schwierigkeiten dieses Zusammen(nicht)lebens“
- Generation Prosecco („Prosecco-Freunde und –Freundinnen“ – das heisst, dass keine Aktion der Generation „Fashion Victim“ und auch weiterer anderer Generations stattfinden können, wenn man diese nicht adäquat mit je einem Cüpli ein- und ausläutet).
Gut. Es wäre ein Einfaches, hier noch ungefähr zehn weitere Generations aufzulisten, denen ich bestimmt angehöre.
Ich konzentriere mich jedoch darauf Dir zu sagen, welchen ich bestimmt nicht zuteil bin:
- Generation Silver („Grauhaare“ – das heisst die Ältere Kommune unserer Menschheit; ich fühle mich zwar gelegentlich so, bin jedoch trotzdem nicht über 50)
- Generation NSBM („No sex before marriage“ – das heisst eben was es heisst und ich habe das verpasst).
Nun gut, liebste Sorprese, wer bist Du? Generation Mail-Tante wahrscheinlich, oder?
Herzliche Generations-Grüsse
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Freitag, 13.04.2007 13:07
An: Sorpresa
Betreff: Vom Sitzen
Liebe Sorpresa
Ich sitze mich durchs Leben!
Sitzen ist eine Bereicherung, eine Tugend und zugleich eine Strafe, ein Gehabe; kurz gefasst: Gutes und Schlechtes gleichermassen, sozusagen.
Liebe Sorpresa, nimm einen Einblick in meine aktuelle Woche und Du wirst nur noch stehen wollen!
Täglich frühmorgens sitze ich 15 Minuten auf meinem ruhigen Kissen zur Meditation – das zentriert, beruhigt und stärkt. Und das waren - leider - oftmals auch schon die guten Sitzminuten der letzten Tage.
Danach sass ich im Auto, diese Woche auf der Fahrt nach Basel zu einem wichtigen Termin mit unserem Partner. Als ich dort ankam erfuhr ich, dass eben dieser abgesagt worden war. Man hatte nur vergessen, es mir mitzuteilen. Demnach sass ich hin und her ein bisschen für nichts.
Etwas später in der Woche sass ich in sehr wichtigen Meetings. Das Sitzen in eben diesen beansprucht übrigens mittlerweile mindestens einen Drittel meiner Arbeitszeit. Und weil ich den unabdingbaren Hang habe, in eben diesen allerspätestens nach der zweiten vollen Stunde sehr unruhig zu werden, bin ich irgendwie eine unpraktische Sitzungsgenossin. Weil ich mich nicht dem Hang zum persönlichen Expressionismus eines jeden Einzelnen anschliessen kann und will. Und vielleicht auch deswegen, weil ich Luftblasen dieser Art liebend gerne füllen würde mit der Erledigung meiner Arbeit, die sich höher stapelt als stapelbar.
Und als ich dann so richtig durchgesessen war, kehrte ich zurück zu meinen Mädels, welche in der Zwischenzeit fest fleissig gearbeitet hatten und berechtigterweise ganz viele Fragen und Informationen für mich parat hatten. Also setzte ich mich erneut und beantwortete, beäugte, prüfte, coachte und lobte.
Noch ein bisschen später sass ich in meinem Büro. Mich glotzte eine scheinbar unendliche Liste an Mails und Pendenzen an, die darauf warteten, von ihrem Sitzdasein befreit und gelöst zu werden.
Nur hatte ich mittlerweile das Problem, dass sich mein Hinterteil nicht mehr so recht bewegen wollte. Weil es durchgesessen war.
So sitze ich nun der Dinge die da kommen und hoffe fest darauf, dass demnächst alles ausgesessen ist.
Sitzende Grüsse
Aladina im Wunderland
Liebe Leserin
Lieber Leser
Kleiner Denkstopp gefällig? Lesen Sie unsere Kolumne und geniessen Sie den nicht ganz alltäglichen Mailaustausch zwischen Aladina und Sorpresa. Sie werden bestimmt über die eine oder andere Situation schmunzeln, die Ihnen nicht ganz unbekannt ist.
Aladina im Wunderland freut sich über Ihr Feedback zu dem Zauberwerk!
» Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Mittwoch, 14.03.2007 13:18
An: Sorpresa
Betreff: Kinder, Andere und ich
Liebe Sorpresa
Kinder mögen mich meistens. Andere haben Kinder und mögen diese - und gelegentlich auch andere. Ich habe keine Kinder und mag diese grundsätzlich meistens, zumindest wenn sie
a) nicht masslos erwachsen überheblich tun,
b) nicht grundsätzlich böse und manipulativ sind und
c) mich auch mögen.
Nun habe ich in letzter Zeit die Erfahrung gemacht, dass die Kinder in meinem Umfeld weitaus mehr zu begeistern sind, für eine tiefgreifende emotionale Bindung zu Köbi Kuhn betreffend den Abgang von vogelartigen Fussballspielern, für belustigende Momente über das klägliche Versagen von asiatischen Innovationsneuheiten am Auto-Salon und nicht zuletzt für die alltäglichen kleinen und grossen Scheitermomente der Erwachsenen aus ihrem tonangebendem Umfeld gegenüber ihren kindlichen Attacken.
Hmm. Diese Buchstaben haben diesbezüglich im Moment Vorrang. Das heisst: Ich bin ratlos! Denn nunmehr bin ich grad nicht mehr gefragt als lustige Tante, Kinderfrau oder sonstige Begleiterin.
Zum Beispiel ist eines meiner Patenkinder – und ich werde an dieser Stelle vehement darauf verzichten dessen Geschlecht zu nennen, denn dann kann ich im (ausser)familiären Streitfall immer noch behaupten, es hätte sich um den/die Andere/n gehandelt) - mittlerweile davon abgekommen mit mir zu kommunizieren. Nebst einer überaus gelangweilten Miene zu einer jeden Frage erhalte ich - wenn überhaupt - eine Antwort mit nie mehr als drei Worten und maximal einer Silbe. Wir sind also das ultimative Ja-, Nein-, Ok-, Ev- und Egal-Gesprächsteam.
Weiter habe ich die Erfahrung gemacht, dass mein bisher herzallerliebster Lieblingsnachbarssohn mir im zarten Alter von acht Jahren vor seiner Mama wortgewandt mitteilte, dass er es neuerdings grundsätzlich übel findet, mich besuchen zu müssen.
Liebe Sorpresa, alle weiteren Geschichten willst Du gar nicht hören. Es gäbe da noch ein, zwei davon. Ich muss allerdings darauf hinweisen, dass meine Kinderentfremdung vielleicht damit zu tun hat, dass ich ein weisses Haar mehr aufweise und sich unter meinem linken Auge durchaus eine klitzekleine Falte Raum verschafft. Wahrscheinlich sehe ich nun der bösen Grossmutter aus dem Märchen mit dem vom Wolf gefressenen Kind etwas ähnlicher…
Whatever. Ich freue mich eines jeden kleinen und grossen Kindes, das mir ab und zu ohne zu Hinterfragen ein Lächeln schenkt, weil es sich einfach über das meine Lächeln freuen kann.
Kindliche Grüsse
Aladina im Wunderland
PS: Hierbei sehne ich mich übrigens besonders nach einem überaus rosaroten, stets bereicherendem Frölein etwas fernab von Zürich Richtung Osten …!
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Dienstag, 08.02.2007 08:20
An: Sorpresa
Betreff: Die S
Liebe Sorpresa
Es war einmal vor langer Zeit eine Firma. Diese Firma besass tolle Hochleistungsgeräte mit einem hübschen Schweizer Kreuz auf dem Füdli. Die Schweizerkreuzfüdlifirma (re)agierte in Zürich und brachte viele sehr wichtige und weitaus viel mehr sehr unwichtige Menschen von irgendwo nach irgendwo anders. Und alle Eidgenossen waren stolz, dass es diese Firma gab.
Die Swissair.
Ein bisschen mehr später klappten die Flügel dieser Firma nach unten. Weil irgendjemand irgendwo einen klitzekleinen, nicht ganz unwichtigen Fehler im Getriebe der Schweizerkreuzfüdlifirma vollzogen hatte - der übrigens auch mit ganz vielen guten Ausreden nicht so einfach weg zu fliegen war.
Die Flügel schlampten.
Nachdem mehrere vermeintliche Hochleistungsgeräte-Spezialisten über die Revitalisierung der schlampigen Flügel nachgedacht hatten, wurde aus der flügelbeschnittenen Firma kurzerhand eine neue gemacht. Und ein weltweit bestaunter, kreativer Mensch mit dem Namen eines Spanischen Desserts wurde beauftragt, etwas überaus Überraschendes zu tun: Er schnitt der Firma das Füdli ab. Und die Swissair wandelte sich in die SWISS. In Grossbuchstaben, natürlich.
Irgendwann später luden wichtige Eidgenossen-Überwacher viele der Füdlibeschneidungs-Jasager zu einem Rechtfertigungsgelage ein. Die Geladenen kamen und schwiegen vorzugsweise. Manchmal schwätzte auch eine/r, vorzugsweise böse über eine/n anderen. Auf jeden Fall war und ist die Konklusion extrem unaufschlussreich.
Wie weiter?
Irgendwann wird eine noch bekanntere Superfigur der Kreativität kommen, wahrscheinlich mit dem Namen eines Italienischen Desserts, und der SWISS auch noch das Restfüdli abschneiden. Dann wird sie die S sein. In Übergrossbuchstaben, natürlich.
Und wir – die Eidgenossen - werden auch diese Person verehren. Denn sie wird mit grösstem Engagement und einer weitaus grösseren Gage hingebungsvoll daran arbeiten, unseren toten Schweizer Vogel wieder zum Fliegen zu bringen.
Tieffliegende Grüsse
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Dienstag, 16.01.2007 10:51
An: Sorpresa
Betreff: Sonderbare Kugel...
Liebe Sorpresa
Damals, als die Erdkugel noch eine Platte war, muss alles viel weniger sonderbar gewesen sein, glaub ich.
In der Zwischenzeit sind ein paar Jahre vergangen, ein paar alte Herrscher gestürzt, ein paar neue Regenten auf den Thron gehoben, ein paar Eiszeiten ausgehalten und ein paar ganz nützliche Dinge erfunden worden. Diese und ein paar andere Kleinigkeiten haben unseren Planeten zur Kugel geformt und unsereins dazu befähigt, sehr sonderbar zu werden!
Sonderbar, weil…
… böse Buben immer noch gehängt werden und sich heutzutage nicht Gehängte überaus begeistern können, diesen sozialpolitisch nicht ganz einwandfreien Vorgang mit grosser Freude in einem SMS-Filmchen zu begaffen.
… der Petrus mittlerweile pensioniert ist, aus Spargründen nicht ersetzt wurde, wodurch sich die Kollegen Schnee und Winter erfolgreich, und wahrscheinlich mit den fiktiven Monatsgehältern von nicht existenten Mitarbeitern der Wetterabteilung in die Karibik abgesetzt haben.
… die Wahl des Sportlers des Jahres 2006, welche erneut auf den derzeit Weltgeschichte schreibenden Schweizer gefallen ist, offenbar trotzdem einige Patrioten zum Motzen animiert. [Der Bällchenkönig ist übrigens aus der Region Basel und nicht Bern, was einen offensichtlichen Planungsirrtum der zuständigen Landesregierungsabteilung deutlich macht.]
… die Menschen – und hier besticht vorzugsweise das weibliche Geschlecht durch ausserordentliches Können - sich erneut fast verprügeln, um das Schönste aller schlimmen Ausverkaufsobjekte zum Sonderpreis zu ergattern. [Dieses sah übrigens schon vorher fest schlimm aus. Nur, jetzt ist es billig, also in den Kleiderschrank damit!]
… weil der Aschenbecher meines Gefährts neuerdings auch nach dem Service noch mit einem Berg lästiger Parkuhrenzettelchen voll gestopft ist.
Wo also soll ich ansetzen? Das Aschenbecherding ist gelöst, denn diesen habe ich bereits geleert. Soll ich nun als nächstes die Henkershelfer versingen, mich beim Vorsitzenden der aufgelösten Wetterabteilung beschweren oder gar eine Pro-Bällchenkönig-Gemeinschaft ins Leben rufen?
Sonderbare Grüsse
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Mittwoch, 06.12.2006 10:11
An: Sorpresa
Betreff: Engelslocken
Liebe Sorpresa
Nicht, dass noch etwas zu tun wäre! Die unzähligen Lichtlein sind gehisst, das Kerzenmeer ist entzündet, die Weihnachtsdekoration ist arrangiert, die Adventskalender sind verteilt und die Engelslocken sind gelegt.
Und es spriesst der Raps, es blühen die Schneeglöckchen und es gedeihen die Balkonpflanzen. Wo zum Teufel bleibt das Weihnachtswetter?
Schneematsch muss her! Scheiben kratzen am Morgen, vier Schichten Kleider gegen die Kälte, Eisblumen an den Fenstern und überhaupt eisige Zustände scheinen mir im Moment geradezu konkurrenzfähig zu einem Malediven-Urlaub. Und das ist schwer bedenklich! Wenn man gemeinhin davon ausgeht, dass das Wesen Mensch sich gerade in dieser Jahreszeit nach eben diesen tropischen Trauminseln im blauen Nichts sehnen sollte.
Tut Mensch aber nicht. Denn Mensch freut sich der Wärme und Sonne, welche dennoch lauwarm ist, denn so ganz ohne Flip-Flops und Sand zwischen den Zehen sind eben diese doch nicht so richtig chic.
Als langjährige, schwer süchtige Weihnachtsfanatikerin stellt sich mir die Frage, ob der geschmückte Tannenbaum an einem fernen Strand bei warmen Temperaturen demnächst in diesem Leben auch an der Bernerischen Aare stehen wird? Wir könnten uns dann am Vorweihnachtsabend im Spaghetti-Top auf ein Gläschen Prosecco treffen und in Gedanken darüber schwelgen, wie es früher - fest viel früher - irgendwie kuschelig war. Weil man sich in der warmen Stube vor dem Kamin im Kerzenmeer so sehr wohl fühlte, dass man umgeben von seinen Liebsten weich gebettet auf Engelslocken mit verträumtem Blick das Schneegestöber draussen bestaunte. Das würde dann der Inbegriff von Weihnachten gewesen sein.
Jaja, das werden wir wohl unseren Kindeskindern erzählen. Und die werden uns mit grossen, glänzenden Kulleraugen anschauen und dahinschmelzen – bei warmen Temperaturen, natürlich – ab den faszinierenden Geschichten aus der Vergangenheit.
Nun gut. Bis wir, die Weihnachtszeit und das Wetter so fest verkommen sind, werden mich weiterhin all meine Engel vorwurfsvoll anschauen, wenn ich das Tor zu meinen heiligen Hallen beschreite. Weil kein Mensch sie ernst nimmt. Weil sie nämlich im Kontext des momentanen Wetters durchaus eine adäquate Konkurrenz zu Dimitri und anderen Clowns darstellen.
Ich warte, Du Schnee Du!
Wintersehnsuchtsgrüsse
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Freitag, 10.11.2006 11:19
An: Sorpresa
Betreff: Die Kluge reist im Zuge...
Liebe Sorpresa
Ich bin eine Autofrau! Denn ich schätze es überaus, dass mein Auto mir zuzwinkert am Morgen, Mittag, Abend und wann auch immer sonst ich auf die Fernbedienung meiner Zentralverriegelung drücke. Dass ich darin immer einen Platz finde, dass gute Musik läuft, dass ich niemals umgeben bin von schlechten Gerüchen oder schlecht erzogenen Menschen und dass wir immer genau dann abfahren, wenn ich es will.
Nun, vor zwei Wochen trat ich mit drei lieben Freundinnen eine Kreditkartenschädigungsreise nach Como an. Wir überlegten im Vorfeld hin und her ob Auto oder Zug und haben uns dann für das uneingeschränkte Durcheinanderreden - und zur Feier des Tages für den Reiseprosecco - entschieden. Schlussendlich wollten wir auch unsere Kreditkarten davor bewahren, am ersten Tag aufgrund eines allfälligen Staus unberührt zu bleiben.
Gesagt, getan! Wir sassen im Cisalpino nach Bella Italia. Eingeengt von zuviel anderen Menschen, die ihre Füsse auch nicht ausstrecken konnten und auch kein Extraplätzchen neben sich ergattert hatten, um das mitgeführte Lesevergnügen oder das schicke Handtäschchen abzulegen.
Dennoch – wir kamen pünktlich an und stürzten uns sogleich in ein überaus vergnügliches, verschlemmtes, einkaufsträchtiges und kunterbunt lustiges Weekend.
Drei Tage und viele Kreditkartenbelege später standen wir wieder auf dem Bahnhof von Como. Der Zug kam nicht. Viel später kam er und rumpelte uns mit letzten Kräften über die Grenze. Damit war er zum Schweizer Problem geworden. Denn dann blieb er stehen wegen technischen Störungen. Noch später wurden wir in einem Minibahnhof aufs Gleis gekippt und sehnten uns nach dem Ersatzzug. Er kam, irgendwann. Nur leider war er ein nicht klitzekleines Stückchen kürzer. Strategisch geschickt ergatterten wir uns ein Abteil und freuten uns darüber, dass wir auch ohne Sitzplatzreservation entspannt in Zürich einfahren würden. Weit gefehlt! Da standen diese 80ies und konnten sich kaum auf den Beinen halten. Und wir konnten unser schlechtes Gewissen kaum in Zaum halten. Also boten wir brav Plätzchen an – und sassen drei Stunden wie die Sardellen in der Büchse zu sechst im Viererabteil.
Wir kamen an, irgendwann. Ein paar Stündchen später zwar. Und einer der 80ies träumt noch heute von dem schönen blonden Fräulein, das ihn drei Stunden lang prächtig unterhalten hatte. Und wir alle träumen noch lange von den Lebensgeschichten und Weisheiten der 80ies.
Es lebe mein Auto, das stets vor meiner Tür steht. Vor welcher auch immer…
Kluge Grüsse
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Dienstag, 17.10.2006 17:10
An: Sorpresa
Betreff: Gürklipuréewellness
Liebe Sorpresa
Hab ich Dir eigentlich schon mal gesagt, dass ich nie und nimmer werde verhungern können? Zumindest nicht solange meine Mama den Kochlöffel schwingt.
Ich bin ein eigenständiges Mädel, jawohl. Naja, eigentlich wäre mehr die Begrifflichkeit „Frau mittleren Alters“ angesagt - wegen dem verlorenen Kampf gegen die Schwerkraft, Du weisst schon.
Auf jeden Fall habe ich eine Mama. Und diese ist nun ganz und gar nicht der Typ Mama, der sich immer und öfter in mein eigenes Leben gräbt, mich auch mit 35 Lenzen noch leiten und bemuttern will und überhaupt das Gefühl hat, in ihren Adern fliesse das „ich-weiss-was-für-dich-das-Beste-ist-Blut“.
Nein, meine Mama ist dezent cool! Sie lässt mich, sie glaubt an mich, sie ist stolz auf mich und sie ist geschickt in allen Dingen, die sie tut – verhandeln, kochen, geschäften, relaxen und neuerdings auch im Wohnungskauf und Hausverkauf.
Ihre Liebschaft mit meinem Kühlschrank ist dennoch überraschend gross. Denn wenn ich des Abends nach Hause komme, finde ich regelmässig klitzekleine Zettelchen auf meinem Küchentisch, die mir rapportieren, welche Prachtereignisse sich in meinem Kühlschrank tummeln. Das Repertoire ist betörend: Gürklipurée, Zwetschgen im Rotwein und Zimt eingelegt, Kürbissuppe mit Curryschaum, Spezialbrot mit Olivenpaste und Kürbiskernen, exotischer Risotto mit Frühlingssprossen… und so weiter halt. Und alles hausgemacht, selbstverständlich.
Mein Kühlschrank ist also hin und wieder eine Gourmet-Wellness-Oase. Nämlich stets dann, wenn meine Mama wieder einmal daran zweifelt, dass ich ohne ihr Gourmet-Zutun eine Chance auf Nahrung habe.
Kein Aber von meiner Seite, übrigens. Denn den geschmackvollen Lieferungen gehen stets korrekte telefonische Anmeldungen derer voraus. Frau Mama würde nie und nimmer unangemeldet den Schlüssel in meine Wohnungstüre stecken.
Fazit: Mein Kühlschrank ist wegen den mütterlichen Lieferungen echt ranzig zu mir. Total vereist, sozusagen. Ich glaube, er will mir damit weiss machen, dass Mama’s Gourmetservice meinen unangefochtenen Kochkünsten noch lange die Stange hält. Das wiederum lasse ich natürlich nur ungern auf mir sitzen. Und so koche ich weiter um die Wette mit meiner liebsten Frau Mama und die Gunst meines Kühlschranks…
Püristische Grüsse (… nicht zu verwechseln mit puristischen Grüssen!)
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Donnerstag, 21.09.2006 15:11
An: Sorpresa
Betreff: Monopoly-Blues
Liebe Sorpresa
Ich habe mich ausnehmen und vorführen lassen. Von einem 10.75 jährigen Zwerg, einem männlichen dazu!
Alles begann ganz lieblich und familiär. Mein Neffe und zugleich Patenkind gab sich wieder einmal hocherfreut die Ehre ein Weekend in meinen heiligen Hallen zu verbringen. Das hat natürlich immer eine ganz besondere Bedeutung für den nicht mehr ganz kleinen Wusel. Denn die Patentante tut ja sowieso, was sein Herz begehrt und was zu Hause mit einer lebenslangen Haftstrafe geahndet werden würde.
Der kleine König legte wie gewohnt bereits weit im Voraus das Programm fest, welches üblicherweise nicht zwei Tage, sondern zwei Monate füllen würde. Wie ebenfalls üblich, verbrachten wir die ersten zwei gemeinsamen Stunden damit, sein Wunschlosglücklichszenario auf zwei Tage zu stutzen:
1. Monopoly spielen (bis die Patentante weint)
2. Titanic in voller Länge schauen (mehr als 3 Stunden 10.75-jähriges Kompetenzgehabe über sämtliche Details des versoffenen Kahns)
3. Vor dem Fernseher Spaghetti essen (was zu Hause die Todesstrafe zur Folge hätte)
4. Stündliches Verhandeln über den Startzeitpunkt der Nachtruhe und der benötigten Anzahl Stunden Schlaf (Patentante braucht am Wochenende mindestens sieben Stunden, um glücklich zu sein – bei Anwesenheit des Zwergs zehn Stunden, um sich ausgiebig zu erholen; 10.75-jähriger braucht fünf Stunden um glücklich zu sein - bei Patentante supermaximal 3.75 Stunden, um nichts zu verpassen)
Und los gings mit Monopoly. Drei Stunden, siebenunddreissig Minuten und zehn Monopoly-Runden später war ich schweissdurchnässt ab dem hämischen Grinsen meines Lieblingszwergs und schlicht und einfach pleite. Der kleine Stratege hatte mich nach schönstem Beispiel in die Monopoly-Pfanne gehauen. Ich bin mir sicher, dass er in ungefähr 13.25 Jahren ein gefürchteter Börsen-Banker wird.
Nun denn. Tapfer bestritt ich die Punkte 2. bis 4. und handelte mir acht Stunden Schlaf aus. Nach sieben Stunden und achtundfünfzig Minuten wurde ich geweckt durch den Klang des hämischen Kinderträllerliedchens „Gottiii ist bankroootti – Gottiii ist bankroootti – und so weiter“.
Abgesehen davon habe ich das Weekend gut überstanden. Mein weisses Sofa etwas weniger gut. Denn es befinden sich ein paar neue Spaghetti-Saucen-Striemen auf der Sitzfläche, die mich jederzeit daran erinnert werden wie „Gotti ist bankrotti“ klingt…
Monopolistische Grüsse
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Donnerstag, 31.08.2006 16:44
An: Sorpresa
Betreff: Robbissimo
Liebe Sorpresa
Du erinnerst Dich an meinen Angstschrei im November 2005? Lange und noch längere Tage und Nächte des Bangens und Hoffens, damals auf den Malediven.
Natürlich nicht, weil ein Tsunami im Anmarsch war. Sondern weil ich eine sehr, sehr lange Zeit – also ungefähr 24 Stunden, um ehrlich zu sein – Gefahr lief, den einzigartigsten, fulminantesten Termin des Jahres 2006 zu verpassen: Robbie in Bern. Robbie in meiner Stadt. Robbie bei mir zu Hause!
Ich habe ihn nicht verpasst! Denn ich war da, an (fast) vorderster Front live dabei.
Ich stand in der fünften Reihe (von hinten). Ich hatte mich natürlich strategisch geschickt dort platziert, wo ein angemessener persönlicher Raum nicht zu sehr von angetrunkenen Möchte-gern-Robbies und kreischenden Groupies eingeschränkt wurde, da wo die Bar in idealer Bestellnähe war und die Toiletten in weniger als 30 Minuten erreichbar waren (man weiss ja nie…!).
Selbstverständlich hatte ich als erfahrene Robbie-Konzert-Gängerin alle notwendigen Utensilien im Handgepäck: zwei kreischende Freundinnen, die ebenfalls in Würde schmelzen können und einen Gladiator mit Waschbrettbauch von 195 Zentimeter Körpergrösse. Frau will sich ja schliesslich mehrstimmig an Robbie erfreuen und ab und zu über die Menge gehoben werden, um über den Köpfen des Pöbels direkt in Robbies Augen zu blicken.
Hat auf jeden Fall alles bestens geklappt! Mit dem Gladiator habe ich allerdings seither noch nicht gesprochen. Denn es kann sein, dass er wegen chronischem Armmuskelkater sowieso keinen Telefonhörer abheben könnte…
Was soll ich sagen? Er war himmlisch! … Ja, sein Sixpack ist mittlerweilen ein Onepack, sein Kinn hat neuerdings zwei Ausprägungen und sein Allerwertestes ist nicht mehr nur ideal geformt.
Wen kümmerts? Unsere ehemals hinreissenden Kurven verlieren auch immer mehr den Kampf gegen die Schwerkraft und die früher bezaubernden Lachfältchen ziehen ihre tiefen Furchen auch dann, wenn wir wütend durch die Gegend maulen…
Robbissimo Grüsse
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Montag, 10.07.2006 09:17
An: Sorpresa
Betreff: Oh-je-mine !
Liebe Sorpresa
Es ist kaum ein Monat vergangen, seit ich Dir die Ohren vollgeschwärmt habe vom Leben als Fussball-Abstinenzlerin. Nun ja, mein Ego hat offensichtlich einige tief greifende Wandlungen erlebt, denn ich muss gestehen: Ich bin entflammt, neuerdings!
Neuerdings ist eigentlich schon eine Weile her. Nämlich ganz genau seit ich keine Freunde mehr hatte, weil ich Fussball-Abstinenzlerin war. Also habe ich mich irgendwann schweren Herzens und mit einer nicht klitzekleinen Abneigung zu Hause vor die Kiste gesetzt und ein Spiel unserer Eidgenossen verfolgt.
Ich muss sagen, es hat was, dieses Balldelirium! Natürlich nicht, weil Fussball spannend ist. Sondern viel mehr deswegen, weil die ganze Bevölkerung an den Spieltagen als Höchstleistung eines eben solchen die pünktliche Zusammenfindung vor dem Screen als das Höchste der Gefühle betrachtet. Und dann kriegt man sogar zu Hause auf dem Sofa mit, dass sich rund um das Spielfeld und in allen WM-Beizen wahre Emotionen ausschütten.
Daran wollte Frau auch teilhaben. Etwas verhalten allerdings. Nun gut. Beim dritten Spiel unserer weiss Gekreuzten war ich soweit, in einer Gruppe von Freunden mit Hochspannung und der nötigen Portion Swissness Zeugin eines Siegs zu werden. Zumal unser Torhüter bisweilen zum Star des einzigen nicht penetrierten WM-Tors erkoren worden war. Frei nach dem Motto: Mein Tor hat nichts vor.
Ich sass also inmitten des Fiebers, bewaffnet mit einem Cüpli, stöhnte fleissig jedes Ahhh und Ohhh mit und feuerte – wenn auch dezent – das Geschehen mit an. Irgendwann wurde ich etwas müde, was ich mit einem zweiten Cüpli dezent übertönte. Und noch mehr irgendwann, nach Verlängerung gab es dieses Elfmeter-Ding. Was ja völlig unspannend ist, weil hochdramatisch. Und dann war es soweit: Das runde Leder frass sich wiederholt ins Tor der weiss Gekreuzten und danach frassen sich die weiss Gekreuzten vor Elend ins Gras.
Oh-je-mine … was für ein Erlebnis! Wären wir nicht gerade im Abseits von Korfu gesessen, hätte ich die Rega gerufen. Denn mir war in dem Moment nicht klar, ob all meine Freunde diese Situation atmend überstehen würden!
Fazit: Ich und das Leder, wir habens nicht so miteinander. Aber ich kämpfe tapfer weiter. Ich suche mir in jeder Runde einen neuen Favoriten - gemessen an der Fähigkeit des Landes in der Herstellung von zauberhaften Schuhen - und fiebere dann mit. Es rettet mich, dass die Italiener es bis ins Finale geschafft haben. Und ich glaube, sie werden gewinnen. Denn schliesslich können sie zauberhafte Schühchen machen!
Forza Italia!
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Dienstag, 13.06.2006 09:26
An: Sorpresa
Betreff: Hopp Schwiiz
Liebe Sorpresa
Ignoration ist leider in diesem Fall ein absolut untaugliches Mittel: Es ist Fussball-Ausnahmezustand – überall, allgegenwärtig und rund um die Uhr. Jeder Wiederstand ist zwecklos. Jede Verleumdung endet im Strafraum und in der Einsamkeit.
Ich gebe mich geschlagen. Nicht kampflos, natürlich. Denn zuvor habe ich ein paar Eigentore geschossen:
1. Ich nahm das erste WM-Spiel genüsslich zum Anlass, Freundin A anzurufen. Denn bekanntlich kann Frau mit Frau während eines Fussballspiels ungehemmt und ungestört quasseln. Nicht in diesem Fall. Meine Freundin teilte mir etwas gestresst mit, dass eben jetzt gerade das erste Spiel beginnen würde und dass sie dieses unbedingt sehen müsse. Weil sie Deutsche sei (und seit hundert Jahren in der Schweiz lebt…). ?!? Was, wenn ich gerade von meinem Partner verlassen worden wäre nachdem er mein ganzes Bankkonto geplündert hätte… würde da ein Fussballspiel vorgehen können?
2. Freundin B tut sich gerade etwas schwer mit der Vorfreude auf das kommende Wochenende. Weil sie ein paar wichtige Spiele verpassen wird, sagt sie. Weil wir nach Paris fahren. Zum Robbie-Williams-Konzert. ?!? Ich meine, wir fahren nach P A R I S ! Zum R O B B I E W I L L I A M S K O N Z E R T ! Kann es denn in diesem Fall noch wichtig sein, wenn Swaziland gegen Kunigundula oder so spielt?
3. Ich habe das Datum für einen globalen Partner-Event in unserer Firma auf den Zeitraum vom 20. bis 23. Juni festgesetzt. Dafür werde ich seither - und ich habe dieses Datum bereits im Dezember 2005 festgelegt, da wusste ich nämlich nicht einmal wie man WM schreibt - täglich mehrmals von vielen, vielen Männern (und ein paar Frauen) geächtet, bestraft und dümmlich belächelt. Verzichten wir also lieber auf gute Geschäfte als auf ein WM-Spiel?
Ich würde mal meinen, dieser Ball hat mich eingeholt!
Also habe ich sofort alle Register gezogen, um meiner Wenigkeit in den kommenden vier Wochen vorzugsweise in einer fussballfreien Zone Beachtung zu schenken.
Ich habe mich für einen Golf-Kurs angemeldet. Denn – und das ist so sehr schön – die Etikette des Golfsports verträgt sich natürlich nicht mit Grossleinwänden, Bierzapfstellen und wahnsinnig angeheitertem Publikum. Ich treffe zwar kaum einen Ball, aber - liebe Sorpresa - , es ist eine wahre Freude in dieses ruhige Grün einzutauchen!
Ball-Grüsse
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Montag, 08.05.2006 11:55
An: Sorpresa
Betreff: Ich und der Ölstand
Liebe Sorpresa
Öl(zu)stände haben mich frisch gebrandmarkt!
Es war vor ein paar Wochen, sechs vielleicht. Mein geschätzter Wagen schleuderte mir mitten in der schwungvollen Auffahrt auf die Autobahn das Wort „STOP“ sowie ein rotes Öllämpchen entgegen. Sofort schlich sich die böse Botschaft wieder von meinem Boardcomputer. Nicht wichtig - dachte ich.
Zwei Wochen später in der gleichen schwungvollen Kurve: „STOP“ und Öllämpchenleuchten. Und wieder weg damit. Hmm – dachte ich. Fliegt mir jetzt die Karre um die Ohren? Ich rief einen Garagisten an. Seine Panik quoll aus dem Telefon als er militärisch anordnete „sofort anhalten und den Abschleppdienst anrufen“. Blöd - dachte ich. Wo führt das hin, wenn ein Garagist über den Verlauf meines Freitagabends entscheidet? Also fuhr ich nach Hause und bestellte den Abschleppdienst vorsorglich dorthin. Der wollte mir dann weiss machen, dass ich meinen Wagen knapp an einem Motorenschaden vorbei gefahren hätte. Tja, dachte ich, auf die Detailplanung kommt es an. Auf jeden Fall schleppte er mein Gefährt zur nächsten Garage, wo es sich nach dem Weekend mit Öl volllaufen lassen musste. Als ich den Geliebten wieder in Empfang nehmen durfte, erhielt ich prompt noch eine Standpauke vom Garagisten. Von wegen Öl regelmässig kontrollieren und so. Für was in aller Welt bringe ich meinen Wagen regelmässig in den Service, wenn ich mich auch noch um ölige Zustände kümmern soll?
Nun gut. Es war schlussendlich alles gut gegangen, was meine intuitive Reaktion in jeglicher Hinsicht bestätigte.
Zwei Tage ist es her, dass mein Wagen zum offiziellen Service anfahren musste. Der Ersatzwagen war ein Haufen altes Blech, eine Rostbeule. Wieso kriege ich keinen Wagen, der mindestens doppelt so teuer ist, mit einem Chauffeur, der aussieht wie Brad bevor er sich von Angelina hat bezirzen lassen? Wäre der Tag nicht so traumhaft schön gewesen, hätte ich in diesem Moment bereits wieder ins Bett zurück wollen.
Ich habe die alte Mühle auf dem Weg zur Arbeit etwas in die Gänge gebracht. Und abends auf dem Rückweg noch etwas mehr, denn ich war in Eile. Und dann auf einmal, als würden zehn Dinosaurier mich zurückhalten wollen, keuchte, kotzte und rauchte die Rostbeule vor sich hin. Wechsel von der Überholspur auf die Innenspur. Als dann der Brummi hinter mir gefährlich schnell nahe kam, habe ich mich – würdevoll - für den Pannenstreifen entschieden. Zu guter Letzt blinkte mich auch noch das Öllämpchen an und die Rostbeule servierte mir eine feine Rauchsäule, aufsteigend neben dem Schalthebel. Ich verliess fluchtartig den Ort des Grauens und stand in absolut sicherem Abstand – also mindestens 500 Meter hinter der Rostbeule – auf dem Pannenstreifen. Muss etwas doof ausgesehen habe, mit dem Handy am Ohr und sämtlichen persönlichen Gegenständen im Arm.
Kurz und bündig: Garagist rettet mein Leben, indem er geliebtes, ölgesättigtes Auto bringt und Rostbeule mit Motorenschaden entsorgt. Letzteres hat natürlich überhaupt nichts mit meiner Fahrweise zu tun, ehrlich. Es hat jedoch zur Folge, dass ich und mein Wagen ein neues Accessoire besitzen: Eine Flasche Öl im Kofferraum.
Ölgeprüfte Grüsse
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Donnerstag, 06.04.2006 09:00
An: Sorpresa
Betreff: Werbekoller
Liebe Sorpresa
Mein Briefkasten und ich, wir sind sehr, sehr genervt und frustriert! Natürlich nicht, weil wir keine tiefgründigen Liebesbriefe empfangen. Denn die übermittelt man heutzutage leider per Mail oder noch schlimmer per SMS. Es gibt zum Glück noch Wesen auf dieser Welt, die diese persönlich vortragen. Selbstverständlich werden bei einer solchen Gelegenheit auch noch gleich die Lieblingsblumen oder – auch nicht extrem verwerflich - Edles in einem Schmuckkästchen mitgebracht. Das mag Frau sehr!
Darum geht’s aber nicht. Denn mein Briefkasten ist sowieso ein Mann und hätte daher wenig Verständnis für solche romantische Ausschweifungen.
Mein Briefkasten und ich stecken in einer tiefen Wahrnehmungsdepression, sozusagen. Denn unsere Wünsche und Bedürfnisse werden konsequent missachtet.
Auf der Stirn meines Briefkastens klebt nämlich deutlich und übergross ein Kleber mit der Aufschrift „Keine Werbung“. Man könnte nun davon ausgehen, dass dieser grammatikalisch etwas unvollständige Satz inhaltlich trotzdem überdeutlich ist und der Briefkasten nicht zugestopft wird mit jämmerlichen Gratiszeitungen und dämlichen Wahlwerbungen.
Dem ist aber nicht so! Das kann daran liegen, …
- … dass mein Briefkasten faul ist, seine Lage nie verändert und somit auch niemandem ins Gesicht springt. Was nicht sein kann, weil er kein Hirn hat.
- … dass sich die Werbeausträger durch ausgeprägte analphabetische Begabungen auszeichnen. Was wiederum nicht sein kann, weil in meiner Region Wirtschaftsstudenten die Werbung in die Briefkästen stopfen.
- … dass die Auftraggeber ignorante Menschen sind. Weil sie glauben, dass genau ihre Werbung die Briefkästenleerer in die Hörigkeit treibt und sie selbst glücklich macht.
Nicht mit mir! Im Gegenteil. Im Hinblick auf die bevorstehende Wahlperiode für die Gross- und Regierungsräte sammle ich die Flyer von Heiri, Ruedi, Hans-Peter & Co. damit ich heute schon weiss, wen ich morgen nicht wählen werde. [Wäre ich im Männer-Notstand würde ich sie vielleicht über mein Bett hängen?]
Es bleibt die Frage, warum Trudi, Heidi, Lisbeth & Co. keine Flyer von sich in werbemüde Briefkästen stecken lassen? Entweder sind ihnen solche Werbemassnahmen schlicht zu stillos oder aber sie trauen sich nicht. Beides gut möglich beim komplizierten Geschlecht, oder?
Werbekoller-Grüsse
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Montag, 13.03.2006 08:56
An: Sorpresa
Betreff: Eisprinzessin
Liebe Sorpresa
Ich habe beschlossen, mich völlig neu zu orientieren.
So sagt man doch, wenn jemand seine bisherige Identität an einen rostigen Nagel hängt und sich von Grund auf neu definiert, oder?
Genau das tue ich jetzt nämlich. Denn ich bin der Meinung, dass ich in der vergangenen Zeit genügend Erfahrungen gesammelt habe für meine Neuorientierung. Wenn ich es mir genau überlege, dann bin ich mittlerweile sogar geradezu prädestiniert für eine völlige Neuausrichtung! Du willst mehr wissen? Bitte:
Vor sehr langer Zeit (als ich noch etwas über 30 war, also um es genau zu sagen 34,998) war die Welt noch in Ordnung. Seit einiger Zeit nun gehe ich auf die 40 zu (seit ungefähr 15 Tagen, sechs Stunden, ein paar Minuten und noch viel mehr Sekunden) und die Welt ist eisig, böse, böse und eisig.
Früher (mit etwas über 30) hatte/war/konnte/durfte ich…:
- … stets schöne Schühchen an (ich wäre nämlich ein Typ „Shoe’s 4ever“ und wenn man von Geburt an in diesen Typus gedrängt ist, muss man natürlich viel Auswahl haben).
- … stets pünktlich, weil ich natürlich ein überaus organisierter und verlässlicher Mensch bin (ich wäre nämlich ein überwältigendes Organisations- und Planungstalent).
- … stets einwandfrei gekleidet meinem Arbeitsplatz und sonstigen netten und noch netter Verpflichtungen entgegen segeln (ich wäre nämlich eine pure Antizielgruppe eines jeden Stilberaters).
- … stets überzeugt davon sein, dass die Chance meines Lebens noch vor mir liegt (ich wäre nämlich eine aufgeschlossene und kreative Persönlichkeit, deren ultimativen Talente nur aus Platzgründen noch nicht auf der Top-Invest-Aufstellung gelistet sind).
Aber eben. Seit ich auf die 40 zu gehe ist alles anders. Denn seither befasse ich mich inständig und ausschliesslich mit folgenden Themen:
- Nein, schon wieder die gleichen Schuhe, weil schon wieder Superschneematsch
- Nein, schon wieder unpünktlich, weil schon wieder Auto auslochen, Scheiben kratzen, zum Arbeitsplatz rutschen.
- Nein, schon wieder einer der drei Anzüge, die sich vom Schneepflotscht nicht verfärben und nicht zu tief im Schnee hängen.
- Nein, nein, nein! Nicht diesen Winter. Nicht diese Schuhe. Nicht diesen Anzug und last, not least nicht diesen mit Pflotsch voll gesoffenen Parkplatz, der meine Schuhe, Anzughosen und damit auch mich umbringt.
Also werde ich jetzt Eisprinzessin! Entweder gehe ich dann in die ewigen Jagdgründe bedeutender Eisfiguren ein, oder ich werde sofort von einem Eiskönig geheiratet (das ist vielleicht etwas schwierig, wenn man auf die 40 zu geht?) und muss dann sowieso nichts mehr, weil ich nur noch darf. Egal! Hauptsache etwas davon!
Hau-ab-Du-Winter-Grüsse
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Montag, 13.02.2006 13:04
An: Sorpresa
Betreff: Feinstaubstau
Liebe Sorpresa
Wenn ich könnte, dann würde ich jetzt im Olympia-Fieber sein. Wie alle sportsüchtigen und ganz normalen Menschen auf diesem Planeten.
Nur leider kann ich nicht. Der Grund dafür ist nicht etwa die Tatsache, dass ich nicht sportsüchtig bin, oder aber nicht normal. Bin ich zwar auch nicht, aber normal ist ja auch gewöhnlich, und wer will schon gewöhnlich sein? Auf jeden Fall, ist das trotzdem nicht der Grund.
Ich bin nämlich verstaubt. Das ist denn auch der Ursprung und somit der ganze Inhalt dieser Misere. Zugemüllt, wäre auch noch eine passende Beschreibung für meinen Zustand.
Genau. Verstaubt und zugemüllt. Und das seit Wochen. Seit der öffentlich beklagte Feinstaub mir meine Sicht trübt und den Atem raubt. Denn seither keuche ich nicht nur sportlos durch die Gegend, ich verpasse auch sämtliche Berichterstattungen über Olympiaden und sonstige lebenswichtige Ereignisse, weil ich weder bis zum Fernseher sehe, noch die Buchstaben in Zeitungen entziffern kann.
Meine Augen sehen jeden Morgen so aus, als hätte ich am Vorabend mit einem Alkoholiker um die Wette gezecht und dabei mindestens zwei Schachteln Marlboro’s geraucht. Glaub mir, nach dem ich ungefähr tausend Mal erfolglos mit Kamille-getränkten Wattebäuschchen auf meinen Augenlidern eingeschlafen bin, habe ich auch vorgenannte Methode ausprobiert. Und das frustrierende daran war, dass ich am anderen Morgen nebst zusätzlichen Kopfschmerzen ganz genau gleich aussah wie in den Wochen zuvor.
Mein Arzt hat mir die hilfreiche Auskunft gegeben, dass ich eben eine Person mit besonders sensiblen Bedürfnissen und Reaktionen sei. Grrr … als hätte ich nicht schon längst gewusst, dass ich eine Prinzessin bin. Nur leider bemerkt das ausser mir niemand. Denn dann hätte mir meine Zofe sicher ein Wundermittel von einem fernen Heiler gebracht und der Butler hätte ein fast unbezahlbares technisches Wunder in meine Gemächer gestellt, das den Feinstaub gefressen hätte, bevor er in meine Nähe gekommen wäre.
Dann wäre ich jetzt auch im Olympia-Fieber. Würde wissen, wie die Eröffnungsfeier sich angesehen hat und nicht nur deren Klänge kennen. Und ich würde wahnsinnig fachkundig mitreden können, wenn man sich am Mittagstisch über die jüngsten Entwicklungen vom Ort des Geschehens in Bella Italia austauschen würde. Was für eine klarsichtige Vorstellung!
Olympische Grüsse
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Montag, 01.01.2006 10:16
An: Sorpresa
Betreff: Nachglühen
Liebe Sorpresa
Der Sternenzauber ist verschwunden! Ich denke aufrichtig darüber nach, künftig meine Nachbarn zu bedrohen, damit sie den Weihnachtszauber nicht verfliegen lassen, bevor das Osterbäumchen geschmückt wird. Das wäre nicht mehr als eine humane Dienstleistung, oder?
Und weil dem (noch) nicht so ist, habe ich meine geballte Kreativität eingesetzt, um mein persönliches Nachglühen zu gewährleisten: Ich kaufte nämlich die bezauberndsten und zugleich überlebenswichtigsten Weihnachtsgeschenke für mich selbst!
1.) Perlenzauber
Mein tiefgründiges, weises Buch der allerwichtigsten Dinge im Leben einer wahren Kaiserin – allerdings bin ich immer noch weitaus viel lieber Prinzessin; vielleicht wegen des Hauchs an Jugend – hat mir geraten, mein Wesen mit edlen Perlen zu umhüllen (mit noch mehr, um ehrlich zu sein). Ja, das fördert die Weiblichkeit und das innere Strahlen einer jeden Dame.
Also bin ich hin zu diesem Perlenladen und habe mich für umwerfend viel Geld mit noch mehr Perlen behängt. Ich deutete das übrigens als überaus gutes Omen, da ich bereits seit Jahren der Perlensucht verfallen bin und Schmuckstücke jeder anderen (und natürlich einfacheren!) Art von mir weise. Wenn man bedenkenlos könnte, dann würde ich Perlen nämlich auch essen. Und mit Champagner runterspülen. Aber mein Arzt und Apotheker haben mir davon abgeraten.
2). Sex and the City
Nein, ich bin nicht langsam im Hip sein! Selbstverständlich weiss ich von SATC, seit es die Damen – und natürlich insgeheim auch die Herren – beglückt hat. Nur neige ich üblicherweise dazu, beim ersten und grossen manischen Kreischanfall einer grösseren Menschenmenge, ganz bewusst dezent zurückhaltend zu sein. [Für Robbie mache ich natürlich eine Ausnahme, denn der fragt mich ja nie, wann ich denn bereit bin für ihn zu kreischen.]
Auf jeden Fall bin ich kurz vor Weihnachten zur Überzeugung gelangt, dass die Dezenz ein Ende hat und hoch erhobenen Hauptes in den CD-Shop marschiert, um mir die Weihnachtsjubiläumsbox mit allen sechs Staffeln von SATC zu schenken.
Auf dem Heimweg kam es mir vor, als hätte ich edle Manolo Blahnik’s in der Tüte. Nur leider kann ich auf ungefähr hundert Zentimeter Absätzen nicht mal kriechen. Aber das ist eigentlich gar nicht so wichtig. Denn mit der besagten DVD-Box ist mein Leben auch nach Weihnachten glanzvoll: Ich berausche mit zu jeder möglichen und unmöglichen Zeit mit all den wohlig betäubenden Oberflächlichkeiten eines ganz normalen Damen-Problem-Lebens, das von surrealer Schönheit und von viel Hype umwickelt ist.
Ach, und nicht, dass ich meine Liebsten nicht auch reich beschenkt hätte an Weihnachten! Und natürlich wurde ich von meinen Liebsten auch wundervolle überrascht. Nur, darum geht’s ja nicht. Denn was wäre die bürgerliche Prinzessin von heute ohne SATC?
Traumgrüsse
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Mittwoch, 07.12.2005 10:56
An: Sorpresa
Betreff: Über Sternensucht
Liebe Sorpresa
SEUFZ! [… Schwelg … Verdreh die Augen … Schmacht… und so weiter …]
Keine Sorge:
1. Ich bin noch normal (… oder?).
2. Es geht nicht mehr um Robbie Williams. Er ist vorübergehend sehr verblasst.
Die königlichste aller Jahreszeiten ist es, die mir und ungefähr einer Milliarde anderer rausch- und kaufsüchtiger Menschen einen überhöhten Adrenalinspiegel verleiht.
Mein Herz hat sich gleichzeitig mit dem Weihnachtspavillon von Globus weit geöffnet. Auch dieses Jahr war es eine helle Freude, dass ich den Weihnachtszauber bereits Ende November über meine Wohnung ausbreiten durfte. Das ist immer gut, denn psychologisch gesehen, dauert es Unzeiten länger, wenn sich der erste Advent erst im Dezember breit macht.
Auf jeden Fall leuchtet und duftet es in meiner Wohnung – und zu meiner grossen Freude auch in meiner Nachbarschaft – wieder unmissverständlich nach eben dieser lichtgekrönten Jahreszeit.
Eine relative Erleichterung des Älterwerdens bedeutet die von Jahr zu Jahr gesteigerte Auswahl an zugekauften Lichtern und sonstig umwerfendem Weihnachtsdekozeugs! Ja, da kommt ganz schön was zusammen, denn immerhin bestimme ich meine weihnächtlichen Ausschweifungen seit nun 15 Jahren selbst. Und im Vergleich zu dem eher schmächtigen Adventskranz von meiner Mama, habe ich in diesen Jahren wahre Wunder zusammengekauft!
Ich bin immer noch davon überzeugt, dass die Quelle meiner Kaufsucht – der Globus – mir irgendwann demnächst eine mindestens 200 Meter lange Premier-Lichterkette in einer mit Kunstschnee gefüllten Truhe, dekoriert mit wahnsinnig teuren Kugeln und sonstigen Kleinigkeiten im orientalischen Stil zu Füssen legen wird.
Das ist bis heute noch nicht passiert. Und ich hege die Vermutung, dass es in der Schweiz irgendjemanden gibt, der im Globus die vorweihnächtliche Stimmung durch eine klitzeklein höhere Umsatzschwelle bereichert. Das könnte übrigens meine Nachbarin sein. Denn im Dezember mag ich sie stets noch mehr, als ich sie ohnehin schon mag. Sie unterliegt offensichtlich dem gleichen Zauber wie ich. Das hat mir dazu verholfen, dass ich bereits beim Betreten des Hauses von der Sternensucht in Gefangenschaft genommen werde. Also muss ich nur noch die Treppe hoch sprinten, alle Lichter anwerfen, die Kerzen entzünden und dann ist mir die Welt eigentlich ziemlich egal. Und das einen ganzen Monat lang!
Was mich jedoch kürzlich beschäftigt hat, war die Aussage meines mittlerweile 10-jährigen Neffen (der übrigens auch mit 10 noch nach meinem jährlichen Adventskalender mit 24 individuell verpackten Geschenken lechtzt…). Er hat bei seinem letzten Besuch in seiner aktuell nürzigen Note gemeint: „Bin ich hier eigentlich auf dem Weihnachtsmarkt, oder was?“. Nun gut, ich habe darüber nachgedacht. So ungefähr zwei, drei Sekunden. Und dann habe ich mich wieder der Sternensucht hingegeben und ihn bis Weihnachten von meiner Wichtigkeitsliste gestrichen.
Sternenfunkelnde Grüsse
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Dienstag, 22.11.2005 09:14
An: Sorpresa
Betreff: Der böse Bube und ich
Liebe Sorpresa
Er ist gebucht, der böse Bube. Es war ein Stress sondergleichen!
Ich sass auf einer idyllischen Malediveninsel, zeichnete mit meinen Zehen verträumte Muster in den Sand, strahlte mit dem blauen Himmel und der Sonne um die Wette, schwebte erfüllt durch die blauen Tiefen des Meeres als wäre ich selbst ein Fisch. Die Welt könnte nicht perfekter sein. Dachte ich.
Und dann kam Frischfleisch auf die Insel. Ein paar neue Schweizer, die meinten, den bereits anwesenden Inselschwärmern Neuigkeiten aus der Heimat servieren zu müssen.
Meine Pina Colada fiel mir fast aus der Hand, als ich auf diesem grausamen Weg erfahren musste, dass er, der böse Bube, nach Bern kommt. Und ich bin doch Bernerin! Und ich mag ihn. Natürlich nicht so, wie Du jetzt denkst. Bin ja schliesslich keine 15 mehr. Es hängen keine Poster von ihm über meinem Bett. Und ich quetsche mich bei seinen Konzerten auch nicht in die erste Reihe, um die klitzekleine Wahrscheinlichkeit zu begünstigen, dass er mich auf die Bühne holt und ich diejenige bin, der er ans Hinterteil fasst und der er die Zunge in den Hals steckt. So natürlich nicht! Frau von Welt geniesst selbstverständlich würdevoll und aus Distanz.
Gut. Das wäre ja alles noch erträglich gewesen, hätte ich in diesem Moment nicht auch noch erfahren, dass der Vor-Vorverkauf im „Inner Sanctum“ – das ist die webbasierte abzockende Pseudo-Fan-Gemeinde vom bösen Buben, die einem ermöglicht vor dem Vorverkauf Tickets zu angeln – ganz genau mitten in meinem Urlaub beginnt! Hast Du schon einmal versucht, von einer Malediven-Insel Kontakt mit der Welt aufzunehmen? Das ist ungefähr so, als würdest Du auf den Mond telefonieren wollen.
Danach war ich gezeichnet von einer tief sitzenden Angst DEN Termin des Jahres 2006 zu verpassen.
Zurück daheim habe ich mich sogleich auf den Computer gestürzt um zu erfahren, dass der Vor-Vorverkauf ausgebucht ist. Seither litt ich an Migräne und Appetitlosigkeit.
Bis gerade eben. Meine herzallerliebste Freundin hat meinem Leben wieder einen Sinn gegeben! Sie hat sich durch den Vor-Vorverkauf gekämpft wie ein Bond-Girl. Sie hat Verluste erlitten, denn das Stade de Suisse wollte uns partout nicht. Sie hat weiter gekämpft an der harten Front und sie hat gewonnen!
Wir verbünden uns ab sofort auf einer partnerschaftlichen Europäischen Ebene mit den Franzosen. Denn die mögen es offensichtlich, wenn wir kommen.
Und so werden wir dabei sein, wenn ROBBIE WILLIAMS Paris mit seinen süffig-groovigen Songs und den bösartigen Texten zum beben bringt! Würdevoll und aus Distanz, natürlich.
Par(ad)iesische Grüsse
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Montag, 10.10.2005 15:34
An: Sorpresa
Betreff: Gruselkabinett
Liebe Sorpresa
Die Welt ist so was von high!
Jawohl. Und zwar so sehr high, dass man – insbesondere Frau – gemeinhin gegen Brechreiz kämpfen muss. Wenn man – also eigentlich Frau – sich wieder einmal eine dieser grundsätzlich heilenden und überaus wichtigen Touren gegönnt hat. In wahnsinnig anziehenden Etablissements, in denen Frau üblicherweise sinnlos viel Geld ablädt, um danach mit einer die Arme verlängernden Ladung von Schrankneuzugängen in Tüten die eigenen Gemächer zu beschreiten.
War das zu kompliziert formuliert? Du kannst es zügig und einfach haben: Frau kriegt Brechreiz beim Shopping!
Mag sein, dass es irgendwo auf diesem Planeten eines dieser Etablissements gibt, das auch mein Herz berühren würde. Nur sehr wahrscheinlich liegt dieses ausserhalb meines rollierenden Schrankneuzugängebudgets. Auf jeden Fall fühle ich mich momentan in diesen ansonsten erquickenden Momenten wie im Gruselkabinett. Denn man will mich in überdimensionale Häkelformationen hüllen. Diese sind natürlich wild besetzt mit Pailletten. Und sie weisen grundsätzlich mindestens zehn Farben auf – pro Stück, natürlich.
Mann stelle sich das einmal vor! Macht denn die Angebetete im Gruselkabinett-Look der Flower-Power-Zeit eine betörende Figur? Das mag hinhauen, wenn die Dame sowieso besser alles verhängt und verschleiert, was sie zu bieten hat – tschuldigung, ist aber wahr.
Nur, das löst mein Problem nicht. Denn irgendwie kriege ich das beklemmende Gefühl, demnächst so was von neben der Aktualität zu stehen! Weil ich mich weigere, mein Ich und meine Rundungen umhäkelt, pailletisiert und farblich überdosiert durch die Menschheit zu tragen.
Männer, tut endlich was! Ihr tut doch sonst auch alles, zumindest wenn Frau es Euch aufträgt. Und ich verspreche Euch, es ist ganz einfach! So einfach, wie den Abfallsack vor die Tür zu bringen. Es benötigt ausschliesslich eines Meine-Kreditkarte-ist-gesperrt-Verhaltens, wenn Eure Liebste Häkel-, Pailletten- oder Superfarbigteile kaufen will. Und natürlich die überaus gefühlvolle und kontinuierliche Bemerkung darüber, dass eine klassisch-elegant gekleidete Dame so was von umwerfend und bezaubernd ist und Euch grundsätzlich und intensiv den Atem raubt, insbesondere wenn es sich dabei um Eure Liebste handelt.
Nur dann, und auch nur vielleicht, werden wir gemeinsam die Schöpfer dieser schlimmen Gruselkabinett-Dinger auf die Knie zwingen.
Herzliche Grüsse aus dem Gruselkabinett
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Donnerstag, 08.09.2005 09:33
An: Sorpresa
Betreff: Altweibersommer
Liebe Sorpresa
Schon die Bezeichnung allein ist hässlich: Altweibersommer! Wer zum Henker kommt auf die Idee, eine solch despektierliche Bezeichnung dafür zu verwenden, einen in Würde und Schönheit abklingenden Sommer mit der Werten „Alt“ und „Weib“ zu benennen? Zumal „Weib“ sowieso von dannen gegangen ist. Denn heute sind wir karg formuliert „weiblichen Geschlechts“ und ansonsten natürlich immer und viel lieber und sowieso „Ladies“.
Dachte ich.
Und dann war ich da in diesem Seminar für Kommunikationsheinis (und natürlich auch –heininnen, sofern dies der Begriff für den weiblichen Kommunikationsheini sein mag). Und da sagte doch dieser Prolet von Referent: „Eine Dame mittleren Alters ist eine Dame ab 35 Lenzen“. ?!? Ja, wo kommen wir denn da hin, wenn die Männer mit 50 noch im besten Alter sind, weil sie endlich schön grau melierte Schläfen haben und die Frauen bereits mit 35 Jahren im Regal des Mittelalters archiviert werden?
Ich bin untröstlich!
Denn demnach trifft mich mein persönliches Mittelalter in genau fünf Monaten –dann verschlingt und erwürgt es mich mit Wollust!
Und in diesen fünf Monaten werde ich weiterhin ohne Rücksicht damit konfrontiert, dass
a) ich in keine Kleidergrösse mehr passe, weil heute ein jedes Kleidungsstück auf 15-jährige, hüftlose, abgemagerte Fröleins ausgerichtet ist,
b) ich meine zwei grauen Haare - im Gegensatz zu der männlichen Bevölkerung dieser Erde – als bedeutenden Nachteil verstehen muss,
c) ich unbedingt und sofort endlich schwanger werden muss, weil ich ansonsten meine zwei grauen Haare schon bald keiner Menschenseele mehr weiter vererben kann.
Na gut. Wie immer in dieser Situation muss ich Dir mitteilen liebe Sorpresa: Das Leben ist zu schön, um fies zu sein. Also stimme ich bei der Abstimmung über Aussagen zur Attraktivität der Menschheit (findet statt am 8. Oktober 2021) ganz klar gegen die Initiative.
Und jetzt rufe ich meinen lieben Doc MachSchöner an und frage ihn, wie viel Rabatt er mir gewährt, wenn ich das gesammelte Mittelalter in einem grossen Service entfernen lasse.
Möchtegernejungweibsein-Grüsse
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Dienstag, 09.08. 2005 09:14
An: Sorpresa
Betreff: Rage de Suisse
Liebe Sorpresa
Die Zauberworte im Vorfeld führten uns direkt in die Bredouille!
Das „Nie da gewesen“, das „unvergesslich“ und das „Spektakel“. Wer hätte daran gezweifelt? Und schon gar nicht wenn man die geheimnisvoll kommunizierten Programmbotschaften zu verstehen glaubte und dazu (oder auch nicht) noch
a) BernerIn ist
b) YB-vernarrt ist (YB ist der bisher gelbe, jetzt goldene Fussballclub der Hauptstadt)
c) sportbegeistert ist
d) interessiert ist in Architektur und/oder in noch nie da gewesene, unvergessliche und spektakuläre Momente.
Und auch so, war man überzeugt davon, dass mindestens U2, die Rolling Stones oder gar der adrett-versaute Robbie Williams einem den Atem rauben würde. Der Spass kostete ja immerhin pro Tag mehr als ein Konzert eben dieser Grössen!
Also stürzten wir uns auf die nach langen Vorreden endlich im Vorverkauf erhältlichen Tickets für eben dieses noch nie da gewesene, unvergessliche Eröffnungsspektakel. Und dieses sollte sogar noch an dem patriotischen Wochenende des 1. Augusts brillieren!
Naja. Ich mache es kurz und möglichst schmerzlos: Irgendwann bekamen wir vier ziemlich grosse Pakete mit einer ziemlich billigen Plastikuhr im Innerinnersten (erinnere Dich an die russischen Puppen, die man auseinander stülpt und dann am Schluss vor dem kleinen Nichts steht). Und irgendwann wussten wir auch, dass in den zwei Tagen rund 30.000 Besucher fehlen würden. Und irgendwann noch später wussten wir auch, dass wir immer noch nicht wussten, was den so ultimativ war, dass es uns aus den Sesseln heben würde – denn das Programm war immer noch geheimnisvoll. Und noch mehr irgendwann später wussten wir ganz genau, dass es
a) ganz schön ungemütlich ist in einem halb vollen Stadion mit einer knapp 70-minütigen Show und spröden Performances als spektakuläre Einweihung abgespeist zu werden
b) ziemlich schal ist, ein Eröffnungsspiel anzuschauen, wenn die grosse Menge nach dem ersten Match das Stadion verlässt
b) ganz fest schön gewesen wäre, dieses Weekend im Zauberland zu verbringen. Und dieses würde sich weder – pardon - arrogant Stade de Suisse nennen, noch die Zuschauer verschippeln.
Am Schluss bleibt der Wunsch nach DJ Bobo. Nicht dass Du denkst, dass DJ Bobo mein liebster Musiker wäre. Auch wenn ich ihn dafür bewundern mag, was er in seinem Leben auf die Beine gestellt hat. Aber zumindest hätte ich gewusst, dass es im Kunstrasenneubau ein Leben nach dem Beben gibt!
… de Suisse-Grüsse
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Donnerstag, 07.07. 2005 17:34
An: Sorpresa
Betreff: Aus die Maus - Gewitter über Paris
Liebe Sorpresa
Ja. Ich bin zurück. - Nein. Ich will nicht darüber sprechen.
Denn meine Auszeit und mein Urlaub auf den Malediven waren einfach fantastisch, traumhaft, beglückend und überhaupt! Ich bin jetzt nämlich auch ein Fisch. Ein Flaschenfisch. Weil ich nur ein akzeptabler Fisch bin, wenn ich eine Flasche auf dem Rücken trage…
Jaja, und jetzt sitze ich halt auch wieder in so einem viereckigen Ding, ohne Sand auf dem Boden, ohne Palmen über mir, ohne Meeresrauschen in meinen Ohren…dafür mit Alltagsstress.
Ich bin trotzdem tröstlich. Denn es gibt Schlimmeres: Aus die Maus, zum Beispiel. Oder um es genauer zu sagen: Aus die pariser Maus.
Jawohl. Paris ist jetzt unin. Wenn Du das nicht verstehst, dann vielleicht so: un-in. Also out! Nicht trendy. Abgewählt. Verstossen. Verraten. Enttäuscht. In Staatstrauer. Im Sommerhänger. Im Zukunftshänger. Böse, fest böse auf Briten!
Jaja, London ist jetzt in! Angesagt, trendy, beliebt, interessant, zukünftig und weltbewegend! Denn DA werden sie glänzen, die blitzblank rasierten Schenkel, die eisernen Pos, die stählernen Schultern. Und all diese werden in ebenen dieser königlichen Stadt ihre Tränen vergiessen, durchnässt von Enthusiasmus oder eben auch von Trauer. London, du Held!
Buch Dir jetzt Dein Ticket, denn Du wirst dabei sein wollen. Das hättest Du natürlich auch in Paris sein wollen, nur wer will jetzt noch nach Paris...?
Ich empfehle Dir, ein Ticket bei einer Nichtvorhanden-Airline zu kaufen, denn vielleicht gibt es die heute bestehenden Fluggesellschaften im Jahr 2012 gar nicht mehr. Weil sie alle an der Immunkrankheit SWISS gestorben sind. Daher buchst Du vielleicht doch eher ein Schiff, das Dich durch den Ärmelkanal irgendwann auch zum Ort des Geschehens bringen wird: Zur Olympiade 2012 nämlich. Nach London. Das soeben gewählt wurde und den Favorit Paris ins Nichts gehauen hat.
Na das wird eine Freude sein für die königliche Hoheit… Und wenn Du da sein wirst im Jahr 2012, dann wirst Du Dich gemeinsam mit Camilla darüber freuen dürfen, dass sie sich jetzt auch offiziell freuen darf. Ich hoffe zumindest, dass die königliche Welt dann noch zulässt, dass sie sich freut!
Olympische Grüsse
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Mittwoch, 02.06. 2005 12:30
An: Sorpresa
Betreff: Schengen und Dublin oder nicht?
Liebe Sorpresa
Es ist immer wieder verführerisch, einen Mail-Betreff so zu schreiben, dass man ihn nur verkehrt interpretieren kann. Nein. Es geht heute nicht um Schengen. Und um Dublin auch nicht.
Denn ich habe mich dazu entschieden, meine politischen Äusserungen eine Auszeit lange in den Schatten von Palmen und sonstigen Naturschönheiten zu stellen. Und daher liebe Sorpresa muss ich Dich davon in Kenntnis setzten, dass ich meine mir zugeteilte Stimme zu Schengen und Dublin natürlich abgegeben habe und trotzdem keine Stellung dazu nehmen will. Denn die bösen Buben werden künftig auch so gefasst. Oder auch so nicht.
Wenden wir uns also wirklich wichtigen Dingen des Lebens zu: Die Auszeit – oder warum es jetzt einen Club der geschädigten Aladina-Freunde gibt.
Ich habe gekündigt. Und das ist bereits ein paar Wochen her. Nicht dass meine bisherige Firma so schlimm oder so langweilig gewesen wäre. Viel mehr, weil ich dort einfach nicht mehr sein wollte. Und weil ich irgendwann glaubte gefunden zu haben, was ich wirklich will. Das ist ja so ein Ding, gell. Das meint man hin und wieder im Leben. Und da braucht es gar nicht um eine Firma zu gehen. Es kann auch der/die LAP*, das Auto, das neue Hobby oder sonst was sein. Auf jeden Fall glaube ich immer noch, denn ich habe das Neue noch nicht gesichtet. Und hier beginnt nun die Geschichte der Auszeit. Denn ich befinde mich im Moment im Schwebezustand, quasi. In dem Moment, in dem man an einem Ort nicht mehr ist und am neuen Ort noch nicht angekommen ist.
Und weil das Schweben ganz fest gut ist für alle Organe und die Seele sowieso (… und natürlich auch für das Herz und die Leichtigkeit des Seins), ja eben darum zelebriere ich jetzt die Auszeit. Will heissen, dass mich demnächst kunterbunt geschickte Hände durchkneten werden, damit meine Maschine ebenfalls den Zustand der gewellnessten Schwebefähigkeit erreicht. Und danach werde ich mich mit einer an Land sauschweren Ausrüstung in den Ozean stürzen und das Nichtsgefühl in Hirn und Körper einsaugen, wenn ich einfach nur noch schwebe und mich von unzähligen Farben und Fischen umrahmen lasse. Und all dies dauert einen geschlagenen Monat.
Nein, Du brauchst mir jetzt nicht zu schreiben, dass Du mich im Moment nicht magst. Denn Du bist in guter Gesellschaft und kannst es Dir viel einfacher machen: Trete dem Club der geschädigten Aladina-Freunde bei (» aladina(at)auszeit.jubel) und heule Dich aus vollstem Herzen aus. Und seid Euch sicher: Irgendwann ab Juli werdet Ihr mich wieder bemitleiden. Weil ich dann so absorbiert sein werde von dem Neuen. Aber das dauert ja noch Wochen, Stunden, Sekunden – fast Jahre!
Schwebende Grüsse
Aladina im Wunderland
*LAP = LebensabschnittspartnerIn
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Mittwoch, 11. Mai 2005 16:46
An: Sorpresa
Betreff: Wonnemonat Mai
Liebe Sorpresa
Ich will ausnahmsweise einmal knapp sein: Es ist Mai und das ist der Wonnemonat und somit befindet sich die Schweiz im Wonnezustand – jawohl!
Weil (und hier habe ich für Dich nach guter, alter Bauernregel „alle guten Dinge sind drei“ aufgelistet:
1. Das Wetter ist bezaubernd
2. Die Schweizer sind so was von gescheit
3. Die Schweizer Politiker sind mit allen weisen Wassern gewaschen
Liebe Sorpresa, ich kenne Dich schon etwas länger und daher ist mir bewusst, dass Du meine intelligenten Aussagen nur dann akzeptieren kannst, wenn ich Dir auch die entsprechenden Begründungen liefere.
Also.
Zu 1. Das Wetter muss jetzt einfach zauberhaft sein, weil Mai ist. Und ich wünsche mir, dass Du nicht darüber nachdenkst, dass Du nach einem zauberhaft warmen, sonnigen Wochenende im April (!) weitere Gedanken an das Wetter verschwendest. Denn schliesslich und endlich sind die bösen Eisheiligen noch grad nicht vorbei, und wenn sie das demnächst sind, dann muss das Wetter einfach bezaubernd sein. Und wenn nicht, dann beschweren wir uns bei schweizwetter@himmel.com.
Zu 2. Naja, eigentlich sind wir schon gescheit in der Schweiz! Etwas ungemütlich scheint mir nur, dass in den vergangenen zwei Wochen sowohl jedes Saftblatt, als auch jede gescheite Tages-, Wochen- und Monatszeitung viel, sehr viel Platz dafür frei gemacht hat, um über die in der Pisa-Studie aufgedeckte Nicht-First-Classigkeit der Schweizer Schüler zu schreiben. Dazu darf ich doch sagen: Wir sind sowieso im Schoggi-Land. Und trotzdem gibt es den qualitativ besten Emmentaler erstaunlicherweise auch nicht in der Schweiz zu kaufen (der im Swiss-Shop in London soll besonders hochstehend sein). Also bitte, liebe SchweizerInnen, was wäre, wenn wir in allen Lebenslagen die Besten wären? Das würde doch die Nummer 3. dieser Mail noch zu mehr Effort anblochen.
Zu 3. Zumindest getauft sind sie alle, so viel ich weiss. Und das ist doch schon mal ein Wässerchen. Ansonsten darf ich davon ausgehen, dass sie durchaus durch tiefe Wasser geschwommen sind, denn sie (oder zumindest einige davon) können sich in heiklen Ansprachen stets sehr weise in dem Schwimmring ausruhen, der ihnen zulässt über nicht das Thema der Ansprache zu sprechen. Ok, das war jetzt etwas kompliziert. Gehen wir mal zurück zu Punkt zwei und somit dazu, dass die Schweizer einzigartig unschlagbar sind, denn dann können wir in einer Ansprache über sagen wir mal Rasensorten auch darüber sprechen, dass immer und ewig niemand besser sein wird – und vor allem sein darf ! – als die Schweizer. Also schlagt um Euch Ihr Schweizer, wenn jemand Euren Rasen betreten will. Und um ehrlich zu sein: Das gab schon zu meiner Schulzeit Strafpunkte, wenn man auf den Rasen getreten ist!
Maiwonnige Grüsse
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Donnerstag, 14. März 2005 09:33
An: Sorpresa
Betreff: Scherz oder Schmerz?
Liebe Sorpresa
April, April! Dies der erste aller Sprüche, der den aktuellen Monat begrüsst hat. Natürlich sind wir mittlerweile allen lustigen und unlustigen Scherzen des ersten Apriltages auf die Schliche gekommen.
Nur, weiter ging es mit viel, viel Ernst und Schmerz. Wo bleibt da der Scherz?
Keine paar Tage alt war der April, da wurde die gläubige, die begünstige sowie die fröhliche Menschheit mit heiklen Themen konfrontiert.
A) Der weltweit bedeutende Geistliche zieht sich ins Haus des Herrn zurück.
B) Der Patron des goldenen Yachtplatzes segnet das Zeitliche.
C) Der feuchtfröhliche Mediale zieht sich in die ewigen Jagdgründe zurück.
Schwierig, schwierig, dieses Thema, ich weiss! Auf jeden Fall wäre kein Anwalt der Frage gewachsen, was denn nun von mehr Bedeutung war! Etwas überscherzt scheint mir trotzdem, dass den drei Gladiatoren grundsätzlich mit Wonne viel Böses bescheinigt wurde. Wo die Welt doch so trauert. Warum zum Teufel (tschuldigung) lassen wir die Herren nicht einfach abdanken?
Da hätten wir A) den Geistlichen: Berufen und verehrt, und trotzdem verschrien für nicht mehr ganz zeitgemässe Einstellungen zu horizontalen Themen. Oder B) der Patron: Menschlich und glamourös und trotzdem des Kettenrauchens und der Geldwäscherei beschuldigt. Und dann noch C) der Mediale: Viel belacht und gern genossen und trotzdem durch die Affinität zur Promille verstossen.
Jaja, da stehen wir vor der Gretchenfrage, liebe Sorprese. Wieviel Gewicht hat ein Mensch? Ich meine natürlich nicht auf der Waage! Einfach so, finde ich. Warum hat mein Grosi ein anderes Gewicht, obwohl man ihr mit 90 Jahren kaum eines der obgenannten Laster vorwerfen kann? Und ich glaube bereits Deine Antwort zu kennen: Sie war nicht berühmt. Jawohl!
Und da bleibt für mich die Frage, was zählt denn nun? Gut, mein Lieblingskai würde jetzt antworten „Nur die Liebe zählt“. Aber den fragen wir ja nicht. Da schauen wir doch lieber auf die Alte Deutsche Welle. Und da singt das einst Stones-Zungen-beschmückte Frölein, (das jetzt eine Frau ist): „Liebe ist…“.
Und wenn Du jetzt gar nichts mehr verstehst, dann schau doch mal die superkitschige, moderne Seifenoper auf SAT1 namens „Verliebt in Berlin“. Denn wenn wir „Sex and the City“ überlebt haben, dann werden wir auch diese Soap überstehen.
Und es bleibt die Frage: Warum zählt denn nicht nur die Liebe?
Scherzschmerzverzerrte Grüsse
Aladina im Wunderland
PS: Falls Du unbedingt eine Antwort haben willst: Es gibt da einen Prinzen, nicht mehr ganz jung, frisch verheiratet, und vielleicht endlich glücklich, der Dir diese Frage beantworten kann. Schau einfach im Prinzentelefonbuch nach!
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Dienstag, 08. März 2005 14:08
An: Sorpresa
Betreff: Heisse Kurven und kalte Finger
Liebe Sorpresa
Gleissendes Sonnenlicht strahlte über tief verschneiten Pisten. Der Himmel war traumhaft blau, die Luft klar und mein Herz klopfte wie wild vor lauter Vorfreude, mit meinem Snowboard durch das edle Weiss zu gleiten.
So begann mein Urlaub im Schnee.
Nach zehn Minuten war ich bereits nicht mehr sicher, ob meine Füsse noch in Zehen endeten oder eben diese bereits wie abgebrochene Eiszapfen vorne in meinen Snowboard-Schuhen rumpurzelten. Die angefrorenen Fingerkuppen musste ich viertelstündlich mit Mund zu Finger Beatmung wiederbeleben. Kurz und gut: Es war saukalt! Minus zwanzig Grad, mindestens.
Nun gut. Ich war im Schnee, um als Snowboarderin heisse Kurven zu meistern. Und bekanntlich bringt einem diese coole Wintersportart auch ins Schwitzen. Nicht so wie das Ski-Zeugs. Ausserdem ist man dermassen trendy-warm gekleidet, dass zumindest der Rest des Körpers nicht sofort einfrieren kann. Und weiter muss man sich ausschliesslich um ein einziges Sportgerät kümmern. Also kein Skistockkrieg und auch sonst viel, viel weniger Umstände. Aus diesen drei guten, innovativen und nachvollziehbaren Gründen bezeichne ich mich seit sechs Jahren liebend gerne als Snowboarderin. Und natürlich auch, weil Snowboarder einfach cooler sind!
Auf jeden Fall hatte ich einen prächtigen ersten Tag auf der Piste. Überraschenderweise kriegte ich die Kurven ganz rasch und freute mich der Freiheit auf dem einen Brett und auch darüber, dass ich meine Finger stets erfolgreich wiederbelebt hatte.
Wenn da nicht die heisse Kurve gewesen wäre! Wie das so ist mit heissen Kurven, zeigte sie sich mir unverhofft und am Ende meiner letzten Talabfahrt. Und natürlich war ich vorerst einmal sprachlos. Und dann krachte es auch schon heftig. Meine ach so zierliche linke Kniescheibe bohrte sich mit tausend Stundenkilometer in das edle Weiss.
Nein, ich habe keine Ahnung, wie dieses Missgeschick zustande kam. Ich weiss, dass ich selbst ins Tal gleitete (oder rumpelte?), wie die Arztpraxis von innen aussah, dass die Kniescheibe noch dran ist und dass jetzt drum herum ein sehr uncooles Schienending hängt. Und dass eben dieses mein Knie zur Ruhe zwingt und mich selbst daran hindert, mehr als fünf Hinkeschrittchen am Stück zu tun.
So endete mein Urlaub im Schnee.
Liebe Sorpresa, ich bedarf keiner Belehrung darüber, dass ich die heisse Kurve trotz kalter Finger hätte ahnen müssen. Denn ich verweise auf meine supercoole Snowboard-Mütze und da steht drauf: NASTY [unflätig].
Kniegebeutelte Grüsse
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Freitag, 11. Februar 2005 16:47
An: Sorpresa
Betreff: Vom Gold-Vreni
Liebe Sorpresa
Früher hatten wir die Berge verdient! Als Gold-Vreni nämlich noch grundsätzlich und überhaupt auf dem Podest stand. Oder noch etwas früher, als Super-Bernhard der Herrscher unserer winterlichen Nation war. Und natürlich auch danach noch eine Weile, als „wir“ immer noch etwas von diesem glitzernden Metall nach Hause nehmen durften.
Ja, und ganz wichtig: Damals waren wir „wir“. Heute sind wir „sie“. Denn kein guter Schweizer und keine gute Schweizerin würde „sie“ als „wir“ bezeichnen, wenn sie denn nicht hochfahren auf eben dieses Podest.
Und darum leiden wir jetzt auch ganz still vor uns hin. Während eben dieser Weltmeisterschaft in Bormio. Wobei man auch sagen darf, dass die mittlerweile begrenzte Begeisterung für die ehemals die Schweiz so schmeichelnde Sportart dazu geführt hat, dass gewisse Menschen nicht wissen, dass Bormio nicht in Asien liegt. Gut, es klingt ähnlich, wie etwas im asiatischen Hinterland. Nur leider hätte es dort keinen Schnee gehabt. Also sind „sie“ doch nicht in Asien.
Auf jeden Fall tun wir heutzutage heimlich die WM-Bilder anschauen. Und uns dann selbst einreden, dass ja nun wirklich niemand aufs Podest fahren muss, nur weil in dessen Heimatland grosse Berge stehen. Oder dass der Trainer der Schweizer einfach unfähig ist. Und der Verband natürlich auch.
Das ging bisweilen ganz in Ordnung. Nun müssen wir uns aber dem Problem stellen, dass nicht nur die deutschsprachigen Nachbarn (und hier sei Österreich eingeschlossen) uns die längst verfallene Show klauen. Denn diese hatten wir in den vergangenen Jahren schon so was wie akzeptiert. Sind ja auch nahe Nachbarn von uns. Nein, neuerdings sind es diese bösen Buben von der grössten Weltmacht der Welt. Und wie bitte soll das Unsereins verkraften? Insbesondere, wenn deren feucht-fröhlichen Siegesfeste auch noch unsere halbe Tagesschau füllen. Und wenn unsere eigene Sonntagspresse diese auch noch als „Kumpels“ bezeichnet. Hä?
Sei Dir sicher, auch ich habe keine Lösung zu diesem verletzenden Problem! Es macht sich jedoch der Gedanke in meinem Kopf breit, dass wir uns auf unsere wahren Wurzeln konzentrieren sollten. Will heissen, wir beherbergen in unseren wunderbaren Bergen böse Buben, wir konzentrieren uns auf die Sportart Hornussen und wir hören sofort damit auf, „sie“ nur „uns“ zu nennen, wenn sie es denn auch auf das Podest schaffen. Denn in Wirklichkeit sind „sie“ sowieso „uns“.
Liebste Sorpres, und genau darum werde ich nächste Woche über schneeweisse Pisten flitzen und mich keinen Deut darum scheren, wer mich dabei alles überholt.
Schneesichere Grüsse
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Mittwoch, 5. Januar 2005 16:47
An: Sorpresa
Betreff: Was wäre wenn...
Liebe Sorpresa
Ein bezauberndes 2005 wünsch ich Dir! Dennoch frage ich Dich, was wäre wenn…
… wenn unsere Karre nicht anspringt an einem ersten grauen Montagmorgen im Januar? Weil es saukalt ist und weil die Karre grad ein paar Tage frei hatte während wir uns genüsslich durch die Weihnachts- und Neujahrstage geschlemmt haben. Und weil die Karre es nicht mehr gewohnt ist, warm zu werden und uns von zu Hause durch die grosse, weite Welt zu chauffieren.
… wenn unser Konto bereits Anfang Januar mit grosser Deutlichkeit eine Diätphase anzeigt? Weil wir das Januargehalt bereits im Dezember verbraten haben. Weil wir unseren Lieben so viele schöne, bunte Geschenke gekauft haben. Und weil wir uns selbst in diesen Tagen noch viel mehr wunderschöne Geschenke und Erlebnisse gegönnt haben.
… wenn wir bei der Arbeit von grollenden Rollmöpsen umgeben wären? Weil ein jeder sich in den Feiertagen ein sattes Pölsterchen zugelegt hat, das ihn nervt. Und weil ein jeder andere (oder der Gleiche?) nun einfach gar nichts Lustiges daran finden kann, dass er sich im Alltag wieder findet.
… wenn unser Nachbar immer noch nervt? Weil er auch im neuen Jahr mit Hingabe seinen Hund um die Wette bellen lässt. Weil er die gemeinsame Waschküche immer noch mit Kontrollgängen verseucht. Und weil er immer noch den Anschein macht, ein staatlich ausgebildeter Hobby-Polizist zu sein.
… wenn uns das Steueramt auch im neuen Jahr die Ferienvorfreude versaut? Weil wir bereits einen nächsten Brief mit einem dieser dämlichen Einzahlungsschein erhalten haben. Und weil der Betrag darauf wie gewohnt unerlaubt frech hoch und nicht nachvollziehbar ist.
Ja, was wäre dann? Nichts!
Wir wären immer noch am Leben und hätten immer noch ein Dach über dem Kopf. Denn ein überaus gewaltiges, unvorstellbares Geschehen hat uns allen hoffentlich gerade gezeigt, dass ungefähr alle Probleme, die wir zu welchen machen, keine sind.
Was wäre nur, wenn wir nicht mehr hätten, was wir besassen. Wenn wir nicht mehr umarmen könnten, wen wir liebten. Wenn wir nicht mehr sein könnten, wer wir waren?
Keine Sorge, ich bin noch normal im Kopf. Die Geschehnisse der letzten Tage zeigen mir einfach, wie ultraklein wir doch alle sind. Und wie überaus glücklich wir sein müssen, wenn wir noch haben, was wir hatten, wenn wir noch sind, wer wir waren!
Bewegte Grüsse
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Donnerstag, 9. Dezember 2004 17:18
An: Sorpresa
Betreff: Oh Du Fröhliche...
Liebe Sorpresa
Ohhh Du fröhliche Weihnachtszeit… wie schön ist es doch, dass es endlich wieder funkelt, strahlt, leuchtet und glänzt!
Besinnlich wie verrückt, könnte man meinen. Ein klitzekleines Problem haben wir jedoch. Denn es schneit nicht. Und wenn kein Schnee liegt während diesem ach so funkelnden Ausnahmezustand, dann sind alle Menschen ganz fest verwirrt. Weil ihnen bereits in der Kindheit so viele schöne Bilder und Märchenbücher zu Gemüte geführt wurden, in denen es funkelte und strahlte und leuchtete und glänzte und schneite!
Das ist verständlich, oder? Genau. Und darum funkeln sich die Menschen im Moment mit grossem Engagement gegenseitig an. Weil die Eltern, die Schwiegereltern, die Tanten und Onkel, die Geschwister, die Freunde, die Arbeitskollegen, die Nachbarn oder vielleicht einfach alle gerade ein klein wenig falsch gewickelt sind. Weil niemand versteht, dass ein jeder Einzelne gerade in grossen Schwierigkeiten steckt. Weil Sie/Er…:
a) …wieder keine Ahnung hat, was sie/er seinen Liebsten schenken soll(muss?).
b) …wieder zu wissen glaubt, dass sie/er sowieso das falsche Geschenk bekommen wird.
c) …wieder damit konfrontiert ist, dass vielleicht niemand ein Geschenk bringen wird.
d) …wieder verärgert darüber ist, dass die letzte Weihnachtsfeier so unerträglich war.
e) …wieder traurig darüber ist, dass Weihnachten nie mehr sein kann, wie sie mal war.
f) …wieder eine Panikattacke haben wird, weil sie/er den Festschmaus versauen wird.
g) …wieder ein Jahr vorbei ging, ohne dass der Samichlaus vorbei kam.
h) …wieder eine Weihnachten vor der Tür steht und kein Schnee in Sicht ist.
Übrigens, h) ist ein wahres Probleme im Leben. Denn aus meiner Sicht ist es durchaus unverständlich für normal intelligente Menschen, dass der Schnee zwar vor das Bundeshaus gekarrt wird, jedoch nicht vom Himmel fällt. Die müssten doch ein Budget haben, das es erlaubt, den Schnee auch vom Himmel zu werfen, oder?
Denn am Ende des Tages geht es doch darum: Ist die Weihnacht jungfräulich, romantisch, betörend und somit authentisch weiss oder ist sie wieder so eine farblose, graue, böse Hexe?
Und, liebste Sorpresa, solltest Du Dich in einem der obgenannten Punkte wieder finden, wenn auch nur ein klein wenig, dann bist Du anfällig.
Weihnachts-anfällig, sozusagen!
Funkelnde Grüsse
Aladina
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Freitag, 12. November 2004 08:33
An: Sorpresa
Betreff: Eiszeit
Liebe Sorpresa
Meine letzte Mail ist ein Jammer, denn meine Windsandbefragung auf den Malediven ist gescheitert! Das kleine, bellende Plastikmännchen in dunklem Anzug mit dunkelgrauweissgesprenkeltem Haar [Bush] und das kleine, bellende Plastikmännchen in dunklem Anzug mit dunkelgrauweissgesprenkeltem Haar [Kerry] sind abgesoffen, sozusagen.
Meine Sandburgen sind zusammen gebrochen. Alle beide. Und das bushige und das kerrysche Plästikmannchen sind kommentarlos im Ozean verschwunden. Das wiederum gab mir die Hoffnung, dass nun eine brave Figur die Führung dieser Weltmacht übernehmen würde. Goofy, vielleicht. Oder Donald Duck.
Also kein Wunder dass Eiszeit herrscht und wir uns nun wirklich wichtigen Dingen zuwenden: Ich musste heute Morgen zum ersten Mal in diesem Winter Eis von den Scheiben meines Wagens kratzen. Kannst Du Dir vorstellen, dass das besonders übel und ärgerlich ist, wo ich vor genau einer Woche meine leicht gebräunten Fingerchen noch durch schneeweissen Sand geschwungen habe, um bestechend schöne Sandmalereien anzufertigen?
Und dann bin ich hier – mit der schweren Last des Wissens um meine gescheiterte Windsandbefragung – und stelle fest, dass unser Staatsoberhaupt an eben diesem schweren Morgen nicht mit dem Föhn meine Autoscheiben vom Eis befreit hat. Was reden die Häuptlinge denn immer davon, dass sie für das Wohl des Volks arbeiten und nur das Beste für das Land wollen? Da muss doch ein bisschen Scheiben föhnen drin liegen, oder? Ich habe mir nämlich fast mein Allerwertestes abgefroren.
Da fröne ich doch der Beschäftigung der gelangweilten Schweizerinnen und Schweizer und beschäftige mich inständig mit der bevorstehenden Weihnachtsdekoration. In diesem Jahr setzte ich dabei auf Sand, Ventilator und Zierbrunnen, denn ich kann immer noch meine Windsandbefragung beweisen, wenn meine Sandburg die Weltgeschichte wissen lässt, welcher grosse Häuptling dieser Welt sich als nächstes die Fingerchen verbrennt, obwohl Eiszeit herrscht.
Nun ja, vielleicht erleben wir das blaue Wunder und es verbrennt sich keiner die Finger. Denn sie frieren ihm einfach ab.
Eiszeitliche Grüsse
Aladina
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Montag, 18. Oktober 2004 16:45
An: Sorpresa
Betreff: Politisch unkorrekt
Liebe Sorpresa
Dieser Oktober ist aus drei Gründen überaus wichtig und politisch unkorrekt:
Erstens: Wer ist Bush? Zweitens: Wer ist Kerry? Drittens: Aladina geht in die Weltgeschichte ein.
Erstens und zweitens: Will überhaupt noch jemand hören, sehen und lesen, wie sich zwei sehr erwachsene Kindsköpfe einer Weltmacht gegenseitig an die Gurgel springen, um gewählt zu werden?
Zweitens: Aladina fliegt auf die Malediven zur vorzeitigen Wahlentscheidung durch ausgeklügelte Windsandbefragung.
Nein, Du musst Dir jetzt keinen externen Verständnisberater suchen, damit Du den Zusammenhang erkennst. Ich erkläre Dir die im Moment wichtigsten Dinge auf dieser Welt.
Nicht dass ich extra geplant hatte, mich in dieser weltpolitisch so begnadet wichtigen Zeit ins Aus zu setzen. Aber das ist nun einmal so. Und irgendwie habe ich von den Gurgelspringern sowieso genug. Denn zum Frisör sollten ja beide. Nur haben die offensichtlich den Gleichen. Sie tragen beide das Haar in dunkelgrauweissgesprenkelter Farbe, was Seniorität ausstrahlt. Und den Haarscheitel links, was durch die rechtsobenorientierte Haarkurve Aufschwung suggeriert.
Und ich fliege auf die Malediven, um das Bush-Kerry-Getrommel zu beschleunigen. (Anm. d. Red.: Die Anordnung der Namen entspricht in keiner Weise einer Wahlempfehlung. Sie ist alphabethisch.). Nennen wir die Gurgelspringer ab jetzt B&K.
Um das B&K-Getrommel in die Gänge zu bringen, habe ich mir ein B&K-Spielset gekauft. Kleines, bellendes Plastikmännchen in dunklem Anzug mit dunkelgrauweissgesprenkeltem Haar plus kleines, bellendes Plastikmännchen in dunklem Anzug mit dunkelgrauweissgesprenkeltem Haar. Sobald ich auf den Malediven ankomme, baue ich zwei Sandburgen und setze je ein Männchen darauf. Jeden Tag werde ich mit Adleraugen prüfen, aus welcher Richtung Wind und Sand die Männchen in Schieflage pustet. Wer nach meinem Urlaub noch steht, wird gewählt. Und da ich bereits am 1. November wieder aus dem Urlaub zurückkomme, werde ich als Hellseherin in die Weltgeschichte eingehen.
Und in der Zwischenzeit: Schalt den Fernseher ab. Verschenke Deine Zeitungen. Denn Du kriegst sowieso als Erste eine SMS mit dem Ergebnis. Und danach wird man sich nur noch fragen: Wer zur Hölle sind B&K.
Tiefblaue Meeresgrüsse
Aladina im Wunderlan
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Montag, 20. September 2004 08:42
An: Sorpresa
Betreff: Schnuddermeitschi
Liebe Sorpresa
Es ist unverzeihlich, ich weiss. Und es tut mir ja auch ganz fest leid, dass ich mich mit Verspätung bei Dir melde!
Dafür gibt es natürlich einen triftigen Grund. Ich bin nämlich befallen von Altweibersommerbazillen. Und ich sage Dir, es ist schrecklich! Da sass ich noch vor ein paar Tagen ganz unwissend, wohlig und bestens gestimmt auf der Terrasse gegenüber des Rheinfalls. Der Rheinfall ist übrigens in Schaffhausen. Genau da, wo die Schweiz zu Ende ist. Und eben dieses Ende wird mit einem lautstarken, tosenden Wassersturzirgendwas untermauert. Das Ende der Schweiz eben. Das ist unumsehlich.
Ich sass also bestens gestimmt an eben diesem Rheinfall und freute mich der kraftvollen Natur, die dort über den Fels tobt. Die Sonne lachte in mein Gesicht und ich genoss die nette Gesellschaft, die köstlichen Speisen und den edlen Tropfen, den wir kredenzten. Und dann: Puff!
Ganz plötzlich, ohne Vorwarnung und ohne Grund lag ich darnieder. Quasi. Auf jeden Fall hatte eines dieser alten Weiber des Altweibersommers ihre Bazillen direkt in meinen Kopf geschossen. Mein Hals drohte zu explodieren, die Nase lief ununterbrochen und ich fand mich wieder in dem elenden Zustand der Leidenden. Jaja, etwas theatralisch vielleicht. Aber es war ganz, ganz schlimm, im Fall!
Die Altweibersommerbazille machte sich breit! Als ich zu Hause in meine Federn sinken konnte und somit auch ausreichend Zeit fand, mich selbst zu bemitleiden, stellt ich fest, dass ich sehr, sehr krank war.
Und dann ging ich zum Arzt. Er sagte, dass ich eine schwere Angina habe. Wie gewöhnlich! Wo wir doch soviel Arztgebühren bezahlen. Kann denn da ein Arzt nicht irgendetwas Nettes sagen, wie zum Beispiel: Liebe Frau Aladina, Sie hatten wahrlich viel Glück, denn Sie sind knapp mit Hals und Nase davon gekommen, denn diese waren übel infiziert und teuflisch angegriffen von der Altweibersommerbazillenarmee? Und wir schätzen uns glücklich, dass Ihr Hals und Ihre Nase eben diesen schweren Angriff knapp überstanden haben. Sowas hätte ich gerne gehört. Dann hätte ich vielleicht auch gerne gelitten.
Naja. Die Ärzte sind eben auch nicht mehr, was sie nie waren. Und ich verhelfe im Moment der Pharmaindustrie zum Abbau von Penicilin und meinem Hals und meiner Nase zur Rückfindung in ein normales Leben.
Schnudderige Grüsse
Aladina im Wunderlan
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Mittwoch, 11. August 2004 07:54
An: Sorpresa
Betreff: Durchgeknallt!
Liebe Sorpresa
Es war ein wunderschöner Sommertag. Geniessen – Plaudern – Sein. Dachten wir alle!
Wir sassen in diesem wunderschönen Garten, freuten uns der netten Gesellschaft, kredenzten ein liebliches Tröpfchen und genossen feinste Häppchen. Das war der Apéro. Und das war zugleich das Ende, sozusagen.
Kurz nachdem wir uns im satten Grün nieder gelassen hatten, eröffnete dieser geschichtsträchtige Feiern hassende Nachbar das Feuer. Nein, es waren nicht hübsche Feuerwerksstaunelemente im Himmel. Die hätte um sieben Uhr abends ja auch keiner gesehen. Es waren diese Grenzerfahrungen, die durch die Luft heulen und jede gehörlose Ameise zur Strecke bringen. Und davon hatte der Herr Nachbar auch gleich ein Multipack zur Hand. Mit maximaler Lärmgarantie, offensichtlich.
Hoch erhobenen Hauptes liessen wir uns nichts anmerken und genossen weiterhin, was wir genossen hätten, wenn der Herr Nachbar nicht im Akkord seine Heulerdinger in den Himmel gejagt hätte.
Kurz nach neun durften wir das Finale aus der ersten Reihe erleben! Der Herr Nachbar war zur Überzeugung gekommen, dass das Universum bereit war für eben diese hübschen Feuerwerksstaunelemente. Dummerweise war er sicher, dass eben diese Superraketen nur dann enorm gehaltvoll wirken konnten, wenn sie in unsere Richtung flogen. Generalstabsmässig zündete er einen Nachbarsschreck nach dem anderen. Wir freuten uns mässig der vom Himmel fallenden Überbleibsel, die unsere Gläser, Häupter und Teller verzierten.
Und wir schworen dem durchgeknallten Herrn Rache: Der Gartenschlauch war die gefährlichste Abhilfe, die wir bieten konnten. Liebe Sorpresa, Du weisst gar nicht, wie hübsch ein Feuer Funken sprüht, wenn die Glut gerade reif ist, damit das Fleisch auf den Grill gelegt werden kann und es dann überraschenderweise mit dem Wasser eines Gartenschlauches beglückt wird! Königlich! Und auch so ruhig…
Gelobtes Vaterland Schweiz, ich liebe den 1. August! Insbesondere wenn er vorüber ist.
Durchgeknallte Grüsse
Aladina im Wunderland
PS: Oder muss ich jetzt Mutterland Schweiz sagen, wegen der Emanzipierung?
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Donnerstag, 15. Juli 2004 12:49
An: Sorpresa
Betreff: Sommerjammern – oder, Roger wird’s schon richten!
Liebe Sorpresa
Ja, es stimmt: Bei der Fussball-EM haben die Schweizer Jungs nicht so toll abgeschnitten. Sie haben verloren. Und wir hätten doch so gerne gewonnen!
Nur: verfällt die Schweizer Bevölkerung wirklich deswegen ins eidgenössische Sommejammern? Glaub ich nicht!
Könnte der Unmut sich im Land breit machen wegen dem nicht gar so zuckersüss anmutenden Hochsommerwetter? Dazu muss ich mich jetzt mal auslassen!
Stellen wir uns vor, dass wir gerade einen extrem warmen und schönen Sommer erleben. [Für die Jammertanten: Den hatten wir übrigens im letzten Jahr!] Dann klönen wir um die Wette, weil das frische Hemdchen oder Blüschen in dem Augenblick mit Körperflüssigkeit getauft wird, in dem wir aus dem Haus treten. Denn dann ist es zu heiss. Fest zu heiss fürs Sein, fürs Arbeiten und fürs Überhaupt! Sollten wir zufälligerweise ein abendliches Grillfest organisiert haben und genau dann kommt der Regen, den wir so sehr herbei gesehnt haben, dann ist es natürlich sehr schlecht. Ist ja selbstverständlich.
Stellen wir uns nun vor, dass wir gerade einen nassen, launischen Sommer erleben. [Für die Jammertanten: Den haben wir gerade.] Was fühlen wir uns schlecht! Denn es ist kalt. Und nass. Und jeder wichtige Anlass fällt ins Wasser: Unser Grillfest, das Open-Air-Kino, das Konzert im Park, der Besuch der Badi und überhaupt alles, natürlich! Sollte die warme Sommersonne zufälligerweise an dem Tag nachmittags auftauchen, an dem wir am Morgen die warme Jacke angezogen haben, dann ist es natürlich sehr schlecht. Ist ja selbstverständlich.
Jawohl, so ist das mit den Eidgenossen. Und darum, liebe Sorpresa, lese sorgsam die folgenden Zeilen:
Roger wird’s schon richten: Will heissen, dass die lieben Eidgenossen jetzt sofort bemerken sollen/dürfen/müssen, dass wir über einen eidgenössischen Kleinballmeister verfügen, der die Bälle eben dorthin tut, wo sie hin gehören.
Grün beruhigt: Will heissen, dass die lieben Eidgenossen jetzt sofort die Natur in ihre Augen und Seele lassen sollen/dürfen/müssen. Denn diese hat in diesem Sommer eine Vegetation hervorgezaubert, die so üppig ist, wie wir sie schon lange nicht mehr gesehen haben. Und das Üppige mögen wir ja doch, irgendwie.
Das war’s. Mehr gibt’s ja auch nicht zu sagen, Ihr Eidgenossen!
Sonnengrüne Grüsse
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Samstag, 12. Juni 2004 17:52
An: Sorpresa
Betreff: Der rollende Wahnsinn!
Liebe Sorpresa
Der Ball rollt an! Die monatelange Anspannung der Vorfreude löst sich endlich auf. Das Leben der Europäischen Bevölkerung hat haargenau drei Wochen und einen Tag einen wahren Sinn: Fussball.
Das macht sich übrigens auch grad in meinem Wohnzimmer bemerkbar. Es ist Samstag, 12. Juni 2004, 17:52 Uhr und ich habe Gäste. Diese sitzen vor meinem Fernseher und warten mit glänzenden Augen auf den ersten EM-Kick.
Und ich bin eine schlechte Europäerin, glaub ich. Weil ich den Match nicht sehen will. Weil ich bis heute nicht verstehe, wieso zehn Männer nur einem Ball nachlaufen und ein Mann sich freiwillig damit abschiessen lässt.
Aber ich habe am EM-Bingo in der Firma teilgenommen! Weil ich musste. Und dann stand ich vor der schwierigen Aufgabe, nicht allzu peinliche Tipps abzugeben. Ich habs geschafft! Weil ich beschlossen habe, dass immer diejenige Mannschaft gewinnt, welche über mehr schöne Spieler verfügt. Meine Werte waren nahe bei denjenigen unserer Fussball-Insider! Und falls Du es bereits jetzt wissen willst: Italien wird Europameister, im Fall.
Was mir jedoch nicht wirklich einleuchtet sind die vier Gruppen. Da muss sich jemand wirklich nichts überlegt haben! Portugal, Griechenland, Spanien und Russland zum Beispiel? Die ersten drei sind hitzebeständig und der Vierte friert normalerweise ans Hinterteil. Einen Hitzschlag werden die bekommen in Portugal!
Oder Deutschland, Niederlande, Tschechische Republik und Lettland. Zwei antiquierte Weltkriegsgegner und das Hinterland, sozusagen. Kann ja nur fest Ärger geben!
Aber was mir wirklich Sorgen macht, ist die Beeinträchtigung der Europäischen Geburtenraten. Würde man in neun bis zehn Monaten eine repräsentative Studie über deren Verlauf durchführen, könnte man feststellen, dass in allen Europäischen Ländern die Geburtenrate einen Monat lang gesunken ist. Das ist einschneidend für die Produktion von Fussball-Nachwuchstalenten!
Das mit der schlechten Europäerin und meinem Wohnzimmer habe ich übrigens geregelt: Ich bringe regelmässig viel, viel Bier und viele verschiedene, handliche Dickmacher rüber. Und das macht mich doch zu einer guten Europäerin, oder?
Sportliche Grüsse
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Dienstag, 11. Mai 2004 08:39
An: Sorpresa
Betreff: Frisch geplüscht!
Liebe Sorpresa
Ich bin frisch geplüscht! Nachdem meine bereits stark ausgeprägten Frühlingssensoren von kalten Temperaturen und fiesem Regen frontal zu Boden gemäht wurden und nachdem ich mir darüber bewusst wurde, dass der April auch in diesem Jahr schlicht böse ist, ja danach musste ich sehr plötzlich überlebenswichtige Massnahmen einleiten. Ich meine, es ist doch elementar, dass man sich auch im April fühlt, wie auf Dornröschens Kissen gebetet!
Gut. Ich habe mich also in die grosse, weite Welt gestürzt und nach Heimeligem gesucht. Ja, ich war vorwiegend in der Pressscheibenverkaufsfabrik namens City Disc. Aber wir wollen ja hier keine Werbung machen.
Und dann ist mir dieses Dingsda vors Auge gekommen. Es zeigt einen haarigen Hund (ich mag keine Hunde, übrigens. Die sehen in mir stets eine Kletterwand mit der dicken Aufschrift „steig hoch“). Und wenn man das Dingsda aufmacht, dann grinst einem eine ach so heimelige und plüschige Gruppe blutjunger, herziger Traumschwiegersöhne auf dem Sofa an.
Gut. Habe ich gedacht. Und natürlich habe ich die Pressscheibe probegehört. Und das war so, als wäre der April entschwunden. Denn die plüschigen Herren tun so, als gäbe es diesen nicht.
Ich habe die Pressscheibe gekauft. Ich habe eine Konzertkarte gekauft, um die Pressscheibenmusik original zu hören. Und ich sage es höchst ungern, aber die Plüschtiere haben meine Aprilmisere vertrieben. Denn sie raten mit einem höchst ausgeprägten Lächeln dazu, zu bleiben wie man ist. Und sie empfehlen alles zu setzen. Und sie wissen, dass alle mal Schwein haben. Und dann ins Schlaraffenland kommen. Und das wird für immer sein. Denn wir haben ja Schutzengel. Und alles was danach kommt, ist etwas frech. Aber schlussendlich werden wir sowieso schöne Momente haben, meinen die Plüschis.
Nein. Ich habe keine Plüsch-Aktien und ich habe keine Ahnung, wer Plüsch ist. Und ich bin auch nicht verliebt in Plüsch. Und auch nicht verliebt in einen einzelnen Plüschianer.
Und trotzdem: Sie haben mich verplüscht. Denn dieses samtene Polster hat die kalten Temperaturen von der Temperaturanzeige meines Wagens gewischt. Und dieses weiche, harte Gesinge hat meinen Aprilfrust beseitigt. Weil alles so schön heimelig ist. Und weil ich mir ja so gerne, plüschige Zukunftstraumschwiegersöhne für was auch immer für Schwiegermütter vorstelle.
Und so frage ich Dich: Heute schon geplüscht?
Plüschige Grüsse
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Freitag, 16. April 2004 16:10
An: Sorpresa
Betreff: Das grosse Fressen
Allerliebste Sorpresa
Ach wie lieblich ist das Leben! Das erste Quartal des Jahres ist endlich überstanden. Nun tue doch nicht so! Natürlich gehörst Du auch zu der Hälfte der Menschheit, die Ende März mit grosser Wonne die am Silvester gefassten Vorsätze zu Grabe trägt. Und übrigens gehörst Du auch zur anderen Hälfte der Menschheit. Denn die tun das auch. Und das ist doch elementar beruhigend.
Ich meine, wir würden ja gerne weiterhin (und immer noch nicht) weniger essen, nicht rauchen und kaum trinken. Nur leider hat uns das grosse Fressen eingeholt! Vorbei ist der Zauber aller guten Vorsätze. Und da nun die Osterfeierlichkeiten das zweite Quartal des Jahres höchst würdig eingeläutet haben, können wir uns wollig zurück lehnen und geniessen.
Wir habens genossen, in die zuckersüssen, lieblichen Schokoladehasenaugen zu staunen und diese – vor dem Verspeisen – mit einem ihnen würdigen Osterfest und den dazu gehörenden Familienfeierlichkeiten mit viel gutem Essen und Trinken und Geniessen zu würdigen.
...Und was sind wir froh, dass auf Ostern ein langes Auffahrtswochenende folgt. Denn dann können wir diese Passion mit Freuden wiederholen.
... Und was sind wir froh, dass wir dann noch nicht ganz genug haben und uns voller Elan auf des unlängst bevorstehende, lange Pfingstwochenende freuen können.
Aber: Wir tun Gutes dabei! Das Grosi war schon lange nicht mehr bei uns und Tante Ludevica auch nicht. Was für wundervolle Geschöpfe sind wir doch, wenn wir diese höflichst einladen, königlich bewirten und uns gemeinsam in die so sehr erstrebenswerte Lage des ausschliesslichens Geniessens und Seins befördern? Eben. Gutes tun wir!
Jaja. Da bleibt nur noch der Kampf um die Beschaffung des grossen Fressens. Nun liebste Sorpresa, geniess das Gefühl, dass Du vor all diesen langen Wochenenden im Supermarkt die einmalige Situation des bedrohten Aussterbens von Lebensmitteln antriffst. Erfasse das Gefühl des in die Fersen des Nächsten fahrens mit Freude und ergötze Dich an den nicht kleinlichen Mengen von Irgendwas, das Deine Supermarktrivalen in ihre Wägelchen laden. Denn Du weisst nie, ob dies Dein letzter Exzess im Supermarkt ist. Denn er könnte ja morgen abbrennen!
Nur etwas hab ich noch nicht verstanden: Wie zum Teufel überleben wir die Zeit nach dem Nationalfeiertag bis zur Weihnacht???
Genüssliche Grüsse
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Dienstag, 16. März 2004 18:45
An: Sorpresa
Betreff: Holteripolteri-Stillstand
Liebe Sorpresa
Es ist vorbei! Wir dürfen wieder normal sein. Zumindest so normal, wie wir es sonst auch immer sind. Sorpresa, was bin ich froh darum!
Wir können wieder in die Stadt gehen, uns entspannt durch die Gassen treiben lassen und nach Lust und Laune Kaffee trinken. Ohne dabei die Gefahr zu laufen, plötzlich unter Einwirkung höchst unnormaler Umstände unter den Gehörlosen zu landen. Weil ein überaus gruusiges Lärm-Gebrätsch sich in unsere Hörmuschel frisst.
Unterhalten können wir uns auch wieder in der Öffentlichkeit, sei es in der Bar oder sogar beim Flanieren. Denn unser Speichel wird sich nicht urplötzlich mit einer Hand voll Konfetti vermischen. Wir werden nicht ungefragt Papier essen müssen und grösste Momente des Schreckens durchleben. Weil wir partout niemals an aufgeweichtem Papier ersticken wollten.
Und ganz fest lustig sein, das müssen wir auch nicht mehr auf Knopfdruck. Nein, wir dürfen uns wieder aussuchen, wann und mit wem wir über was lachen. Wann wir in die Hände klatschen vor lauter Freude und wann wir finden, dass die Welt so rosarot ist, dass wir uns die Nacht um die Ohren schlagen und das Glas zu oft heben.
Wir sind auch nicht mehr auf der Flucht! Denn all die Jäger, Zwerge, Draculas und Schweinchen sind verschwunden. Sei es auf einem Estrich oder zurück im Regal dieser komischen Verkaufsanstalten, welche solche Kreaturen vorübergehend unter das Volk zu mischen wissen. Somit werden wir nicht mehr von gefährlich schwankenden Draculas mit Bier überschüttet. Und nicht von grölenden Wildschweingruppen-Gruppen eingekreist.
Und das Beste ist: Wir müssen uns nicht mehr rechtfertigen vor den Anhängerinnen und Anhängern dieses Irrsinns. Weil wir a) diese so was von behämmerte Zeit ignorieren und uns verstecken. Weil wir b) die Lustigseinparties dieser Zeit meiden. Und weil wir c) uns nie, aber auch wirklich gar, gar nie in ein überaus dämliches Rüblikostüm mit Schnittlauch auf dem Kopf werfen würden.
Sie ist vorbei, die Fasnacht! Fasnachtsherrscher sei Dank, dass Du offensichtlich ein altes, krankes Wesen bist. Denn sonst würdest Du es mehrmals im Jahr wahnsinnig lustig haben.
Es lebe das Leben danach! Denn es wird ein Jahr dauern, bis die Menschen wieder auf Kommando spinnen. Und dieses Jahr wollen wir fest geniessen!
Herzliche Grüsse
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Donnerstag, 12. Februar 2004 15:02
An: Sorpresa
Betreff: Verkehrte Welt
Liebe Sorpresa
Die Welt ist verkehrt, finde ich!
Nicht, dass ich je verstanden hätte, wieso man in der Schweiz auf der rechten Fahrbahnhälfte fährt und in England auf der linken Seite. Dass man hingegen in Australien auf der linken Seite fährt, das ist völlig klar. Denn Australien klebt ja auch auf der anderen Seite der Weltkugel. Nur ist mir hierzu nicht wirklich klar, wieso man nicht in der Schweiz auf der linken Seite fährt und in Australien auf der rechten Seite!
Darum geht es jedoch nicht. Denn das haben sich vor langer, langer Zeit sicher sehr, sehr wichtige Männer ausgedacht. Und was sich sehr, sehr wichtige Männer ausdenken, das darf man nicht hinterfragen. Das ist dann einfach so. Auch wenn man es nicht verstehen kann.
Nun gibt mir jedoch arg zu denken, was eigentlich ganz klar und geregelt ist und sich niemand ausgedacht haben kann: Die Jahreszeiten! Verstimmt sind diese nämlich und zwar fest.
Es ist Februar. Das bedeutet, es ist Winter. Was wiederum meint, dass Schnee zu liegen hat und dass es kalt ist (und schön natürlich, weil alle Menschen in den Winterurlaub fahren). Nun muss ich einfach anmerken, dass ein heilloses Durcheinander herrscht. An einem Tag schneit es dicke Flocken vom Himmel, die Leute rutschen zur Arbeit und bangen um ihre Finger aufgrund der tiefen Minustemparaturen. Am nächsten Tag herrschen frühlingshafte Temperaturen, versetzt mit unendlichem Sonnenschein, der die Schneeglöckchen aus dem Boden hervorzaubert. Am nächsten Tag stürmt es wie wild, fegt den Menschen kalten Regen ins Gesicht und knackt den verwirrten Schneeglöckchen herzlos die Köpfchen ab.
Lieber Wettervorsteher, das ist kein Zustand! Zumal mindestens die weibliche Hälfte der Bevölkerung durch dieses unvorhersehbare Untreiben in der Wahl der im Schrank eh nicht vorhandenen Kleider nachhaltig beeinträchtigt wird!
Und darum finde ich, die Herrscher unserer Zeit sollten sich weniger Gedanken über zusätzliche befahrbare Röhren durch dicke Berge machen. Nein, ums Wetter sollten sie sich kümmern! Und dafür sorgen, dass die Jahreszeiten endlich wieder so geregelt sind, wie sie es schon vor hundert Jahren nicht waren! Denn man stelle sich vor, man würde die zu befahrende Strassenseite so oft wechseln, wie das Wetter seine Laune an uns austrägt!
Herzliche Grüsse
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Dienstag, 13. Januar 2004 15:30
An: Sorpresa
Betreff: Januarloch
Liebe Sorpresa
Ungemütlich ist es. Weil die Menschen im Januarloch sitzen!
Weil sie immer noch rauchen, obschon der letzte Glockenschlag des Silvestertages die unnötige Sucht ins Nirwana hauen sollte.
Weil sie vor der Glotze immer noch fleissig Schokolade in sich reinstopfen, obschon die süsse Unlust im neuen Jahr weggeputzt sein sollte.
Weil sie sich immer noch nicht aufs Radl oder in die Joggingschuhe gezwungen haben, obschon sie im neuen Jahr zur nächsten Olympiade eingeladen werden wollten.
Weil das Geld schon wieder unter dem Weihnachtsbaum verpufft wurde, obschon sie fast überhaupt gar nicht sehr viele Geschenke gekauft haben.
Menschheit, entspannt Dich! Unter diesen herkömmlichen Januarlöchern leidet ja nun wirklich jeder. Und ich schwöre, es gibt sehr, sehr bösartigere, schlimmere Januarlöcher.
Wenn Gäste an der Tür klingeln, die zum Neujahrsbrunch kommen, obschon man sie per e-Mail wieder umgeladen hatte. Und wenn sie leider diese e-Mail nicht zeitig gesehen haben. Und wenn man dann in bergseeblaue Kinderaugen staunt, die einem ein Geschenk mit Herz in die Hand drücken, dafür dass ein Brunch auf dem Tisch steht, der da nicht steht… Und wenn sich dann a) das berühmte Loch im Boden nicht auftut, das einem frisst und b) der Kühlschrank nicht Selbstversorger ist und darum nicht mehr zu bieten hat, als ein Joghurt und schlampiges Gemüse.
Oder wenn man am 1. Januar einen Anruf kriegt von Sarahbella, die mitteilt, dass sie die am Silvesterabend besprochene Geschäftsidee unbedingt gemeinsam umsetzen will. Obschon man a) keine Ahnung hat wer Sarahbella ist und b) um welche gemeinsame Geschäftsidee es sich dabei handelt. Und dann ins Stottern gerät und sich wahnsinnig peinlich fühlt an eben diesem ersten Tag des neuen Jahres. In dem doch alles glatt laufen sollte.
Und darum sag ich Dir: Vorsätze, die einem automatisch ins Januarloch befördern sind wirklich sehr altmodisch. Denn die fiesen Januarlöcher tun sich auch ohne Vorsätze und ganz von selbst auf. Und wie!
Herzliche Grüsse
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Freitag, 12. Dezember 2003 13:10
An: Sorpresa
Betreff: Weihnachtsgrüsse
Liebe Sorpresa
Weihnachtskugeln kann man kaufen, seit der Herbst die ersten goldenen Blätter hervorgezaubert hat. Und allerlei sonstiges Weihnachtszeug dazu. Seit Wochen glitzert es in den Schaufenstern, riecht nach Zimt und Honig. Tausend neue alte Ideen werden beworben, damit man weiss, was man seinen Liebsten zur Bescherung unter das Bäumchen legen kann. Das ist die jährliche wiederkehrende Strategie, den Weihnachtskommerz so früh wie möglich in die Gänge zu bringen. Bringt ja schliesslich viel Batzeli in die Kasse. Nämlich.
Und nun trudeln sie ein, die Weihnachtsgrüsse: Vorgedruckt, ohne persönliche Botschaft und keineswegs auf feierlichem Papier. Im schlimmsten Fall kommen sie gar per e-Mail. Und manchmal nicht mal mit anmutigen Worten, denn sie kommen – noch viel schlimmer - ebenso per SMS und müssen in Kürze gesagt sein.
Es reicht!
Ich will wieder richtig schöne Weihnachtskarten! Sofort. Und zwar solche, auf denen Fotos tiefverschneiter Wälder kleben, die selbst geknipst wurden oder selbstgepappte Bildchen. Mit dem Füllfederhalter geschrieben. Und wenn möglich mit einem Tintenfleck und zwei Schreibfehlern in fünf Sätzen. Aber ich will Weihnachtskarten, die nur für mich geschrieben wurden und nicht auch noch für das halbe Universum benutzt werden können! Und dies gar noch mit einem einzigen Klick oder Tastendruck.
Und bis diese eintreffen, werde ich keine e-Mails mehr beantworten, keine SMS mehr lesen und so tun, als wäre uns in diesem Jahr Weihnachten abhanden gekommen.
Zum Schluss wünsche ich Dir gar nichts. Nicht zu Weihnachten und auch nicht zum neuen Jahr. Denn Dein Briefkasten wird mit einer Karte von mir gefüttert werden. Eine die von Hand gebastelt ist, die mit Tinte beschrieben wurde und eine die es nur einmal gibt auf dieser Welt. Und wenn Du Glück hast, ja dann hat es darin auch noch einen Schreibfehler. Und der ist dann ganz für Dich allein!
Weihnachtliche Grüsse
Aladina im Wunderland
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Von: Aladina im Wunderland
Gesendet: Montag, 17. November 2003 14:19
An: Sorpresa
Betreff: Ausblick
Liebe Sorpresa
Ausblick meint Outlook in Englisch. Klingt nach Perspektive und Zukunft, oder? Aber nein! Nichts ist wie früher. Obwohl ich früher natürlich nicht da war. Naja, zumindest nicht ganz früher.
Also.
Ich habe einen PC, einem modernen sogar. Man kann ihn auf Händen tragen und er heisst Notebook. Und darauf wohnt Outlook (Ausblick) und sammelte die Notebook-Post meiner Freunde.
Und dann nahm Ausblick mir die Weitsicht. Das geschah unlängst. Ich habe das Teil gestartet und es hat sich nach 3,7 Sekunden automatisch verabschiedet. In dieser ultrakurzen Zeit hat es auch noch gleich drei neue e-Mails gefressen. Naja, habe ich gedacht. Wir haben alle mal einen schlechten Tag. Auch Ausblick darf mal einen davon abkriegen. Nur leider hat das nie wieder aufgehört.
Ausblick hat sich verabschiedet, sozusagen. Es kann nicht daran gelegen haben, dass ich zuviel Post erhalte. Mir schreiben nämlich nur ein paar Freunde. Und Unbekannte, die mir etwas verkaufen wollen. Socken zum Beispiel oder günstige Flüge nach Ibiza oder Filme mit leichtbekleideten Damen oder so.
Und weißt Du was die Härte aller Dinge ist? Das Teil frisst nicht nur meine e-Mails, nein, es löscht freundlicherweise meine gesamten Adressbucheinträge! Fazit: Ich habe keine e-Mails, ich habe keine Freunde und schlussendlich habe ich keine Ahnung!
Wenn Du also Deine Freunde loswerden möchtest, darfst Du Deine e-Mails auf meinem Outlook empfangen.
Und ich habe immer noch keine Lösung. Und keine e-Mails und keine Freunde und überhaupt. Und ich wundere mich weiter darüber, dass ein Ausblick einem die Perspektive fressen kann.
Liebe Grüsse
Aladina im Wunderland


